Wi­ki­leaks emp­fahl Trump Wahl­an­fech­tung

Kon­takt zwi­schen Platt­form und Prä­si­den­ten­sohn – Do­nald Jr. im Fo­kus der Er­mitt­ler – Ass­an­ge woll­te Cl­in­ton un­be­dingt ver­hin­dern

Muenchner Merkur - - POLITIK -

– Nach Do­nald Trumps Rück­kehr von sei­ner fast zwei­wö­chi­gen Asi­en-Rei­se geht der in­nen­po­li­ti­sche Thril­ler in sei­ner Hei­mat wei­ter. Die Fra­ge: Wer hat wie und wann Ein­fluss auf die US-Wahl im No­vem­ber 2016 ge­nom­men? Das neue Puz­zle­stück: ei­ne bis­her nicht be­kann­te Ver­bin­dung zwi­schen der Ent­hül­lungs­platt­form Wi­ki­leaks – und dem äl­tes­ten Sohn des US-Prä­si­den­ten.

Do­nald Trump Jr. selbst ver­öf­fent­lich­te am Mon­tag­abend Nach­rich­ten, die ei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen ihm und dem Twit­ter­kon­to von Wi­ki­leaks zei­gen und sich un­ter an­de­rem um Ent­hül­lun­gen der Platt­form dre­hen. Der 39-Jäh­ri­ge war da­bei be­müht, die Be­deu­tung der Mit­tei­lun­gen her­un­ter­zu­spie­len. Er re­agier­te mit der Ver- öf­fent­li­chung auf ei­nen Ar­ti­kel des Ma­ga­zins „The At­lan­tic“, das über den In­halt der Nach­rich­ten be­rich­tet hat­te.

Al­ler­dings sind die Neu­ig­kei­ten durch­aus pi­kant, weil Wi­ki­leaks wäh­rend des Prä­si­dent­schafts­wahl­kampfs ei­ne be­deu­ten­de Rol­le in­ne hat­te. Die Platt­form ver­öf­fent­lich­te ge­hack­te E-Mails aus dem de­mo­kra­ti­schen La­ger um Hil­la­ry Cl­in­ton. Das scha­de­te Cl­in­ton sehr. US-Ge­heim­diens­te be­schul­di­gen die rus­si­sche Re­gie­rung, hin­ter den Ha­cker-An­grif­fen zu ste­hen.

Die An­ge­le­gen­heit ist für Trump Jr. hei­kel, weil er oh­ne­hin im Fo­kus der Russ­land-Af­fä­re steht. Im Ju­li hat­te er ein­räu­men müs­sen, sich im Wahl­kampf mit ei­ner rus­si­schen An­wäl­tin ge­trof­fen zu ha­ben. Aus E-Mails geht her­vor, dass er der Be­geg­nung zu­ge­stimmt hat­te, weil ihm be­las­ten­des Ma­te­ri­al über Cl­in­ton ver­spro­chen wor­den war. In ei­ner an­de­ren E-Mail an ihn ist von ei­nem Ver­such der rus­si­schen Re­gie­rung die Re­de, dem äl­te­ren Trump zu hel­fen.

Da­zu kommt nun die Ver­bin­dung mit Wi­ki­leaks. Vom Twit­ter­kon­to der Platt­form ent­hielt Trump Jr. im Sep­tem­ber 2016 ei­ne Fra­ge zu dem Initia­tor ei­nes po­li­ti­schen Ak­ti­ons­ko­mi­tees. Er ant­wor­te­te, er wis­se nicht, wer das sei, wol­le sich aber um­hö­ren. In der nächs­ten Nach­richt bat Wi­ki­leaks ihn, ei­nen Be­richt über Cl­in­ton öf­fent­lich zu kom­men­tie­ren. Trump Jr. ent­geg­ne­te, er ha­be das be­reits ge­tan. Dann er­gänz­te er: „Es ist er­staun­lich, wo­mit sie durch­kommt.“In der drit­ten Nach­richt frag­te er Wi­ki­leaks, was hin­ter ei­ner Ent­hül­lung ste­cke, von der er ge­le­sen ha­be. Die Platt­form bat ihn dann dar­um, ei­nen Link zu ver­brei­ten – was er zwei Ta­ge spä­ter tat.

Ab die­sem Punkt fin­den sich kei­ne wei­te­ren Ant­wor­ten von Trump Jr. un­ter den ver­öf­fent­lich­ten Nach­rich­ten. Es fol­gen nur noch Mit­tei­lun­gen von Wi­ki­leaks. So schlug ihm der Nut­zer des Twit­ter­kon­tos im Ok­to­ber 2016 vor, der Platt­form die Steu­er­er­klä­rung sei­nes Va­ters zur Ver­öf­fent­li­chung zu ge­ben. Au­ßer­dem emp­fahl Wi­ki­leaks, dass Trump sich im Fall ei­ner Nie- der­la­ge nicht ge­schla­gen ge­ben dür­fe, son­dern das Er­geb­nis an­fech­ten müs­se.

Be­son­ders die­se frag­wür­di­ge Emp­feh­lung zeigt, wie ve­he­ment die Be­trei­ber von Wi­ki­leaks da­für ein­tra­ten, ei­ne Prä­si­den­tin Hil­la­ry Cl­in­ton zu ver­hin­dern. Die wech­sel­sei­ti­ge Ab­leh­nung hat ei­ne lan­ge Vor­ge­schich­te. Cl­in­ton sprach als US-Au­ßen­mi­nis­te­rin 2010 nach der Ver­öf­fent­li­chung et­li­cher Do­ku­men­te aus US-Bot­schaf­ten von ei­ner „Atta­cke auf die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft“. Wi­ki­leaks-Grün­der Ju­li­an Ass­an­ge wie­der­um be­zeich­ne­te Cl­in­ton als Sinn­bild des in­trans­pa­ren­ten Po­li­tik­sys­tems der USA. Der um­strit­te­ne Ass­an­ge be­fin­det sich seit 2012 in der Bot­schaft Ecua­dors in Lon­don. Nach Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wür­fen war er dort­hin ge­flüch­tet. Die EU-Po­li­ti­ke­rin Bar­ba­ra Loch­bih­ler warnt vor ei­ner be­vor­ste­hen­den hu­ma­ni­tä­ren Ka­ta­stro­phe in den Flücht­lings­la­gern auf den grie­chi­schen In­seln. „Das La­ger Mo­ria auf Les­bos ist mit gut 6500 Be­woh­nern drei­mal über­be­legt. Min­des­tens 1500 von ih­nen le­ben der­zeit in Zel­ten, die nicht be­heiz­bar sind“, sag­te Loch­bih­ler am Di­ens­tag nach ei­nem Be­such auf der In­sel. Nach Luft­an­grif­fen auf ei­nen Markt im Nor­den Sy­ri­ens ist die Zahl der Op­fer nach An­ga­ben von Ak­ti­vis­ten auf 61 ge­stie­gen. Dar­un­ter sol­len auch fünf Kin­der und sechs Frau­en sein, es ge­be zu­dem vie­le Ver­letz­te. Ob die An­grif­fe auf den von Re­bel­len be­setz­ten Ort von sy­ri­schen oder rus­si­schen Kampf­flug­zeu­gen aus­ge­führt wur­den, war zu­nächst un­klar.

FO­TO: RTS

Dunk­le Sei­ten? Do­nald Trump Jr. im Trump-To­wer.

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