Wirt­schaft wächst un­er­war­tet kräf­tig

Die künf­ti­ge Bun­des­re­gie­rung be­kommt Rü­cken­wind von der Kon­junk­tur. Der Ex­port und in­ves­ti­ti­ons­freu­di­ge Un­ter­neh­men be­flü­geln das Wachs­tum.

Muenchner Merkur - - WIRTSCHAFT - VON FRIE­DE­RI­KE MARX

– Die deut­sche Wirt­schaft steu­ert 2017 auf das stärks­te Wachs­tum seit sechs Jah­ren zu. Im drit­ten Quar­tal leg­te das Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) be­flü­gelt vom Au­ßen­han­del und von stei­gen­den In­ves­ti­tio­nen der Un­ter­neh­men un­er­war­tet kräf­tig um 0,8 Pro­zent ge­gen­über dem Vor­quar­tal zu. Dies teil­te das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt ges­tern in ei­ner ers­ten Schät­zung mit. Öko­no­men hat­ten im Schnitt mit ei­nem ge­rin­ge­ren Plus ge­rech­net.

Im zwei­ten Vier­tel­jahr war die deut­sche Wirt­schaft um 0,6 Pro­zent ge­wach­sen. Zum Jah­res­be­ginn leg­te das BIP nach kor­ri­gier­ten Zah­len so­gar um 0,9 Pro­zent zu. Im­pul­se ka­men zwi­schen Ju­li und Sep­tem­ber nach An­ga­ben der Sta­tis­ti­ker un­ter an­de­rem vom Au­ßen­han­del, der von der Er­ho­lung der Welt­wirt­schaft pro­fi­tier­te. Die Ex­por­te nah­men im drit­ten Quar­tal stär­ker zu als die Im­por­te.

Auch In­ves­ti­tio­nen der Fir­men in Aus­rüs­tun­gen wie Ma­schi­nen scho­ben die Kon­junk­tur an. Die Un­ter­neh­men wa­ren laut dem Ifo-In­sti­tut zu­letzt so zu­ver­sicht­lich wie nie zu­vor. „Die Stim­mung in den deut­schen Chef­eta­gen hat ein neu­es All­zeit­hoch er­reicht“, sag­te Ifo-Prä­si­dent Cle­mens Fu­est jüngst. „Die deut­sche Wirt­schaft steht un­ter Voll­dampf.“Auch Fi­nanz­pro­fis se­hen dies so. Im No­vem­ber stie­gen die Kon­junk­tur­er­war­tun­gen deut­scher Fi­nanz­ex­per­ten den drit­ten Mo­nat in Fol­ge, wie das Zen­trum für Eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­for­schung (ZEW) mit­teil­te.

Die staat­li­chen und pri­va­ten Kon­sum­aus­ga­ben la­gen im drit­ten Quar­tal den An­ga­ben zu­fol­ge da­ge­gen in et­wa auf dem Ni­veau des zwei­ten Vier­tel­jah­res. Die Ver­brau­cher sind an­ge­sichts der his­to­risch güns­ti­gen La­ge auf dem Ar- beits­markt und der Zins­flau­te zwar wei­ter in Kauf­lau­ne. Zu­letzt hat­te nach An­ga­ben der GfK-Kon­sum­for­scher die Preis­ent­wick­lung die Stim­mung aber et­was ge­dämpft.

Im Ok­to­ber lag die Jah­res­in­fla­ti­on mit 1,6 Pro­zent un­ter dem Sep­tem­ber-Wert von 1,8 Pro­zent. Al­ler­dings wur­den vor al­lem Nah­rungs­mit­tel deut­lich teu­rer – das macht sich un­mit­tel­bar be­merk­bar.

Das Wirt­schafts­wachs­tum im Eu­ro­raum ver­lor im Som­mer da­ge­gen an Schwung. Im drit­ten Quar­tal stieg das BIP in den 19 Län­dern des ge­mein­sa­men Wäh­rungs­raums im Ver­gleich zum Vor­quar­tal ins­ge­samt um 0,6 Pro­zent, wie das eu­ro­päi­sche Sta­tis­tik­amt Eu­ro­s­tat in ei­ner zwei­ten Schät­zung mit­teil­te. Im Qu­ar- tal da­vor war das Wachs­tum mit 0,7 Pro­zent noch et­was stär­ker aus­ge­fal­len.

Ge­gen­über dem Vor­jahr stieg die Wirt­schafts­leis­tung in Deutsch­land um 2,3 Pro­zent. Nach Ein­schät­zung von Öko­no­men wird der un­ge­wöhn­lich lan­ge Auf­schwung vor­erst wei­ter­ge­hen. Zahl­rei­che Bank-Volks­wir­te und Wirt­schafts­for­scher hat­ten ih­re Pro­gno­sen zu­letzt her­auf­ge­setzt. So trau­en bei­spiels­wei­se die „Wirt­schafts­wei­sen“Deutsch­land 2017 ein Wachs­tum von 2,0 Pro­zent zu. Al­li­anz-Chef­volks­wirt Michael Hei­se geht so­gar von 2,3 Pro­zent aus (sie­he In­ter­view).

Der Deut­sche In­dus­trie­und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) mahn­te, die künf­ti­ge Bun­des­re­gie­rung müs­se den öko­no­mi­schen Schwung für Re­for­men nut­zen. Ganz oben auf der Prio­ri­tä­ten­lis­te der Be­trie­be stün­den der Bü­ro­kra­tie­ab­bau und die Di­gi­ta­li­sie­rung, er­läu­ter­te DIHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Mar­tin Wans­le­ben. „Denn wäh­rend es kon­junk­tu­rell rich­tig gut läuft, liegt struk­tu­rell ei­ni­ges im Ar­gen.“

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