Mit vol­ler Kas­se vor gro­ßen Pro­ble­men

Die Ren­ten­ver­si­che­rung steht gut da. Auch für die nächs­ten Jah­re sind die fi­nan­zi­el­len Aus­sich­ten an­ge­sichts der star­ken Kon­junk­tur po­si­tiv. Dann aber wer­den die Zei­ten schwie­ri­ger.

Muenchner Merkur - - WIRTSCHAFT -

– Be­reits am Mon­tag war be­kannt ge­wor­den, dass sich die deut­schen Rent­ner im nächs­ten Jahr auf ei­ne deut­li­che Er­hö­hung ih­rer Al­ters­be­zü­ge von rund drei Pro­zent freu­en dür­fen – da­von je­den­falls geht die Bun­des­re­gie­rung aus. Ges­tern prä­sen­tier­te die Ren­ten­ver­si­che­rung in Würz­burg ih­re ei­ge­nen kon­kre­ten Zah­len. Und stell­te in Aus­sicht, dass es auch in den kom­men­den Jah­ren erst ein­mal er­freu­lich wei­ter­ge­hen könn­te. „Wenn wir wei­ter Lohn­er­hö­hun­gen von 2,5 bis drei Pro­zent ha­ben, geht auch die Ren­ten­ent­wick­lung in die­se Rich­tung“, sag­te Alex­an­der Gun­kel, der im Bun­des­vor­stand der Ren­ten­ver­si­che­rung die Ar­beit­ge­ber­sei­te ver­tritt. Der Knack­punkt aber liegt in Gun­kels ers­tem Halb­satz – die Lohn­ent­wick­lung.

Selbst die für 2018 pro­gnos­ti­zier­te Er­hö­hung fu­ße schließ­lich nur auf ei­ner Mo­dell­rech­nung der Bun­des­re­gie­rung. „Und die maß­geb­li­che Grö­ße Lohn­ent­wick­lung ken­nen wir noch nicht.“Si- cher sein kön­ne man sich al­so erst im Früh­jahr. Die Aus­sich­ten aber sind gut. Auch das Ren­ten­ni­veau lie­ge mit ak­tu­ell 48,2 Pro­zent deut­lich über dem Wert, der noch vor Aus­bruch der Fi­nanz­kri­se 2008 für das Jahr 2017 ge­schätzt wur­de, sag­te Gun­kel.

In den Ge­nuss gu­ter Aus­sich­ten kom­men der­zeit auch die Bei­trags­zah­ler. Dank ei­nes „der längs­ten Auf­schwün­ge der Ge­schich­te der Bun­des­re­pu­blik“ha­ben sich die Ein­nah­men der Ren­ten­ver­si­che­rung bes­ser ent­wi­ckelt als er­war­tet. Seit An­fang 2015 hält sich der Bei­trags­satz sta­bil auf 18,7 Pro­zent – der nied­rigs­te Wert seit 1996. Da an­ge­sichts so­li­der Fi­nan­zen – in die­sem Jahr peilt man die schwar­ze Null an – die Nach­hal­tig­keits­rück­la­ge von der­zeit 32,4 Mil­li­ar­den Eu­ro die Schwel­le von 1,5 Mo­nats­aus­ga­ben über­schrei­tet, steht nach dem Ge­setz 2018 ei­ne Bei­trags­sen­kung um 0,1 Pro­zent­punk­te auf 18,6 Pro­zent ins Haus.

An­ne­lie Bun­ten­bach, Gun­kels Co-Vor­sit­zen­de von Ar­beit­neh­mer­sei­te, wür­de das am liebs­ten ver­mei­den. „Wir wis­sen, wie die mit­tel­fris­ti­gen Ent­wick­lun­gen aus­se­hen“, sag­te sie. Und zwar so: Bis 2030 dürf­te das Ren­ten­ni­veau auf 45 Pro­zent und bis 2045 auf 42,2 Pro­zent fal­len,wenn die Po­li­tik nicht ge­gen­steu­ert. Ab 2023 dürf­te auch der Bei­trags­satz wie­der stei­gen, zu­nächst auf 18,7 Pro­zent. 2024 wird ei­ne Stei­ge­rung auf 19,8 Pro­zent vor­aus­ge­sagt. Dann dürf­te der Bei­trags­satz schritt­wei­se wei­ter stei­gen, bis er im Jahr 2030 bei 21,6 Pro­zent lie­gen dürf­te.

„Es ist nicht sinn­voll, erst ab­zu­sen­ken, um dann gleich wie­der an­zu­he­ben“, sag­te Bun­ten­bach. Sie sei zwar nicht da­für, ei­ne „de­mo­gra­fi­sche Re­ser­ve“auf­zu­bau­en, aber ei­ne Ent­wick­lung „hö­he­re Bei­trä­ge für sin­ken­des Ren­ten­ni­veau“sei „ei­ne Si­tua­ti­on, in die wir nicht lau­fen soll­ten“. Sonst dro­he die Ren­ten­ver­si­che­rung ih­re Le­gi­ti­mi­tät in der Be­völ­ke­rung zu ver­lie­ren. Statt sich auf die Kon­junk­tur zu ver­las­sen, brau­che es „ei­ne Ab­si­che­rung für die, die ge­sund­heit­lich nicht mehr kön­nen“, sag­te Bun­ten­bach. Sprich: Ver­bes­se­run­gen bei der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te.

Gun­kel sag­te, es sei an­ge­sichts ei­ner mög­li­chen Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on völ­lig un­ge­wiss, wel­che ren­ten­po­li­ti­schen Neue­run­gen die Po­li­tik an­stre­be. Er emp­feh­le aber – kom­men­de Her­aus­for­de­run­gen im Blick –, kei­ne neu­en Leis­tun­gen ein­zu­füh­ren, für die kei­ne Bei­trä­ge ge­zahlt wur­den, „so­weit nicht in vol­lem Um­fang ih­re Fi­nan­zie­rung aus Steu­er­mit­teln ge­währ­leis­tet ist“.

Die an­ste­hen­de Bei­trags­sen­kung hält Gun­kel hin­ge­gen durch­aus für sinn­voll. Der­zeit müs­se man Ne­ga­tiv­zin­sen für an­ge­leg­te Bei­trags­gel­der in Kauf neh­men, gab er zu be­den­ken. Dies be­deu­te 2017 ei­nen Ver­lust von 10 Mil­lio­nen Eu­ro, im Jahr 2018 wür­den es be­reits 30 Mil­lio­nen. Ein­ge­rech­net, dass das Geld dem Wirt­schafts­kreis­lauf ent­zo­gen wird, hand­le es sich so­gar um ei­ne „rea­le Wert­ver­nich­tung von ei­ner hal­ben Mil­li­ar­de Eu­ro“. Nach der Air­ber­lin-Plei­te klagt die deut­sche Wirt­schaft über dras­tisch ge­stie­ge­ne Kos­ten für Ge­schäfts­rei­sen. Flug­ti­ckets sei­en nach den Be­ob­ach­tun­gen der Un­ter­neh­men in der Spit­ze um bis zu 50 Pro­zent teu­rer ge­wor­den, be­rich­te­te der Ver­band Deut­sches Rei­se­ma­nage­ment (VDR) am Di­ens­tag in Frank­furt. Der Ver­band stützt da­mit Be­rech­nun­gen des In­ter­net-Por­tals „My­de­alz“, über die das „Han­dels­blatt“be­rich­tet hat­te. Dem­nach sind auf Kurz­stre­cken die Prei­se zwi­schen 26 Pro­zent an Werk­ta­gen und knapp 39 Pro­zent an Wo­che­n­en­den ge­stie­gen. Der Ener­gie­kon­zern RWE hält nach den ers­ten neun Mo­na­ten wei­ter Kurs zu dem ge­plan­ten Mil­li­ar­den­ge­winn für 2017. Dank der Rück­zah­lung von Atom­steu­ern, hö­he­rer Ener­gie­prei­se und der gu­ten Ent­wick­lung der Toch­ter In­no­gy lag der Net­to­er­trag in den ers­ten drei Quar­ta­len mit 2,2 Mil­li­ar­den Eu­ro weit über den 11 Mil­lio­nen Eu­ro aus dem Vor­jah­res­zeit­raum. Dies teil­te der Dax-Kon­zern am Di­ens­tag in Es­sen mit. Be­rei­nigt um Son­der­pos­ten ver­vier­fach­te sich der Über­schuss na­he­zu auf 876 Mil­lio­nen Eu­ro. Nach mas­si­vem Är­ger mit Kar­tell­wäch­tern in Eu­ro­pa muss sich Goog­le erst­mals seit Jah­ren wie­der Wett­be­werb­ser­mitt­lun­gen in den USA stel­len. Der Staats­an­walt des Bun­des­staa­tes Mis­sou­ri will un­ter an­de­rem der Fra­ge nach­ge­hen, ob Goog­le in Such­er­geb­nis­sen ei­ge­ne Di­ens­te zum Nach­teil der Kon­kur­renz be­vor­zugt ha­be. Au­ßer­dem ge­he es um das Sam­meln von Nut­zer­da­ten.

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