Zwangs­pau­se

Muenchner Merkur - - KULTUR -

Freun­de des Ori­gi­nal­klangs sind bei den Da­men und Her­ren der Ber­li­ner Aka­de­mie für Al­te Mu­sik (Aka­mus) be­kannt­lich im­mer gut auf­ge­ho­ben. Das zeig­te sich wie­der beim zwei­ten Kon­zert des ak­tu­el­len Zy­klus im Prinz­re­gen­ten­thea­ter, für das sich das ge­fei­er­te En­sem­ble zu­sätz­lich Kit Arm­strong als So­lis­ten und – man hö­re und stau­ne – auch als Kom­po­nis­ten ein­ge­la­den hat­te. Neue Hö­r­er­fah­run­gen brach­te al­ler­dings für vie­le im Saal vor al­lem das In­stru­ment, an wel­chem der jun­ge US-ame­ri­ka­ni­sche Pia­nist Platz ge­nom­men hat­te. Denn „so ein Ham­mer­flü­gel ist eben ei­ne zar­te See­le“, wie Aka­mus-Kon­zert­meis­ter Bern­hard Forck das Pu­bli­kum vor Mo­zarts be­rühm­tem „Jeu­nehom­me“-Kon­zert bei­na­he ent­schul­di­gend wis­sen ließ.

Wer den vol­len Klang von St­ein­way, Bö­sen­dor­fer und Co. er­war­te­te, hat­te sei­ne Oh­ren wohl tat­säch­lich erst ein­mal neu zu jus­tie­ren. Dann konn­te man al­ler­dings er­le­ben, wie Arm­strong das feh­len­de Vo­lu­men fast schon zur Tu­gend er­klär­te. Wie be­reits in den vor­aus­ge­schick­ten Sin­fo­ni­en von Mo­zart und Jo­hann Chris­ti­an Bach ver­such­te er auch bei die­sem Vir­tuo­sen­stück erst gar nicht, sich ge­gen die süf­fig mu­si­zie­ren­den Strei­cher zu stem­men. Statt­des­sen füg­te er sich de­zent in den En­sem­ble­klang ein und spar­te sei­ne Kräf­te, um dann in den kon­trast­rei­chen So­lo­ka­den­zen tech­nisch um­so sou­ve­rä­ner zu bril­lie­ren. Dass Arm­strong Ver­ständ­nis für die Stär­ken und Schwä­chen die­ses be­son­de­ren In­stru­ments mit­bringt, hat­te im ers­ten Teil be­reits sein spe­zi­ell für Aka­mus kom­po­nier­tes „Kon­zert für Ham­mer­kla­vier und Strei­cher“ge­zeigt, bei dem zwi­schen den An­leh­nun­gen an Bach’sche Klang­wel­ten im­mer wie­der klei­ne jaz­zi­ge Ein­flüs­se zu ver­neh­men wa­ren. Wo­bei man auch beim Kom­po­nis­ten Arm­strong sehr deut­lich den ge­lern­ten Pia­nis­ten her­aus­hör­te, der vor al­lem sich selbst über den sanft da­hin­wo­gen­den Strei­cher­flä­chen ele­gant in Sze­ne zu set­zen ver­stand. Der Ne­s­troy, Ös­ter­reichs Thea­ter­preis, geht nach Mün­chen ans Re­si­denz­thea­ter. Am Mon­tag wur­de in Wi­en Ul­rich Ra­sches Ins­ze­nie­rung von Schil­lers „Die Räu­ber“als bes­te deutsch­spra­chi­ge Auf­füh­rung aus­ge­zeich­net. Die Pro­duk­ti­on er­öff­ne­te vor ei­nem Jahr die Spiel­zeit am Baye­ri­schen Staats­schau­spiel; nächs­te Vor­stel­lungs­ter­mi­ne sind an die­sem Wo­che­n­en­de so­wie am 27. und 28. De­zem­ber. „Es ist groß­ar­tig, für ‚Die Räu­ber‘ nach den Eh­run­gen durch das Ber­li­ner Thea­ter­tref­fen und die Aus­zeich­nung als Büh­nen­bild des Jah­res nun auch mit dem Ne­s­troy aus­ge­zeich­net wor­den zu sein“, er­klär­te Sa­bi­ne Rü­ter, Spre­che­rin des Re­si­denz­thea­ters, auf An­fra­ge un­se­rer Zei­tung. „Es zeigt, wie wich­tig es ist, auch solch’ her­aus­for­dern­de, pha­sen­wei­se fast über­for­dern­de Pro­jek­te zu rea­li­sie­ren. Es war ein Mam­mut­pro­jekt, für das sich die Schau­spie­ler eben­so wie vie­le Kol­le­gen al­ler Ab­tei­lun­gen, ins­be­son­de­re der Tech­nik, über die Ma­ßen en­ga­giert ha­ben.“

Der Ne­s­troy wur­de in 13 Ka­te­go­ri­en ver­ge­ben. Der Preis für die bes­te Re­gie ging heu­er an El­mar Go­er­den für sei­ne Büh­nen­fas­sung „Die Ver­damm­ten“nach dem Film von Lu­chi­no Vis­con­ti, die am Thea­ter in der Jo­sef­stadt her­aus­ge­kom­men ist. Als bes­te Schau­spie­le­rin wur­de Andrea Jo­nas­son ge­ehrt, die in „Die Ver­damm­ten“Fr­ei­frau von Es­sen­beck spielt. Joa­chim Mey­er­hoff wur­de für sei­nen Auf­tritt in der Ad­ap­ti­on von Tho­mas Mel­les Ro­man „Die Welt im Rü­cken“am Aka­de­mie­thea­ter als bes­ter Schau­spie­ler aus­ge­zeich­net.

Burg­schau­spie­le­rin Kirs­ten De­ne er­hielt den Preis fürs Le­bens­werk. Die Ent­schei­dung für die ge­bür­ti­ge Ham­bur­ge­rin ha­be in der Ju­ry Be­geis­te­rung aus­ge­löst, heißt es in der Be­grün­dung. Sie ließ in „Er­in­ne­run­gen an gro­ße Thea­ter­er­leb­nis­se schwel­gen, die ei­ne selt­sa­me Ma­gie aus­lös­ten und die un­er­gründ­lichs­ten Frau­en­fi­gu­ren na­he­brach­ten“. Die 74-Jäh­ri­ge präg­te un­ter an­de­rem Claus Pey­manns Thea­ter­ar­beit ganz ent­schei­dend. Pop­sän­ge­rin Sha­ki­ra muss den Auf­takt ih­rer Welt­tour­nee auf das nächs­te Jahr ver­schie­ben. Auf­grund ei­ner Stimm­band­blu­tung sagt die ko­lum­bia­ni­sche Künst­le­rin auf Emp­feh­lung ih­rer Ärz­te al­le für No­vem­ber und De­zem­ber ge­plan­ten eu­ro­päi­schen Kon­zer­te ab; dar­un­ter fällt auch der für 30. No­vem­ber ge­plan­te Auf­tritt in Mün­chen. Die Olym­pia­hal­le ist be­reits na­he­zu aus­ver­kauft, er­wor­be­ne Ein­tritts­kar­ten blei­ben gül­tig.

Wann Sha­ki­ra die Ter­mi­ne im nächs­ten Jahr nach­ho­len wird, steht noch nicht fest. Da aber im Ja­nu­ar und bis Mit­te Fe­bru­ar Kon­zer­te in den USA und Ka­na­da pro­gram­miert sind, wür­den die eu­ro­päi­schen Auf­trit­te wohl frü­hes­tens zwi­schen Mit­te und En­de Fe­bru­ar und dem nächs­ten Früh­jahr nach­ge­holt wer­den kön­nen. Den für den 8. No­vem­ber in der Köl­ner Lan­xess Are­na ge­plan­ten Auf­takt ih­rer „El Do­ra­do World Tour“hat­te Sha­ki­ra we­ni­ge Ta­ge vor ih­rem Auf­tritt ab­ge­sagt. Da­nach hat­te die 40-Jäh­ri­ge auch Kon­zer­te in Pa­ris, Ant­wer­pen und Ams­ter­dam ge­stri­chen.

Sha­ki­ra ha­be ge­hofft, die Tour­nee noch die­se Wo­che star­ten zu kön­nen, und sei nun des­halb „sehr ent- täuscht“, teil­te der Kon­zert­ver­an­stal­ter Li­ve Na­ti­on mit. Sie sol­le sich auf drin­gen­des ärzt­li­ches An­ra­ten er­ho­len, um blei­ben­de Schä­den zu ver­mei­den. Nach ih­rer Ge­ne­sung wol­le sie aber die bes­ten Kon­zer­te ih­rer Kar­rie­re bie­ten. Sha­ki­ra be­dan­ke sich bei ih­ren Fans für die „Treue, Ge­duld und Un­ter­stüt­zung“.

Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag hat­te die Mu­si­ke­rin, die für Hits wie „Wa­ka Wa­ka“und „Ra­bio­sa“be­kannt ist, nach der Ab­sa­ge der ers­ten Kon­zer­te auf Twit­ter von ei­ner „schwie­ri­gen Zeit“ge­schrie­ben. Sie ha­be ih­re Tour mit viel Freu­de vor­be­rei­tet und hof­fe, dass sie sie mit Got­tes Hil­fe „sehr bald“wer­de star­ten kön­nen, so die Mut­ter zwei­er Söh­ne. Ihr elf­tes und bis­her letz­tes Al­bum „El Do­ra­do“– be­nannt nach dem sa­gen­haf­ten ko­lum­bia­ni­schen Gold­land – hat­te Sha­ki­ra im Mai her­aus­ge­bracht. mans, Hi­to Stey­erl und Hi­wa K. Auch die Ku­ra­to­rin Su­san­ne Pfef­fer und der Di­rek­tor der Art Ba­sel, Marc Spieg­ler, sind im vor­de­ren Feld ver­tre­ten. Ham­burg hat seit ges­tern ei­ne „Piaz­zet­ta-Ral­phGior­da­no“. Der Platz un­weit des Barm­be­ker Bahn­hofs er­in­nert an den Schrift­stel­ler Gior­da­no (1923-2014), der sich in sei­nen Wer­ken vor al­lem mit der Shoah und de­ren Fol­gen aus­ein­an­der­setz­te. Er hat­te im Stadt­teil Barm­bek Kind­heit und Ju­gend ver­bracht. „Ralph Gior­da­no war ein lei­den­schaft­li­cher Jour­na­list, Ro­man­au­tor und Fil­me­ma­cher. Von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten fast in den Tod ge­trie­ben, setz­te er sich zeit­le­bens ve­he­ment für un­se­re de­mo­kra­ti­sche Ge­sell­schaft ein“, sag­te Kul­tur­se­na­tor Carsten Bros­da. Da die Fa­mi­lie Gior­da­no ita­lie­ni­sche und jü­di­sche Wur­zeln hat­te, wur­de sie wäh­rend des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­folgt. Sie über­leb­te in ei­nem Kel­ler­ver­steck. Gior­da­nos au­to­bio­gra­fi­scher Ro­man „Die Ber­ti­nis“er­zählt da­von.

FO­TO: DPA

Sha­ki­ra

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