Das ge­hei­me netz­werk

Für un­ser Wohl­be­fin­den spielt das Lym­ph­sys­tem ei­ne ganz zen­tra­le Rol­le: Es rei­nigt das Ge­we­be und schützt uns vor Krank­hei­ten. Wie das funk­tio­niert – plus fünf ein­fa­che, ak­ti­vie­ren­de Übun­gen für Zu­hau­se

MYWAY - - VORDERSEITE - TEXT: An­ne Kli­en

So funk­tio­niert un­ser Lym­ph­sys­tem

De­zent und un­auf­fäl­lig er­le­digt das Lym­ph­sys­tem die Schad­stoff­ab­fuhr in un­se­rem Kör­per. Ih­ren An­fang nimmt Lym­phe als Bin­de­ge­webs­flüs­sig­keit – sie ver­sorgt die Zel­len mit Nähr­stof­fen. An­schlie­ßend ent­fernt sie den Ab­fall aus dem Ge­we­be: Stoff­wech­sel­pro­duk­te der Zel­len, Zell­res­te und nicht zu­letzt Bak­te­ri­en oder Vi­ren. „Im Bin­de­ge­we­be gibt es Zel­len, die ih­re Klap­pen öff­nen kön­nen. Dar­über strömt das Ge­web­s­was­ser in die Lymph­ge­fä­ße und trans­por­tiert die über­flüs­si­gen Stof­fe ab“, er­klärt Dr. Chris­ti­na Schrei­ber, Lym­pho­lo­gin am Zen­trum für Ge­fäß­me­di­zin Hamburg und 1. Vor­sit­zen­de von Lym­ph­netz Hamburg. Wie wich­tig das für un­ser Wohl­be­fin­den ist, mer­ken wir erst, wenn das Sys­tem nicht mehr per­fekt funk­tio­niert: Dann wird un­ser Ge­we­be nicht mehr gründ­lich ge­rei­nigt und Krank­heits­er­re­ger kön­nen sich aus­brei­ten. Ver­schie­de­ne Stu­di­en fan­den Zu­sam­men­hän­ge zwi­schen Stö­run­gen im Lym­ph­sys­tem und chro­ni­schen Krank­hei­ten wie dem Reiz­darm­syn­drom. Auch Haut­pro­ble­me, All­er­gi­en oder de­pres­si­ve Ver­stim­mun­gen ste­hen zum Teil da­mit in Ver­bin­dung. Läuft al­les glatt, schie­ben klei­ne Mus­kel­pum­pen in den Lymph­

bah­nen die Lym­phe Rich­tung Kör­per­mit­te, bis sie im lin­ken obe­ren Brust­korb in die Blut­bahn auf­ge­nom­men wird. „Mit dem Blut­kreis­lauf lan­den die Ab­fall­stof­fe dann in un­se­ren Ent­gif­tungs­or­ga­nen – et­wa in der Le­ber und den Nie­ren – und wer­den ent­sorgt“, so die Ärz­tin. Doch Be­we­gungs­man­gel und/oder ei­ne Bin­de­ge­webs­schwä­che be­güns­ti­gen la­ten­te Stö­run­gen in dem emp­find­li­chen Sys­tem. Und: „Un­se­re Kla­mot­ten dür­fen nicht ein­schnü­ren. Oft ist et­wa der BH un­ter der Brust zu eng oder aber die Trä­ger schnei­den ein. Auch lan­ges Sit­zen in sehr en­gen Ho­sen er­schwert den Lym­ph­fluss“, gibt Dr. Schrei­ber zu be­den­ken. „Au­ßer­dem be­obach­ ten wir, dass Stress die Lym­ph­sys­tem­pum­pen hemmt. Of­fen­bar ste­hen sie in Ver­bin­dung mit dem ve­ge­ta­ti­ven Ner­ven­sys­tem. Des­halb öf­ter mal ei­nen Gang run­ter­schal­ten und zur Ru­he kom­men.“Eben­so wich­tig: „Tief at­men. Das un­ter­stützt den Lym­ph­fluss. Beim Ein­at­men muss der Bauch rich­tig raus­kom­men wie et­wa bei der Yo­gaAt­mung.“Sehr deut­lich zeigt sich ei­ne Blo­cka­de durch ein Lym­phö­dem – ei­ne An­samm­lung von Lym­ph­flüs­sig­keit im Ge­we­be. „Der häu­figs­te Grund da­für sind Un­fäl­le und Ope­ra­tio­nen, bei de­nen die Lymph­ge­fä­ße ver­letzt wur­den. Wir se­hen es aber auch bei star­kem Über­ge­wicht, weil die fei­

nen Lymph­ge­fä­ße dann stän­dig zu­sam­men­ge­quetscht wer­den. Auch häu­fi­ge lo­ka­le Ent­zün­dun­gen kön­nen zu Blo­cka­den füh­ren, das Sys­tem ist ir­gend­wann über­las­tet“, so die Ex­per­tin. Für Ab­hil­fe sorgt ei­ne pro­fes­sio­nel­le Lymph­drai­na­ge: „Sie regt den Lym­ph­fluss an, lässt das Ge­we­be ab­schwel­len und un­ter­stützt so auch die Hei­lung nach leich­ten Un­fäl­len, et­wa wenn man um­ge­knickt ist.“Als Wohl­fühl-tre­at­ment tut sie uns eben­falls gut: „Sie wirkt ex­trem ent­span­nend. Man fühlt sich da­nach leich­ter und ge­löst“, be­kräf­tigt Dr. Schrei­ber. Die sanf­te Mas­sa­ge lässt ge­schwol­le­ne Au­gen wie­der leuch­ten und hilft, wenn bei som­mer­li­cher Hit­ze das Ge­web­s­was­ser in den Bei­nen ver­sackt. „Schuld an ge­schwol­le­nen Knö­cheln sind häu­fig schwa­che und ka­put­te Ve­nen. Un­ser Lym­ph­sys­tem kann de­ren Auf­ga­be al­ler­dings re­la­tiv lan­ge über­neh­men“, er­klärt die Lym­pho­lo­gin. „Erst wenn es eben­falls schwä­chelt, wer­den die Knö­chel dick.“Den Lymph­kreis­lauf ge­zielt wie­der auf Tr­ab brin­gen auch un­se­re fünf Selbst­mas­sa­ge-grif­fe. Viel falsch ma­chen kön­nen wir da­bei nicht, be­ru­higt die Ex­per­tin. Wich­tig ist nur: „Man fängt im­mer am Her­zen an und geht dann nach au­ßen die Ex­tre­mi­tä­ten ent­lang, dann wie­der zu­rück. Das ist wie bei Stau am Elb­tun­nel. Wenn es vorn nicht wei­ter­geht, bringt es ja nichts, wenn ich hin­ten im­mer nach­schie­be. Dann muss ich doch erst mal vorn frei ma­chen.“Auf geht’s!

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