ei­ne Ge­ne­ra­ti­on von Selbst­dar­stel­lern? Ist

Ein „Ge­fällt mir“im Netz – da­nach stre­ben die 16- bis 35-Jäh­ri­gen. Jetzt zeigt ei­ne Stu­die: Das stän­di­ge Sel­fie-ge­pos­te macht – nicht nur – un­se­re Kin­der zu Nar­ziss­ten. Aber ist So­ci­al Me­dia wirk­lich so ge­fähr­lich? Wir ha­ben zwei Ex­per­ten ge­fragt…

MYWAY - - VORDERSEITE - TEXT: Fran­zis­ka Stel­ter

So­ci­al Me­dia wirk­lich so ge­fähr­lich?

at das et­wa nie­mand ge­filmt?“Das Glit­zer­kon­fet­ti wir­belt noch durch die Luft, da er­starrt das Ge­sicht von An­na. Pa­nik. Ver­schwun­den ihr Lä­cheln von eben. Es ist ihr 16. Ge­burts­tag, die Kon­fet­ti-ka­no­ne ein Ge­schenk ih­rer Tan­te. Peng. Ih­re Freun­de sind so be­geis­tert vom Mo­ment, dass sie mal nicht das Smart­pho­ne zü­cken. Für An­na ist die Par­ty vor­bei: kein Fo­to von ihr im Glit­zer­re­gen, das sie im Netz pos­ten könn­te. Jetzt ent­ge­hen ihr 100 Li­kes oder mehr... Ge­ra­de die Fo­to­platt­form Ins­ta­gram ist der Hit, wenn es um Selbst­dar­stel­lung geht, das Prin­zip ein­fach. Wir pos­ten ein Fo­to, und je nach­dem, wie gut es der Ge­mein­schaft ge­fällt, ern­ten wir Kom­men­ta­re und „Ge­fällt mir“-klicks. Für die Hälf­te al­ler Mäd­chen zwi­schen 14 und 19 ist es die wich­tigs­te App. Sagt ei­ne Stu­die. Und die Rea­li­tät? Täg­lich wer­den welt­weit 80 Mil­lio­nen Fo­tos ge­teilt. Die In­hal­te: Por­zel­lan­haut und ro­te Lip­pen, vor dem Spie­gel ge­knips­te Ta­ge­sout­fits (in­klu­si­ve De­si­gner­ta­sche!), das ge­sun­de Abend­es­sen und die per­fekt trai­nier­ten Bauch­mus­keln – je kras­ser, des­to bes­ser. „Ge­ra­de jun­ge Frau­en ho­len sich auf Ins­ta­gram Feed­back und Auf­merk­sam­keit“, sagt Bert te Wildt, Ober­arzt an der Lwl-uni­ver­si­täts­kli­nik für Psy­cho­so­ma­ti­sche Me­di­zin und Psy­cho­the­ra­pie in Bochum. „Ich bin er­schro­cken, wie ex­trem sich Mäd­chen heu­te schmin­ken. Man könn­te ja fo­to­gra­fiert wer­den... Grund da­für sind auch Shows wie ‚Ger­ma­ny’s Next Top­mo­del‘. Selbst­ver­mark­tung ist Main­stream ge­wor­den, das nor­ma­le Le­ben ein Cas­ting.“Te Wildt lei­tet die On­li­ne­sucht-am­bu­lanz OASIS, weiß, wann So­ci­al Me­dia ge­fähr­lich wird. „Me­di­en ge­hö­ren zum All­tag. Aber wenn der rea­le Kör­per nur exis­tiert, da­mit er die vir­tu­el­le Exis­tenz stützt, ha­ben wir ein Pro­blem. Wenn Mäd­chen ma­ger­süch­tig wer­den, um on­li­ne ‚bes­ser“auf Fo­tos aus­zu­se­hen“, sagt er. „Na­tür­lich zeigt je­der in den so­zia­len Me­di­en nur ei­nen Aus­schnitt der Rea­li­tät, rückt sich ins bes­te Licht. Die­se Selbst­in­sze­nie­rung ist ein Stück weit auch nor­mal. Aber ge­ra­de bei Men­schen, die ein ge­rin­ges Selbst­wert­ge­fühl ha­ben, kann das ent­glei­sen, die Rea­li­tät im­mer mehr ver­ar­men.“Und das in je­dem Al­ter. Schei­dung, Krank­heit, Job­ver­lust – Le­bens­kri­sen kön­nen auch Er­wach­se­ne in die­sen Selbst­wert­kon­flikt füh­ren. Und dann ge­hen auch sie auf die Su­che nach An­er­ken­nung, on­li­ne fin­det man die schnell... Nicht nur die Rea­li­tät lei­det – laut ei­ner Stu­die auch der Cha­rak­ter: Die Di­gi­tal Na­ti­ves, al­so die 16- bis 35-Jäh­ri­gen, ge­bo­ren im di­gi­ta­len Zeit­al­ter, sol­len die größ­ten Nar­ziss­ten sein. Ihr liebs­tes Fo­to­mo­tiv: sie selbst. Aber ist je­der, der sich auf Sel­fies in Sze­ne setzt, rea­li­täts­fremd, sucht­ge­fähr­det und selbst­be­zo­gen? Müs­sen wir uns um un­se­re Kin­der und En­kel sor­gen? Uns selbst schlecht füh­len, wenn wir et­wa bei Face­book Pri­vat­fo­tos pos­ten oder auf Da­ting-sei­ten un­ter­wegs sind? „Kei­ne Pa­nik! Wir dür­fen das jetzt nicht zu kul­tur­pes­si­mis­tisch se­hen. Denn: De­bat­ten zum Rea­li­täts­ver­lust gab es schon, als der Buch­druck er­fun­den wur­de. Da­mals hat­te man Angst, die Men­schen könn­ten le­se­süch­tig wer­den“, er­klärt Michae­la Kra­mer, wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin für Me­di­en­päd­ago­gik an der Uni­ver­si­tät Hamburg. Selbst­dar­stel­lung in So­ci­al Me­dia als kul­tu­rel­le Be­rei­che­rung? „Ge­ra­de Ju­gend­li­che ach­ten dar­auf, im Netz au­then­tisch zu sein. Zu groß ist sonst der Druck, im All­tag sei­nem On­li­ne-ich nicht zu ent­spre­chen“, weiß die Päd­ago­gin. „Oft heißt es, So­ci­al Me­dia ver­wäs­se­re den Freund­schafts­be­griff, et­wa wenn die An­zahl der Face­book-freun­de die 1000er-mar­ke über­schrei­te. Doch Ju­gend­li­che kön­nen un­ter­schei­den zwi­schen rea­len Freund­schaf­ten und schwa­chen Bin­dun­gen im Netz.“Das klingt doch al­les gar nicht so schlimm, oder? „Ei­gent­lich geht es auch in der Me­di­en­welt vor al­lem um Moral und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein. Wer das re­al drauf­hat, kriegt das auch on­li­ne hin“, sagt Michae­la Kra­mer. Viel­leicht müs­sen wir ein­fach al­le nur ei­ne Me­dia­li­fe-ba­lan­ce ent­wi­ckeln, öf­ter mal den Mo­ment ge­nie­ßen. Han­dy aus, Le­ben an. Das klappt mit et­was Übung wun­der­bar – egal in wel­chem Al­ter.

48% der Mill­en­ni­als wür­den lie­ber aufs Es­sen als aufs Han­dy ver­zich­ten Stu­die des In­ter­net­dienst­leis­ters Sy­zy­gy

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