Ko­lum­ne War­um Ha­rald Braun die Son­ne nicht ein­fach ge­nie­ßen darf

...war­um ich bloß im­mer aus der Son­ne ge­hen soll?

MYWAY - - INHALT -

Ich le­be im Nor­den Deutsch­lands in ei­nem Land­strich, des­sen Be­woh­ner nicht un­be­dingt für ih­re gu­te Lau­ne be­kannt sind. Ich füh­re das auf das hie­si­ge Wet­ter zu­rück. Es gibt Leu­te, die sa­gen, Schles­wig-hol­stein ha­be nur rund 100 Re­gen­ta­ge im Jahr. Wenn man da aber mal nach­hakt, ge­ben die­sel­ben Leu­te zu, dass sie Grau­pel und kur­ze Schau­er gar nicht mit­zäh­len. Des­halb freue ich mich um­so mehr auf den Som­mer und kann es kaum er­war­ten, mich in Ita­li­en – oder ist es Spa­ni­en? ... egal, Haupt­sa­che Mallor­ca – an den Strand zu wer­fen und hem­mungs­los zu ent­span­nen. Na­tür­lich rei­be ich mich im Ur­laub je­den Mor­gen ein – mit leicht bräu­nen­dem Son­nen­nuss­öl, Schutz­fak­tor 5, Ge­schmacks­rich­tung Ko­kos. „Du riechst schon wie­der wie ein Ma­krön­chen“, sagt dann mei­ne Frau und grinst, „kann ich mal ab­bei­ßen?“Doch ich las­se mich nicht ein­lul­len von ihr, ich weiß ja, was folgt. Kaum ge­nie­ße ich drei­ßig Mi­nu­ten mei­nen St.pau­li-kri­mi von Si­mo­ne Buch­holz, wird mei­ne Frau ner­vös. „Willst du nicht in den Schat­ten, zu viel Son­ne ist un­ge­sund!“Ich blei­be cool und blät­te­re mich old school durch den to­ten Baum. Doch es dau­ert kei­ne fünf Mi­nu­ten, bis sie mas­si­ver quen­gelt: „Komm un­ter den Son­nen­schirm oder willst du dir den schwar­zen Haut­krebs ein­fan­gen?“Die Frau weiß, wie man ei­nem den Ur­laubs­spaß ver­dirbt. Sie selbst hockt am Strand nur un­ter ei­ner Art Ig­lu aus Zelt­pla­nen, au­ßer­dem ist sie mehr­la­gig be­klei­det wie ein Denk­mal vor sei­ner Ent­hül­lung. Kaum dass ein schma­ler Strei­fen Stirn zwi­schen auf­ge­leg­tem Hand­tuch, Ja­ckie-o.-son­nen­bril­le und über­di­men­sio­nier­tem Stroh­hut „Ibi­za“frei blie­be. Die­se Frau ist völ­lig pa­ra­no­id, wenn Sie mich fra­gen, da­bei ist sie ein dunk­le­rer Typ als ich und muss nur aus dem Fens­ter schau­en, um was für ih­ren Teint zu tun. Nun gut, ich bin nicht The Do­nald und leug­ne we­der den Kli­ma­wan­del noch die schä­di­gen­de Wir­kung von lang­wel­li­gen Uv-a-strah­len auf der Haut. Aber man muss das doch in Re­la­ti­on se­hen: War­um ist die Selbst­mord­ra­te in Skan­di­na­vi­en so hoch? Weil die­se ar­men Leu­te so vie­le dunk­le Mo­na­te durch­lei­den, bis sie de­pres­siv wer­den. Ist wis­sen­schaft­lich er­wie­sen. Ih­nen fehlt das Vit­amin D, wel­ches – hört, hört – durch Son­nen­ein­strah­lung im Kör­per ge­bil­det wird. Es stärkt wei­ter­hin die Kno­chen und soll so­gar vor Alz­hei­mer und Dia­be­tes schüt­zen. Und das will mir mei­ne Frau vor­ent­hal­ten? In je­dem Jahr strei­ten wir aufs Neue: „Willst du, dass ich spä­ter al­lei­ne le­ben muss, weil du dei­nen wei­ßen Dick­schä­del stun­den­lang in der Son­ne ko­chen muss­test?“, sagt sie, was ich scham­los mit ei­nem eben­so doo­fen „Ach Kä­se, in mei­nem Al­ter er­le­be ich doch den Haut­krebs gar nicht mehr!“kon­te­re. Sie se­hen, solch ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung un­ter me­di­ter­ra­ner Son­ne kann ganz schön emo­tio­nal wer­den. „Nur Trot­tel fin­den Brut­zel­bräu­ne noch at­trak­tiv“, sagt mei­ne Frau. „Nur Mi­s­an­thro­pin­nen le­ben lie­ber mit ei­nem kalk­wei­ßen Stink­stie­fel zu­sam­men als mit ei­nem leicht ge­bräun­ten Er­folgs­ty­pen.“Das ist die Stel­le, an der mei­ne Frau pein­lich be­rührt auf­lacht... Am En­de aber setzt sie sich oh­ne­hin durch, ich will ja nicht un­se­ren schö­ne Ur­laubs­stim­mung ge­fähr­den. Nur ein­mal muss ich noch schlu­cken. Im­mer dann, wenn die Freun­de in der Hei­mat uns nach der Rück­kehr mus­tern und wirk­lich je­des Mal zu mei­ner Gat­tin sa­gen: „Toll, wie du wie­der Far­be be­kom­men hast!“

ha­rald Braun, 56, lebt mit sei­ner Frau Sa­bi­ne, 50, in horst (hol­stein). als lang­jäh­ri­ger Ehe­mann und Mit­ar­bei­ter bei Frau­en­zeit­schrif­ten kennt er sich bes­tens mit den weib­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten aus. und wun­dert sich ab und an über sie. nächs­ten Mo­nat fragt sich Ha­rald Braun, was denn so toll dar­an sein soll, wie­der hand­ge­schrie­be­ne Post­kar­ten zu ver­schi­cken

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.