Wer heilt, hat recht? Wann ei­ne Be­hand­lung beim Heil­prak­ti­ker Sinn macht – und wann nicht

Im­mer wie­der ge­ra­ten Heil­prak­ti­ker in die Schlag­zei­len. Dür­fen wir ih­ren The­ra­pi­en al­so nicht mehr ver­trau­en? Doch! Nur soll­ten wir wis­sen, wie weit das Ver­trau­en rei­chen darf. Drei Be­trof­fe­ne be­rich­ten von po­si­ti­ven aber auch ne­ga­ti­ven Er­fah­run­gen

MYWAY - - INHALT - TEXT: Oda Frant­zen

Ein Wun­der­mit­tel! Der Heil­prak­ti­ker vom Nie­der­rhein ist von der un­glaub­li­chen Kraft sei­ner selbst an­ge­rühr­ten Flüs­sig­keit über­zeugt. Hät­te er sie sonst Krebs­kran­ken im Som­mer 2016 in­tra­ve­nös ver­ab­reicht? Doch min­des­tens drei sei­ner Pa­ti­en­ten ster­ben. Ein wei­te­rer tra­gi­scher Fall falsch ver­stan­de­ner Heil­kunst ist der ei­nes sie­ben­jäh­ri­gen ita­lie­ni­schen Jun­gen. Er stirbt im Mai 2017. Trotz schwe­rer Mit­tel­ohr­ent­zün­dung hat er von sei­nen El­tern nur na­tur­heil­kund­li­che Arz­nei­en er­hal­ten. Höchs­te Zeit al­so, über die Gren­zen al­ter­na­tiv­me­di­zi­ni­scher The­ra­pi­en und über die Be­fug­nis­se von Heil­prak­ti­kern nach­zu­den­ken. Wo­bei es mit­nich­ten dar­um geht, von Be­hand­lun­gen durch Heil­prak­ti­ker per se ab­zu­ra­ten. Vie­le Men­schen ver­dan­ken Ho­möo­pa­thie und an­de­ren al­ter­na­ti­ven Heil­ver­fah­ren an­hal­ten­de Ge­sund­heit. Ent­schei­dend ist viel­mehr, zu sen­si­bi­li­sie­ren für das, was ein Heil­prak­ti­ker sein kann: je­mand, der uns in der Ge­sund­er­hal­tung und bei leich­ten Er­kran­kun­gen un­ter­stützt und bei ei­ner schwe­ren Krank­heit wie Rheu­ma oder Krebs er­gän­zend zur Schul­me­di­zin be­glei­tet. Wie aber ei­nen Heil­prak­ti­ker fin­den, der sich nicht selbst über­schätzt? In jüngs­ter Zeit wer­den Stim­men, die sich für ei­ne stär­ke­re Re­gu­lie­rung des Heil­prak­ti­ker­be­rufs aus­spre­chen, im­mer lau­ter. So for­der­te der Deut­sche Ärz­te­tag 2017 nicht we­ni­ger als ei­ne Re­form des Heil­prak­ti­ker­we­sens. Bis es so weit ist, lau­tet der bes­te Rat­schlag wohl, auf das ei­ge­ne Bauch­ge­fühl zu ver­trau­en. Wann un­se­re Alarm­glo­cken schril­len soll­ten, er­klärt Anousch Mu­el­ler. Ihr wich­tigs­ter Punkt: Der The­ra­peut un­se­res Ver­trau­ens soll­te auch kri­ti­sche Fra­gen gern be­ant­wor­ten.

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