„Men­schen wer­den lei­se, wenn sie et­was ent­de­cken wol­len“

MYWAY - - LIEBE & LEBEN -

Was tun Sie an ei­nem Tag im Mu­se­um? Ich ha­be ein Au­ge auf die Kunst und die Be­su­cher. Wenn we­nig los ist, ver­brin­ge ich Zeit mit mir selbst. Ich bin kör­per­lich da, le­ge aber trotz­dem Stre­cke zu­rück. Im Kopf. Mei­ne Ge­dan­ken krei­sen um Pri­va­tes, aber auch um die Kunst um mich her­um. Zu vie­lem be­kommt man erst Zu­gang, wenn man sich al­lei­ne und in Ru­he da­mit be­schäf­tigt. Da­her wer­den Men­schen au­to­ma­tisch lei­ser, wenn sie ei­ne Aus­stel­lung be­tre­ten. Sie möch­ten et­was ent­de­cken und kon­zen­trie­ren sich. Wie wich­tig ist Ih­nen Stil­le? Der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Blai­se Pas­cal sag­te mal, dass al­les Un­glück der Men­schen da­von kom­me, dass sie nicht ver­stün­den, sich ru­hig in ei­ner Stu­be auf­zu­hal­ten. Ich fin­de, da ist was dran… In­wie­fern? Weil das Nichts­tun schwe­re Ar­beit ist. Wenn die Ablen­kung fehlt, muss man wis­sen, wo­hin mit sich selbst. Man muss sich ken­nen und in­ner­lich zu­frie­den sein. Das ge­lingt nicht auf An­hieb. Vie­le, die hier im Mu­se­um als Auf­sicht an­fan­gen, sind schnell wie­der weg. Wie schaf­fen Sie es, Stil­le aus­zu­hal­ten? Als Kind war ich ei­ne ech­te Pla­ge. Ich wuchs in ei­nem klei­nen Dorf in der Schweiz auf, war to­tal zap­pe­lig und konn­te kei­ne Mi­nu­te still sein. Aus lau­ter Un­ru­he trom­mel­te ich auf al­lem her­um, was ich fand. So wur­de ich Schlag­zeu­ger, kam vor 24 Jah­ren nach Berlin, wo ich in ver­schie­de­nen Bands spiel­te. Das Er­staun­li­che ist, dass ich heu­te als ru­hi­ger Mensch gel­te. Al­les hat sich ge­dreht. Ich den­ke, es liegt dar­an, dass ich mich neu er­fun­den ha­be.

DE­NIS Ae­b­li, 48, Mu­se­ums­wär­ter im KW In­sti­tu­te for Con­tem­pora­ry Art berlin

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