Ge­gen Krebs war der heil­prak­ti­ker macht­los

MYWAY - - WOHLFUHLEN -

„Heu­te wä­re mei­ne Mut­ter 57 Jah­re alt. Wä­re, denn sie ist vor ei­nem Jahr an Brust­krebs ge­stor­ben. Und das, ob­wohl sie den Tu­mor so früh er­tas­tet hat, dass sie bei schul­me­di­zi­ni­scher Be­hand­lung wahr­schein­lich ei­ne Hei­lungs­chan­ce von 95 Pro­zent ge­habt hät­te. Doch lei­der ver­trau­te sie aus­schließ­lich auf ih­ren zwei­ten Mann, ei­nen Heil­prak­ti­ker. 2008 hat­ten die bei­den ge­hei­ra­tet. Als mei­ne Mut­ter 2010 den Kno­ten er­tas­te­te, dia­gnos­ti­zier­te er ei­ne gut­ar­ti­ge Zys­te. Als der Tu­mor grö­ßer wur­de, re­vi­dier­te er sei­ne Mei­nung und be­han­del­te sie mit al­lem, was der al­ter­na­tiv­me­di­zi­ni­sche Markt her­gibt: hoch­do­sier­ten Vit­ami­nen und Ge­wür­zen, bit­te­ren Apri­ko­sen­ker­nen, Pil­zen. Au­ßer­dem be­kam sie ei­ne spe­zi­el­le Chlor­blei­che, die in­zwi­schen so­gar ver­bo­ten ist, zu trin­ken. Erst 2014 sah mei­ne Mut­ter ei­nen Arzt: Der Tu­mor war auf­ge­bro­chen, sie hat­te un­vor­stell­ba­re Schmer­zen. Im Kran­ken­haus konn­te man den Ver­lauf der Krank­heit noch ein­ein­halb Jah­re auf­hal­ten und die Schmer­zen lin­dern. Wie es so weit kom­men konn­te? Ihr Mann trat sehr be­stim­mend auf und schirm­te sie von ih­rem per­sön­li­chen Um­feld ab. Mei­ner Mut­ter war es nicht ge­lun­gen, sich sei­ner Au­to­ri­tät zu ent­zie­hen. Doch sie war kein Ein­zel­fall, er­zähl­te sie im Kran­ken­haus. Vie­le sei­ner krebs­kran­ken Pa­ti­en­ten hät­ten lan­ge Zeit nur auf ihn ver­traut. Heu­te ist ihm auf Initia­ti­ve von uns Kin­dern die Zu­las­sung ent­zo­gen wor­den: Er darf nicht mehr prak­ti­zie­ren. Das war ei­ner der letz­ten Wün­sche mei­ner Mut­ter.“

micha­el Da­ni­el koch, 36, Ver­si­che­rungs­an­ge­stell­ter

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.