„Wir sind über­zeugt: Em­ma­nu­el Ma­cron hat das bes­te Pro­gramm.“

Neu-Ulmer Zeitung - - Die Dritte Seite -

so aus: Der Links­li­be­ra­le Ma­cron liegt zwi­schen 22 und 25 Pro­zent, mal gleich­auf mit der Rechts­po­pu­lis­tin Ma­ri­ne Le Pen, mal ei­nen Hauch vor ihr. Um den drit­ten Platz kämp­fen der Re­pu­bli­ka­ner François Fil­lon und der Links­po­li­ti­ker Je­anLuc Mé­len­chon, de­nen je­weils rund 18 bis 19 Pro­zent der Stim­men vor­aus­ge­sagt wer­den. Mé­len­chon, der ei­ne ra­di­ka­le Um­ver­tei­lung von Reich­tum ver­spricht, hat in den ver­gan­ge­nen Wo­chen spek­ta­ku­lär auf­ge­holt. Das ging vor al­lem auf Kos­ten des So­zia­lis­ten Ha­mon, der nur noch bei acht Pro­zent liegt.

Doch wie ver­läss­lich sind die Um­fra­gen? Bei den Vor­wah­len der Re­pu­bli­ka­ner und der So­zia­lis­ten setz­ten sich mit Fil­lon und Ha­mon über­ra­schend Au­ßen­sei­ter durch, mit de­nen kaum je­mand ge­rech­net hat­te. Sie pro­fi­tier­ten je­weils von der gro­ßen Un­be­liebt­heit ih­rer Ri­va­len. Nun dro­hen bei­de zu schei­tern. Dem we­nig cha­ris­ma­ti­schen Ha­mon ge­lang es nicht, sei­ne Ide­en von ei­nem be­din­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­men bis zu ei­ner Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit glaub­wür­dig zu er­klä­ren. Fil­lon hat nicht nur ein har­tes Re­form- und Spar­pro­gramm vor, mit dem er sich vie­le Fein­de macht – es reicht von der Er­hö­hung der Mehr­wert­steu­er über die Kür­zung von 500 000 Be­am­ten­stel­len bis zum En­de der 35-St­un­den-Wo­che. Vor al­lem ver­lor der Kon­ser­va­ti­ve an Glaub­wür­dig­keit durch die Er­mitt­lun­gen we­gen des Ver­dachts der Schein­be­schäf­ti­gung sei­ner Frau und von zwei­en sei­ner fünf Kin­der auf Kos­ten des Staa­tes.

Häpp­chen­wei­se ka­men über Wo­chen hin­weg im­mer neue Ent­hül­lun­gen ans Licht, die sein Image als ehr­li­cher Staats­mann zu­nich­te­mach­ten. So ließ sich Fil­lon aus­ge­rech­net von ei­nem An­walt afri­ka­ni­scher Macht­ha­ber teu­re Maß­an­zü­ge schen­ken. Der 63-Jäh­ri­ge wehr­te sich hef­tig, in­dem er den Me­di­en ei­ne Schmutz­kam­pa­gne vor­warf; dem­ent­spre­chend ste­hen die­se mit ihm nun auf Kriegs­fuß. Er­schüt­tert ver­folg­ten die Fran­zo­sen das Spek­ta­kel, das die weit­ver­brei­te­te ne­ga­ti- ve Sicht auf die Po­li­ti­ker noch zu be­stä­ti­gen schien. „Die sind doch al­le ver­dor­ben“, heißt es oft.

Die Schwä­che der bei­den gro­ßen Volks­par­tei­en ord­net die fran­zö­si­sche Par­tei­en­land­schaft neu – und macht sie un­über­sicht­lich. Ma­cron, Le Pen und Mé­len­chon pro­fi­tie­ren von ih­rer un­ver­brauch­ten Au­ra als Kan­di­da­ten, die das al­te Sys­tem durch­bre­chen. Doch mit wel­cher Mehr­heit kann je­der von ih­nen im ei­nes Sie­ges re­gie­ren, wenn im Ju­ni Par­la­ments­wah­len an­ste­hen? Es herrscht gro­ße Ve­r­un­si­che­rung. Der ge­rin­ge Ab­stand der vier stärks­ten Kan­di­da­ten lässt al­les of­fen in ei­ner Wahl, die der­zeit bei vie­len Men­schen im Land das gro­ße Ge­sprächs­the­ma ist. Zehn­tau­sen­de ström­ten in den ver­gan­ge­nen Ta­gen und Wo­chen zu den Kund­ge­bun­gen „ih­rer“Kan­di­da­ten.

Das Rent­ner-Ehe­paar Ni­co­le und Mi­chel Ber­t­he­lot ge­hört da­zu. „Wir sind über­zeugt, dass Ma­cron das bes­te Pro­gramm hat, weil er für Eu­ro­pa und ei­ne ver­nünf­ti­ge Li­be­ra­li­sie­rung der Wirt­schaft ist“, sa­gen sie über den ehe­ma­li­gen Wirt­schafts­mi­nis­ter. Doch längst nicht al­le sind sich ih­rer Wahl so si­cher. Je­der Vier­te weiß im­mer noch nicht, wem er sei­ne Stim­me ge­ben soll – wenn er über­haupt zur Wahl geht.

„Kein ein­zi­ger Kan­di­dat über­Fal­le zeugt mich, für mein kon­kre­tes Le­ben än­dert sich eh nichts, und au­ßer­dem muss ich am Sonn­tag ar­bei­ten“, sagt ein jun­ger Kell­ner in ei­ner Pa­ri­ser Bar. Wie vie­le ist er an­ge­wi­dert von ei­nem Wahl­kampf, der von schar­fen ge­gen­sei­ti­gen Atta­cken der Kan­di­da­ten ge­prägt war, von ei­ner atem­lo­sen Su­che der Me­di­en nach im­mer neu­en Skan­da­len. Wenn de­bat­tiert wur­de, dann noch am häu­figs­ten über Maß­nah­men zum

Fotos: Jeff J. Mit­chell/Getty Images, Birgit Holzer (2)

Die­se Prä­si­dent­schafts­wahl ist ei­ne Wahl der gro­ßen Emo­tio­nen. In­halt­li­che De­bat­ten blei­ben oft au­ßen vor. Un­ser Fo­to zeigt An­hän­ger von Ma­ri­ne Le Pen bei ei­ner Veran stal­tung am Mitt­woch­abend in Mar­seil­le.

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