Er kom­po­nier­te die Mu­sik zum Schuh des Ma­ni­tu

Ralf Wen­gen­mayr ge­hört zu den be­kann­tes­ten Film­kom­po­nis­ten in Deutsch­land. Auch im neu­en Film von Bul­ly Her­big ist er wie­der mit da­bei. Doch sei­ne Ar­beit stürzt ihn auch des Öf­te­ren in ei­nen Zwie­spalt

Neu-Ulmer Zeitung - - Feuilleton - VON STE­FAN DOSCH

In ei­nem Ki­no im Jahr 1982. Über die Lein­wand flim­mern die letz­ten Sze­nen von „E.T.“. Das Raum­schiff ist ge­lan­det, der Au­ßer­ir­di­sche muss Ab­schied neh­men, al­le sind zu Trä­nen ge­rührt. Da­zu schrau­ben sich auf der Ton­spur des Films die Gei­gen hö­her und hö­her, ele­gisch blen­den die Hör­ner auf, die Bäs­se brum­men so­nor – gro­ßes Ki­no, auch mu­si­ka­lisch, das sei­ne Wir­kung im Saal nicht ver­fehlt. Auch nicht auf ei­nen da­mals 17-Jäh­ri­gen. „Die­ses Fi­na­le“, er­in­nert sich Ralf Wen­gen­mayr, „die­se hoch emo­tio­na­le Mu­sik von John Wil­li­ams: Das war der Mo­ment, an dem ich be­schloss: Ich wer­de Film­kom­po­nist.“

So ist es ge­kom­men. Auch wenn es ge­dau­ert hat und erst noch Durst­stre­cken zu über­win­den wa­ren – dar­un­ter

Sein Stu­dio im Sou­ter­rain ei­nes Hau­ses der Augs­bur­ger In­nen­stadt, ein Raum mit hoch ge­le­ge­nen Fens­tern, ist sei­ne Krea­tiv­höh­le. Hier ver­gräbt er sich in sei­ne Pro­jek­te, um­ge­ben von Syn­the­si­zern und Misch­pul­ten und meh­re­ren Bild­schir­men an der Wand. Nicht sel­ten ver­fällt er ih­nen mit Haut und Haar, ar­bei­tet dann bis tief in die Nacht und tut sich, wie er be­kennt, schwer mit dem Ab­schal­ten. „Das ist ein ein­sa­mer Job“, sin­niert der Va­ter von zwei Kin­dern und fügt nach ei­ner Pau­se hin­zu: „Es kommt nicht von un­ge­fähr, dass ich al­lei­ne le­be.“

Wen­gen­mayr ist Per­fek­tio­nist – „ei­ne un­heil­ba­re Krank­heit“, weil sie den Zwei­fel im­mer neu aus­bre­chen lässt. Mit ei­ni­gem Ab­stand zu sei­nen ab­ge­schlos­se­nen Ar­bei­ten ver­stummt je­doch die Selbst­kri­tik. Dann stellt sich auch Stolz ein. Das gilt vor al­lem für die Par­ti­tur zu Spä­tes­tens 2015 war aus dem Ta­lent Kend­rick La­mar mit „To Pimp a But­ter­fly“ein Rap-Star ge­wor­den. Jetzt, be­reits ein Num­mer-1-Al­bum wei­ter, er­scheint nun „DAMN.“, groß ge­schrie­ben wie al­le Songs, die mit Ti­teln wie Blut und Gott und Stolz und Angst als Er­kun­dung der mensch­li­chen Exis­tenz da­her­kom­men. Tat­säch­lich denkt der bald 30-jäh­ri­ge Ka­li­for­ni­er dar­auf zu poin­tiert re­du­zier­ten Sounds über sich und sein Land nach – und vor al­lem über das miss­lin­gen­de Zu­sam­men­le­ben. Oh­ne Kraft­protz-Phra­sen und di­cke Po­sen, son­dern in fei­nen Dich­t­er­strö­men zeigt La­mar wie­der, wie klug und klar Rap auch heu­te noch sein kann. Viel­leicht ist das nicht ganz so spek­ta­ku­lär wie vor zwei Jah­ren, aber es ist da­für gro­ße Kunst. (ws) *****

(In­ter­scope)

Kand­rick La­mar: DAMN.

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