Tug­ce Schlä­ger wur­de ab­ge­scho­ben

Sa­nel M. hat die 22-jäh­ri­ge Stu­den­tin auf dem Ge­wis­sen. We­gen Kör­per­ver­let­zung mit To­des­fol­ge wur­de er ver­ur­teilt und kam ins Ge­fäng­nis. Nun ist er wie­der in Ser­bi­en

Neu-Ulmer Zeitung - - Panorama -

Die Ge­walt­tat auf dem Park­platz ei­nes Of­fen­ba­cher Fast-Food-Lo­kals er­schüt­ter­te im Jahr 2014 vie­le Men­schen im gan­zen Land. Nun ist der ver­ur­teil­te Tä­ter im Fall der Stu­den­tin Tug­ce Al­bay­rak aus Deutsch­land ab­ge­scho­ben wor­den.

Der 20 Jah­re al­te Sa­nel M. wur­de am Don­ners­tag­mit­tag vom Frank­fur­ter Flug­ha­fen aus „nach Ser­bi­en zu­rück­ge­führt“, wie das Amt für Zu­wan­de­rung und In­te­gra­ti­on in Wiesbaden mit­teil­te. In Bel­grad sei ge­gen 14 Uhr ei­ne Char­ter­ma­schi­ne mit meh­re­ren ab­ge­scho­be­nen Men­schen ge­lan­det, gab der Flug­ha­fen be­kannt.

Das Land­ge­richt Darm­stadt hat­te Sa­nel M. im Ju­ni 2015 we­gen Kör­per­ver­let­zung mit To­des­fol­ge zu drei Jah­ren Ju­gend­stra­fe ver­ur­teilt. Er saß in Wiesbaden in Ju­gend­haft. Der jun­ge Mann hat­te die 22 Jah­re al­te Stu­den­tin im No­vem­ber 2014 auf dem Park­platz ei­nes Fast-Food­Re­stau­rants in Of­fen­bach so ge­schla­gen, dass sie auf den Kopf – und ins Ko­ma – fiel. Sie starb we­ni­ge Ta­ge spä­ter, nach­dem ih­re El­tern die le­bens­er­hal­ten­den Ma­schi­nen ab­stel­len lie­ßen.

Dem Schlag im Mor­gen­grau­en wa­ren Pö­be­lei­en und Be­lei­di­gun­gen zwei­er Grup­pen vor­aus­ge­gan­gen, zu ei­ner ge­hör­te Sa­nel M., zur an­de­ren Tug­ce Al­bay­rak. Die­se hat­te sich schüt­zend vor zwei Mäd­chen ge­stellt, die be­läs­tigt wor­den wa­ren.

Der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof (VGH) hat­te Mit­te März in letz­ter In­stanz ent­schie­den, dass der 20-Jäh­ri­ge nach Ser­bi­en aus­ge­wie­sen wird. In dem Land le­ben nach Aus­kunft sei­ner An­wäl­te sei­ne Groß­el­tern. Der Ser­be wur­de in Of- fen­bach ge­bo­ren und ist dort zur Schu­le ge­gan­gen. Sei­ne El­tern und sei­ne bei­den Brü­der woh­nen nach wie vor im Rhein-Main-Ge­biet.

Der VGH sah die Ge­fahr, dass Sa­nel M. wei­te­re Straf­ta­ten be­geht und sei­ne Re­so­zia­li­sie­rung schei­tert. Er be­stä­tig­te da­mit die Ent­schei­dung der Aus­län­der­be­hör­de und der ers­ten Ge­richts­in­stanz. Die Rich­ter in Kassel teil­ten die Ein­schät­zung des Ver­wal­tungs­ge­richts Wiesbaden, der ers­ten In­stanz: Da­nach kön­ne dem al­lein­ste­hen­den und kin­der­lo­sen An­trag­stel­ler, der über ei­nen Schul­ab­schluss ver­fügt, zu­ge­mu­tet wer­den, neue Be­zie­hun­gen und Bin­dun­gen in Ser­bi­en zu knüp­fen. Es sei auch nicht er­sicht­lich, dass sei­ne El­tern nicht in der La­ge oder wil­lens wä­ren, ihn da­bei ins­be­son­de­re fi­nan­zi­ell zu un­ter­stüt­zen.

Hes­sens CDU-In­nen­mi­nis­ter Pe­ter Beuth sag­te: „Mehr­fach­straf­tä­ter sind ei­ne Be­dro­hung für die Ge­sell­schaft, und wenn sie kei­ne deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit be­sit­zen, müs­sen sie so schnell wie mög­lich ab­ge­scho­ben wer­den.“Er füg­te hin­zu: „Wer kei­ne Reue und kei­nen In­te­gra­ti­ons­wil­len zeigt, ist in un­se­rem Land nicht will­kom­men und muss wie­der ge­hen.“

Die ei­nen set­zen auf Feu­er, die an­de­ren auf Was­ser: Der Käl­te­ein­bruch in den ver­gan­ge­nen Ta­gen lässt Obst­bau­ern und Win­zer zum Schutz ih­rer Pflan­zen krea­tiv wer­den. So wer­den auf dem säch­si­schen Staats­wein­gut Schloss Wa­cker­b­arth Feu­er ge­legt, um die emp­find­li­chen Knos­pen vor dem Frost zu schüt­zen. „Der Rauch, der dann durch die Wein­ber­ge zieht, kann die Tem­pe­ra­tur über dem Bo­den um ein bis zwei Grad stei­gen las­sen“, sagt ein Mit­ar­bei­ter.

Am Bo­den­see hin­ge­gen schwört man auf Be­wäs­se­rung: Ap­fel­bau­er Martin Nüber­lin aus Lindau hat zum Bei­spiel in den letz­ten kal­ten Näch­ten die ei­gent­lich für den Som­mer ge­dach­te Sprink­ler­an­la­ge auf­ge­dreht. Die da­durch ent­ste­hen­de Eis­schicht auf den Blü­ten soll ein Abst­er­ben ver­hin­dern. Ho­he Ern­te­aus­fäl­le wä­ren an­sons­ten die Fol­ge.

Des­halb scheut man auch in Ba­den-Würt­tem­berg kei­ne Kos­ten, um die Wein­re­ben zu schüt­zen. Hub­schrau­ber flie­gen dort über die Wein­ber­ge und wir­beln war­me Luft auf. Doch der Scha­den durch die Käl­te wird bun­des­weit groß sein: „Wir rech­nen bei uns mit Aus­fäl­len von min­des­tens 30 bis 40 Pro­zent“, sagt Her­mann Ko­lesch, Prä­si­dent der baye­ri­schen Lan­des­an­stalt für Wein­bau und Gar­ten­bau.

Fotos: imago/dpa

Ta­ge­lang er­schüt­ter­te der Fall der jun­gen Stu­den­tin das Land. Freun­de und Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge be­te­ten da­mals für Tug­ce, die ei­nen Streit schlich­ten woll­te und da­bei le­bens ge­fähr­lich ver­letzt wur­de.

Fo­to: Sebastian Kah­nert, dpa

Rauch soll Wein­re­ben in Sach­sen schüt zen.

Sa­nel M. bei ei­ner Ver­hand­lung vor dem Land­ge­richt Darm­stadt im Jahr 2015.

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