Der Ober­bür­ger­meis­ter zieht es vor, zu schwei­gen

Neu-Ulmer Zeitung - - Neu-ulm -

und Zu­sam­men­halt die Re­de. Die bei­den ein­zi­gen Rä­te mit Wohn­sitz in der Gro­ßen Kreis­stadt, die sich äu­ßer­ten, wa­ren Ul­rich Schäu­fe­le und Ant­je Es­ser von der SPD. Ober­bür­ger­meis­ter Ge­rold Noeren­berg zog es vor, zu schwei­gen – wes­halb er sich ei­ne schar­fe Be­mer­kung von Ma­ri­ta Kai­ser (FW) ein­fing. Er sei der Ein­zi­ge, der sich nicht für die De­bat­te in­ter­es­sie­re, son­dern nur für sein Han­dy und sein iPad. Dar­auf­hin brach es denn doch aus Thors­ten Freu­den­ber­ger her­aus, der die vor­an­ge­gan­ge­nen St­un­den vor al­lem in ru­hi­gem Ton ge­spro­chen hat­te. Es sei nicht die Auf­ga­be, „uns ge­gen­sei­tig zu Wort­mel­dun­gen auf­zu­for­dern“und Brech­tel stell­te klar: „So geht es nicht!“Da­mit en­de­te die Dis­kus­si­on, die der Land­rat in der Sum­me als „sen­si­bel ge­führt“emp­fand.

Freu­den­ber­ger hat­te wie schon zu frü­he­rer Ge­le­gen­heit be­teu­ert, der Land­kreis ha­be auch oh­ne Neu-Ulm „bes­te Zu­kunfts­chan­cen“. Der Im­puls der Tren­nung ge­he von der Kreis­stadt aus, aber sie sei frei in ih­ren Ent­schei­dun­gen. Doch es dür­fe dar­aus kei­ne Geg­ner­schaft ent­ste­hen. „Wir müs­sen an­stän­dig mit­ein­an­der um­ge­hen.“Er er­in­ner­te da- ran, dass Neu-Ulm bei der Staats­re­gie­rung noch kei­nen of­fi­zi­el­len An­trag auf Kreis­frei­heit ge­stellt hat.

Der CSU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Brech­tel hat of­fen­bar die Hoff­nung noch nicht auf­ge­ge­ben, dass die Neu-Ul­mer doch nicht den Nu­xit an­stre­ben: „Hof­fent­lich ist das letz­te Wort noch nicht ge­spro­chen.“Er wür­de ei­nen sol­chen Schritt be­dau­ern, wie er sagt, denn durch die Tren­nung ma­che man sich klei­ner, als es „der Re­gi­on gut­tut“. Am bes­ten wä­re es, zu­sam­men­zu­blei­ben. Des­halb dür­fe nun nichts un­ter­nom­men wer­den, „wo­durch der Ein­druck ent­steht, wir woll­ten sie los­wer­den“.

Auch Eu­ro­pa­mi­nis­te­rin Bea­te Merk be­schwor die Kreis­rä­te, „kei­ne Kon­fron­ta­ti­on auf­zu­ma­chen“, schließ­lich ha­be sich im Land­kreis ei­ne gro­ße Ge­mein­schaft ent­wi­ckelt. „Wir sind sehr eng zu­sam­men­ge­wach­sen, das ist ein Wert, den wir auf kei­nen Fall ver­lie­ren dür­fen“, sag­te die eins­ti­ge Ober­bür­ger­meis- te­rin von Neu-Ulm. Wo­bei sie ein­räum­te, sie ge­he nicht mit Lei­den­schaft in die Tren­nungs­dis­kus­si­on. Doch Gr­a­ben­kämp­fe müss­ten ver­mie­den wer­den. Die De­bat­ten soll­ten mit Ru­he und Ge­las­sen­heit, aber auch mit „Lei­den­schaft für un­se­re Hei­mat“ge­führt wer­den.

Zwei­fel am Sinn ei­nes Nu­xit mel­de­ten auch die Frei­en Wäh­ler an. Ans­gar Batz­ner sag­te, man ver­ste­he sich hier als Ge­samt­re­gi­on. Vie­le Or­te wüch­sen, weil „wir ei­ne er­folg­rei­che Re­gi­on sind“. Jür­gen Bi­schof glaubt, die Tren­nung wer­de bei­de Sei­ten schwä­chen. Wenn die ge­schaf­fe­nen Struk­tu­ren ge­trennt wer­den und vie­les künf­tig über Zweck­ver­bän­de ge­re­gelt wer­den müs­se, dann wür­de es eher kom­pli­zier­ter als ein­fa­cher. Er fürch­tet mas­si­ve Aus­wir­kun­gen auf den Kreis und warnt „vor zu viel Ge­las­sen­heit“. Der Grü­ne Hel­mut Mei­sel kann die Mo­ti­ve der Neu-Ul­mer nicht ganz nach­voll­zie­hen. Wenn der Nu­xit kom­me, wer­de es nicht so leicht, die an­ste­hen­den Zu­kunfts­auf­ga­ben zu be­wäl­ti­gen. Mit­ten in den Pro­zess der Kli­nik­sa­nie­rung grät­sche nun die Stadt mit ih­rem Aus­stiegs­wunsch hin­ein.

Der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Schäu­fe­le be­teu­er­te mehr­fach, der Wunsch nach Tren­nung stel­le kei­nes­falls ei­ne Bi­lanz der Ver­gan­gen­heit dar, son­dern sei ei­ne Zu­kunfts­ent­schei­dung. Es sei doch le­gi­tim und not­wen­dig, zu prü­fen, ob die Ver­wal­tungs­struk­tu­ren nach 46 ge­mein­sa­men Jah­ren noch zu­sam­men­pas­sen. Ant­je Es­ser er­klär­te, NeuUlm wol­le nicht im Zorn aus dem Land­kreis aus­schei­den, die Stadt sei dem Kreis ein­fach ent­wach­sen und be­kä­me durch den Nu­xit Zu­stän­dig­kei­ten, „die uns das Le­ben leich­ter ma­chen wür­den“. Karl-Heinz Brun­ner, kein Freund der Kreis­frei­heit, be­dau­er­te, das The­ma plät­sche­re so vor sich hin. Auf je­den Fall müss­ten die Bür­ger ein­be­zo­gen wer­den, „sonst wird uns das um die Oh­ren ge­hau­en“.

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