Ret­tungs­tat von St­indl

Die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft scheint ge­gen Frank­reich schon ge­schla­gen. Da fällt in der Nach­spiel­zeit noch der Tref­fer zum 2:2

Neu-Ulmer Zeitung - - Sport -

die die zu­sam­men­ge­bas­tel­te einge­hend auf mög­li­che Bruch­stel­len hät­te ab­klop­fen kön­nen. An­toi­ne Griez­mann be­ließ De­schamps zu­dem frei­wil­lig auf der Bank.

Aber auch oh­ne die vier Stars schaff­ten es die Fran­zo­sen, oft die De­fen­si­ve auf ih­re Stand­fes­tig­keit hin zu über­prü­fen. Mit Ky­li­an Mbap­pé und Ant­ho­ny Mar­ti­al rann­ten zwei von Eu­ro­pas schnells­ten Of­fen­siv­spie­lern oft un­ge­bremst auf Hum­mels und Co. zu. Er­staun­lich war das vor al­lem, weil Löw in To­ni Kroos und Sa­mi Khe­di­ra er­prob­te Wel­len­bre­cher ins Mit­tel­feld be­or­dert hat­te. Nach­dem Tor­wart Ke­vin Trapp die ers­ten Mög­lich­kei­ten noch ver­ei­teln konn­te, war er in der 34. Mi­nu­te chan­cen­los. Mar­ti­al ließ Sü­le im Straf­raum er­ah­nen, wie sich ein Preis­bo­xer fühlt, der ei­nen Ha­sen ein­fan­gen soll. Mar­ti­al leg­te quer, Alex­and­re La­ca­zet­te schob ins lee­re Tor. Die deut­sche Of­fen­si­ve hat­te den Fran­zo­sen in der ers­ten Halb­zeit nur we­nig ent­ge­gen­zu­set­zen. Ti­mo Werner schaff­te es nicht, sich wir­kungs­voll in Sze­ne zu set­zen, und Il­kay Gün­do­gan war deut­lich an­zu­se­hen, dass er nach sei­ner Ver­let­zungs­pau­se noch nicht auf höchs­tem Ni­veau Im­pul­se set­zen kann. In der Sum­me spiel­ten schlicht zu vie­le Spie­ler un­ter ih­ren Mög­lich­kei­ten, um die Fran­zo­sen ernst­haft zu for­dern.

Aus der Pau­se ka­men die Deut­schen al­ler­dings stark ver­bes­sert. Der für Hum­mels ein­ge­wech­sel­te An­to­nio Rü­di­ger schob den Ball zwar noch aus fünf Me­tern nach ei­nem wun­der­ba­ren So­lo Ju­li­an Drax­lers vor­bei, doch nach 53 Mi­nu­ten ju­bel­ten die deut­schen Fans un­ter den 36 948 Zu­schau­ern in der Köl­ner Are­na. Me­sut Özil nutz­te den un­ge­wohn­ten Platz, den ihm die Fran­zo­sen beim Durch­schrei­ten des Mit­tel­felds ge­währ­ten, um den Ball auf Werner durch­zu­ste­cken. Der voll­ende­te den An­griff schließ­lich, in­dem er die Ku­gel Tor­wart Mand­an­da durch die Bei­ne und ins Tor schoss.

Fort­an ent­wi­ckel­te sich ein Spiel, wie man es von Schul­pau­sen­hö­fen kennt: Et­li­che Wech­sel und feh­len­der Ernst bei der Ver­rich­tung de­fen­si­ver Ar­bei­ten. Und wä­re nicht die Lat­te ei­nem Frei­stoß von To­ni Kroos im Weg ge­we­sen (70.), hät­te die deut­sche Mann­schaft die­se Par­tie mög­li­cher­wei­se ge­won­nen. So aber fand Mbap­pé ei­ne Mi­nu­te spä­ter mit ei­nem fei­nen Pass La­ca­zet­te, und der voll­ende­te al­lei­ne vor Trapp zum 2:1. Lars St­indl ret­te­te mit der letz­ten Ak­ti­on des Spiels aber noch das Un­ent­schie­den, als er ei­ne Vor­la­ge von Ma­rio Göt­ze ins Tor schoss. So ha­ben die Deut­schen die Chan­ce, ih­re Se­rie im kom­men­den März in den Spie­len ge­gen Bra­si­li­en und Spa­ni­en fort­zu­füh­ren. Und dann im bes­ten Fall über den 15. Ju­li hin­aus füh­ren. Dann steht das WMFi­na­le in Mos­kau an.

K. Trapp (Pa­ris St. Ger­main/ 27/2) – E. Can (FC Li­ver­pool/23/20 – 83. St­indl, Glad­bach/29/10), Sü­le (FC Bay ern/22/8), M. Hum­mels (FC Bay­ern/28/62 – 46. Rü­di­ger, Chel­sea/24/22), Plat­ten hardt (Ber­lin/25/5) – S. Khe­di­ra (Tu rin/30/72 – 75. Ru­dy, FC Bay­ern/27/24), Kroos (Re­al Ma­drid/27/80) – Gün­do­gan (Man­ches­ter Ci­ty/27/22 – 65. M. Göt­ze, Dort­mund/25/63), Özil (Ar­senal/29/88), Drax­ler (Pa­ris St. Ger­main/24/40) – Ti. Werner (Leip­zig/21/10 – 85. S. Wa­gner, Hof­fen­heim/29/7)

Mand­an­da (Olym­pi­que Mar seil­le/32/26) – Jal­let (Niz­za/34/16 – 64. Pa­vard, VfB Stutt­gart/21/2), Va­ra­ne (Re­al Ma­drid/24/40), Um­ti­ti (Bar­ce­lo­na/24/14), Di­g­ne (Bar­ce­lo­na/24/20 – 82. Kurza­wa, Pa­ris St. Ger­main/25/11) – To­lis­so (FC Bay­ern/23/5), Ra­bi­ot (Pa­ris/22/5), Ma­tui di (Tu­rin/30/62 – 64. N’Zon­zi, Se­vil la/28/2) – Mbap­pé (Pa­ris/18/10), A. La­ca zet­te (FC Ar­senal/26/16 – 76. Griez­mann, At­lé­ti­co Ma­drid/26/49), Mar­ti­al (Man­ches ter Uni­ted/21/17)

0:1 A. La­ca­zet­te (34.), 1:1 Ti. Werner (56.), 1:2 A. La­ca­zet­te (71.), 2:2 St­indl (90.+3) 36 948 Knif­fe, um sein Team we­nigs­tens zu ei­nem Tref­fer in 180 Mi­nu­ten ge­gen Schwe­den zu füh­ren.

So­mit steht der ita­lie­ni­sche Fuß­ball vor dem glei­chen Di­lem­ma wie die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft zu Be­ginn des Jahr­tau­sends. Die fürch­ter­li­che EM 2000 be­en­de­te die Kar­rie­ren von Erich Rib­beck und Lothar Mat­thä­us glei­cher­ma­ßen. Vier Jah­re spä­ter trat Rudi Völ­ler nach ei­ner er­neut früh­zei­tig be­en­de­ten Eu­ro­pa­meis­ter­schaft zu­rück. Da aber wa­ren die Re­for­men be­reits ein­ge­lei­tet, von de­nen Joa­chim Löw heu­te pro­fi­tiert.

Deutsch­lands Ju­nio­ren­na­tio­nal­teams ge­hö­ren zur Welt­spit­ze, ita­lie­ni­sche wer­den in den Sie­ger­lis­ten ver­misst. Das Kon­zept der Nach­wuchs­för­de­rung hat sich so­gar bis nach En­g­land her­um­ge­spro­chen und mit dem WM-Sieg der U20 in die­sem Jahr ers­te Früch­te ge­tra­gen. Bei den Bri­ten brauch­te es frei­lich vie­ler Schock­erleb­nis­se, ehe sie dar­auf re­agier­ten.

Die auf dem Fuß­ball­feld so cle­ver tak­tie­ren­den Ita­lie­ner wer­den aus dem WM-Aus schnel­ler Kon­se­quen­zen zie­hen. Für Buf­fon aber kom­men sie zu spät.

Fo­to: Imago

Kurz nach dem Schock: Ales­san­dro Flo ren­zi will nichts se­hen.

Fo­to: dpa

Chris­ti­an Erik­sen und die Dä­nen hol­ten sich das WM Ti­cket.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.