Ge­richt weist Yücels Kla­ge auf Scha­den­er­satz ab

Neu-Ulmer Zeitung - - Politik -

Ein tür­ki­sches Ge­richt hat die Kla­ge des deut­schen Welt-Re­por­ters De­niz Yücel auf Scha­den­er­satz nach ein­jäh­ri­ger U-Haft ab­ge­wie­sen.

Das Ge­richt ha­be kei­nen Grund für sei­ne Ent­schei­dung ge­nannt, sag­te Yücels An­walt Vey­sel Ok am Di­ens­tag. Yücel wer­de sie in­ner­halb ei­ner Wo­che an­fech­ten. „Wir sind fest ent­schlos­sen, die­sen Fall so weit zu tra­gen wie mög­lich – auch zum Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te.“Der Re­por­ter, des­sen ein­jäh­ri­ge In­haf­tie­rung oh­ne An­kla­ge­schrift die deutsch-tür­ki­schen Be­zie­hun­gen im ver­gan­ge­nen Jahr schwer be­las­tet hat­te, hat­te die tür­ki­sche Re­gie­rung En­de Au­gust auf 2,98 Mil­lio­nen Li­ra Ent­schä­di­gung (et­wa 400 000 Eu­ro) ver­klagt. Die Sum­me setz­te sich zu­sam­men aus Ent­schä­di­gun­gen für Ver­dienst­aus­fäl­le und An­walts­kos­ten so­wie Schmer­zens­geld we­gen Frei­heits­be­rau­bung. Berlin Es ist ex­akt 16.44 Uhr, als lau­ter Bei­fall aus dem Sit­zungs­saal der Uni­ons­frak­ti­on in der drit­ten Ebe­ne des Reichs­tags­ge­bäu­des di­rekt un­ter­halb der Kup­pel nach drau­ßen dringt. Aber wem gilt der Ap­plaus? Amts­in­ha­ber Vol­ker Kau­der, der be­reits seit 13 Jah­ren an der Spit­ze der Uni­ons­frak­ti­on steht und die­ses wich­ti­ge Amt noch drei wei­te­re Jah­re be­hal­ten will? Oder doch sei­nem fast 20 Jah­re jün­ge­ren bis­he­ri­gen Stell­ver­tre­ter Ralph Brink­haus, der sich selbst zum Her­aus­for­de­rer aus­ge­ru­fen hat?

We­ni­ge Se­kun­den spä­ter macht das mit Span­nung er­war­te­te Er­geb­nis die Run­de un­ter den vor dem Sit­zungs­saal war­ten­den Jour­na­lis­ten. Es ist ei­ne faust­di­cke Über­ra­schung und gleich­zei­tig ei­ne schwe­re Nie­der­la­ge für das ge­sam­te Par­tei-Esta­blish­ment von CDU und CSU. Ei­ne Nie­der­la­ge für Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel wie CSUChef Horst See­ho­fer, die sich bis zu­letzt hin­ter den Ku­lis­sen wie vor der Frak­ti­on für den Amts­in­ha­ber stark ge­macht ha­ben und nun er­le­ben müs­sen, wie we­nig Wert ihr Wort noch hat: Vol­ker Kau­der hat ver­lo­ren, wur­de in ge­hei­mer Wahl ab­ge­wählt. Knapp, aber den­noch klar un­ter­liegt der Tutt­lin­ger dem Gü­ters­lo­her. 125 Stim­men fal­len auf Brink­haus, nur 112 auf Kau­der, zwei Ab­ge­ord­ne­te ent­hal­ten sich der Stim­me. Zwei Re­gie­rungs­kri­sen in den ers­ten Mo­na­ten der vier­ten Amts­zeit der Kanz­le­rin – das war für vie­le Uni­ons­leu­te im Bun­des­tag of­fen­bar zu viel. Der Är­ger muss raus – und wenn es nach dem Sprich­wort geht: Ich schla­ge den Sack und mei­ne den Esel.

Noch vor der Wahl hat­te Mer­kel mit dem gan­zen Ge­wicht ih­res Am­tes um die Un­ter­stüt­zung für ih­ren lang­jäh­ri­gen Ver­trau­ten ge­wor­ben. „In der Ab­wä­gung zwi­schen Er­fah­rung und Er­neue­rung ha­be ich mich für die Er­fah­rung ent­schie­den“, sag­te sie nach An­ga­ben von Teil­neh­mern. CSU-Chef Horst See­ho­fer schloss sich den Ar­gu­men­ten der Kanz­le­rin an und wür­digt die „gu­te Zu­sam­men­ar­beit“mit Kau­der, auf ihn sei stets „Ver­lass“. Doch die Frak­ti­on will sich nicht mehr von oben vor­schrei­ben las­sen, was sie tun soll und was nicht. Ge­nau sei­ne be­din­gungs­lo­se Treue und Loya­li­tät zur Kanz­le­rin wer­den für den 69-Jäh­ri­gen, der als Kind am liebs-

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