Im­mer dem Rä­um­fahr­zeug hin­ter­her

Sturm­tief sorgt für Schnee­cha­os – Tier auf zu­ge­fro­re­ner Do­nau ein­ge­bro­chen

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - VORDERSEITE -

Dich­tes Schnee­ge­stö­ber hat ges­tern Au­to­fah­rern auf der A1 (Bild) und an­dern­orts zu schaf­fen ge­macht. Sturm­tief „Egon“sorg­te für Glatt­ei­s­un­fäl­le und Ver­kehrs­pro­ble­me. Auch in Nie­der­sach­sen lan­de­ten et­li­che Au­tos im Stra­ßen­gra­ben. Über­wie­gend blieb es da­bei bei Blech­schä­den. Doch kaum hat sich „Egon“ver­zo­gen, droht mit „Cai­us“er­neut un­ge­müt­li­ches Wetter. Das neue Tief soll­te in der Nacht von Nor­den über Nie­der­sach­sen zie­hen und für schau­er­ar­ti­gen Schnee­re­gen sor­gen. Nas­se Stra­ßen könn­ten bei den er­war­te­ten Mi­nus­gra­den dann schnell über­frie­ren, warn­te der Deut­sche Wet­ter­dienst.

Das Sturm­tief „Egon“in der Nacht zum Frei­tag hat vie­len Men­schen in Deutsch­land und im Aus­land zu schaf­fen ge­macht. Au­tos schlit­ter­ten, Schul­bus­se steck­ten fest, Zü­ge ver­spä­te­ten sich, und man­cher­orts ging das Licht aus. Ein Fuchs be­zahl­te sei­ne Sorg­lo­sig­keit mit dem Le­ben.

BER­LIN. Das Sturm­tief „Egon“hat in vie­len Tei­len Eu­ro­pas den Ver­kehr hef­tig durch­ein­an­der­ge­wir­belt. Au­tos rutsch­ten auf den Stra­ßen, Schul­bus­se blie­ben im Schnee ste­cken, Dä­cher wur­den ab­ge­deckt, und Tau­sen­de Men­schen hat­ten kei­nen Strom. In Deutsch­land gab es zahl­rei­che Un­fäl­le mit Dut­zen­den Ver­letz­ten. Ein Au­to­fah­rer starb auf der A 7 in Schles­wig-Hol­stein. Ur­sa­che für den Un­fall war ver­mut­lich Glät­te, wie ei­ne Po­li­zei­spre­che­rin am Frei­tag sag­te. Wet­ter­dienst und Bahn ge­ben noch kei­ne Ent­war­nung.

Auch ei­nem un­vor­sich­ti­gen Fuchs im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Fri­din­gen wur­de das ei­si­ge Wetter zum Ver­häng­nis. Das Tier sei ins Eis der Do­nau ein­ge­bro­chen, er­trun­ken und dann ein­ge­fro­ren, be­rich­te­te der Jä­ger Franz Steh­le am Frei­tag. „Wir ha­ben den Eis­block mit dem Fuchs am 2. Ja­nu­ar her­aus­ge­sägt und als Mah­nung auf dem Hof des Jä­ger­hau­ses zur Schau ge­stellt.“

Im Nor­den Ba­den-Würt­tem­bergs schnitt „Egon“ges­tern meh­re­re Tau­send Haus­hal­te von der Strom­ver­sor­gung ab, weil her­ab­fal­len­de Äs­te oder um­ge­weh­te Bäu­me Lei­tun­gen ge­kappt hat­ten. Auch im Raum Ober­fran­ken wa­ren zwi­schen­zeit­lich rund 6600 Haus­hal­te oh­ne Strom. Aber vor al­lem im eu­ro­päi­schen Aus­land gab es vie­le Strom­aus­fäl­le.

„Si­tua­ti­on chao­tisch“

Vie­le Stra­ßen wa­ren we­gen um­ge­stürz­ter Bäu­me oder lie­gen ge­blie­be­ner Last­wa­gen ge­sperrt. In Thü­rin­gen blie­ben Schul­bus­se in Schnee­we­hen ste­cken oder konn­ten Schü­ler we­gen Un­fäl­len auf Stra­ßen nicht zum Un­ter­richt brin­gen. „Die Si­tua­ti­on ist chao­tisch“, sag­te ein Spre­cher des Krei­ses Schmal­kal­den-Mei­nin­gen in Thü­rin­gen. Auch in Bay­ern er­reich­ten ei­ni­ge Schul­bus­se nicht ihr Ziel. Ei­ni­ge nie­der­säch­si­sche Land­krei­se ga­ben schul­frei, dar­un­ter die Land­krei­se Ems­land und Graf­schaft Bent­heim.

Das Sturm­tief weh­te in meh­re­ren Tei­len Deutsch­lands Bäu­me auf Bahn­stre­cken und lös­te da­mit vor al­lem am Frei­tag Zu­g­aus­fäl­le und Ver­spä­tun­gen aus. „Wir kön­nen noch nicht kom­plett Ent­war­nung ge­ben für die Fahr­gäs­te, weil die Schnee­front noch un­ter­wegs ist“, sag­te ein Bahn­spre­cher am Mit­tag. Ver­g­li­chen mit dem Flug- und Au­to­ver­kehr sei die Bahn aber ziem­lich sta­bil un­ter­wegs. Die Höchst­ge­schwin­dig­keit der ICE-Zü­ge blieb nach Bahn­an­ga­ben vor­erst auf 200 Ki­lo­me­ter pro St­un­de ge­dros­selt. Sonst sind es 230 bis 300.

Am Frank­fur­ter Flug­ha­fen wur­den 125 Flü­ge we­gen des star­ken Stur­mes an­nul­liert. In Leip­zig/Hal­le und Dres­den wur­den ein­zel­ne Flü­ge ge­stri­chen.

Auch Win­ter­sport­ler muss­ten we­gen des star­ken Sturms Ein­schrän­kun­gen hin­neh­men. Auf dem Fich­tel­berg in Sach­sen wur­den Wind­spit­zen von 146 Ki­lo­me­tern pro St­un­de ge­mes­sen. Die Schwe­be­bahn und der Vie­rer­ses­sel­lift blie­ben ge­schlos­sen.

Ski­zir­kus be­ginnt

In vie­len Ski-Or­ten in Nord­rhein-West­fa­len hin­ge­gen freu­ten sich die Win­ter­sport­ler über ei­ne be­acht­li­che Na­tur­schnee­de­cke. Die­ses Mal be­kam auch die Ei­fel ei­ne sat­te Por­ti­on ab. Im Win­ter­sport­zen­trum Mon­schau-Roh­ren soll zum ers­ten Mal in der Sai­son am Wo­che­n­en­de ein klei­ner Ski­lift lau­fen. Der Ski­zir­kus im Sau­er­land wird am Wo­che­n­en­de mit rund 100 Lif­ten am Start sein, wie die Spre­che­rin der Win­ter­spor­tA­re­na, Su­san­ne Schul­ten, sag­te. Nach der Neu­auf­la­ge von rund 25 Zen­ti­me­ter Schnee lie­fen auch Lif­te in mitt­le­ren La­gen, die kei­ne Schnee­ka­no­nen hät­ten. Lang­lauf wer­de auch in mitt­le­ren La­gen mög­lich sein. Das Ski­lift­ka­rus­sell Win­ter­berg mel­de­te 60 Zen­ti­me­ter Schnee, das klei­ne­re Ski­ge­biet Ruhr­quel­le nord­öst­lich von Win­ter­berg so­gar 80 Zen­ti­me­ter.

Für das Wo­che­n­en­de er­war­te­te der Deut­sche Wet­ter­dienst wei­ter Schnee in vie­len Re­gio­nen, vor al­lem in den Mit­tel­ge­bir­gen und den Al­pen. Auch mit Glät­te müs­se ge­ne­rell ge­rech­net wer­den. Die Son­ne las­se sich nur vor­über­ge­hend bli­cken, und der Wind blei­be stark.

Auch im eu­ro­päi­schen Aus­land rich­te­te „Egon“ei­ni­ge Schä­den an. In Groß­bri­tan­ni­en warn­ten die Be­hör­den vor Über­schwem­mun­gen an der Ost­küs­te des Lan­des. Meh­re­re Or­te an der bri­ti­schen Nord­see wur­den eva­ku­iert, dar­un­ter Jay­wick mit über 4500 Ein­woh­nern. In Schott­land blie­ben meh­re­re Schu­len und Kin­der­gär­ten ge­schlos­sen, es gab vie­le Ver­kehrs­un­fäl­le.

In Frank­reich brach vie­ler­orts die Strom­ver­sor­gung zu­sam­men. Am Frei­tag­mit­tag wa­ren nach An­ga­ben des Netz­be­trei­bers Ene­dis noch 170 000 Haus­hal­te oh­ne Strom. Be­son­ders vie­le Men­schen wa­ren in der Nor­man­die und der Pi­car­die be­trof­fen. Auch in Bel­gi­en wa­ren Tau­sen­de Haus­hal­te strom­los. 180 Fahr­gäs­te ei­nes aus Brüs­sel kom­men­den Zu­ges ka­men we­gen Strom­aus­falls mit rund zwölf St­un­den Ver­spä­tung in Pa­ris an.

Fo­to: Ni­co­las Fromm

Tie­ri­sches Pech: Die­ser Fuchs war im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Fri­din­gen auf dem dün­nen Eis der Do­nau ein­ge­bro­chen und er­trun­ken. Ein Jä­ger säg­te den Eis­block her­aus und stell­te ihn als Mah­nung zur Schau.

Fo­to: dpa

Ei­ne ver­gnüg­te Ro­del­par­tie macht die­ses Mäd­chen im Harz. Fo­to: dpa

Mit ei­nem Kä­fer als Schnee­pflug räumt die­ser Mann in Hes­sen den Geh­weg. Fo­to: dpa

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