Fes­ti­val für Fans und Scouts in Gro­n­in­gen

In Gro­n­in­gen tref­fen sich Fans und Ex­per­ten zum Eu­ro­so­nic No­or­ders­lag

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - VORDERSEITE - thb

GRO­N­IN­GEN. Ein­mal im Jahr wird die nie­der­län­di­sche Stadt Gro­n­in­gen zur Mu­sik­me­tro­po­le: Das Eu­ro­so­nic No­or­ders­lag Fes­ti­val zieht dann Fans und Mu­sik­s­couts glei­cher­ma­ßen an. Es gilt als wich­tigs­tes New­co­mer-Event Eu­ro­pas.

Ein­mal im Jahr wird die nie­der­län­di­sche Stadt Gro­n­in­gen zur Mu­sik­me­tro­po­le: wäh­rend des Eu­ro­so­nic-No­or­ders­lag-Fes­ti­vals. In 25 Lo­ca­ti­ons tre­ten an vier Ta­gen mehr als 300 Live-Acts auf, die in Eu­ro­pa als das „nächs­te gro­ße Ding“ent­deckt wer­den wol­len.

GRO­N­IN­GEN. Man muss schon auf­pas­sen, dass man als Fuß­gän­ger nicht von ei­nem „Fiets“um­ge­fah­ren wird. Gro­n­in­gen ist ei­ne der fahr­rad­freund­lichs­ten Städ­te Eu­ro­pas. Die meis­ten Rad­fah­rer sind heu­te jun­ge Leu­te im Mu­sik-Ent­de­ckungs­mo­dus, denn ein­mal im Jahr wird Gro­n­in­gen zum Schau­platz ei­nes ein­zig­ar­ti­gen Fes­ti­vals: des Eu­ro­so­nic No­or­ders­lag.

An vier Ta­gen tre­ten mehr als 300 noch un­be­kann­te Live-Acts aus ganz Eu­ro­pa in 25 Lo­ca­ti­ons auf, die über die ge­sam­te In­nen­stadt ver­teilt sind. Über­all sieht man Men­schen in Schlan­gen vor den klei­nen Häu­sern mit Back­stein­fas­sa­de und bun­ten Leucht­re­kla­men ste­hen, die ei­ne be­stimm­te Band se­hen wol­len. Vom Klei­nen Ca­fé über zweck­ent­frem­de­te Re­stau­rants bis zur gro­ßen Mehr­zweck­hal­le: Wäh­rend des Fes­ti­vals ste­hen in der 200 000-Ein­woh­ner-Stadt al­le Zei­chen auf Rock und Pop live. Es sind nicht nur die jun­gen Leu­te aus der Re­gi­on, die hier et­was Be­son­de­res ge­bo­ten be­kom­men. Wäh­rend ih­rer 30-jäh­ri­gen Ge­schich­te hat sich die Ver­an­stal­tung zu dem wich­tigs­ten New­co­mer-Event Eu­ro­pas ge­mau­sert. Da­her wim­melt es in der Stadt nur so von Scouts. Es sind Ver­an­stal­ter­bü­ros und Kon­zert­agen­tu­ren, die ih­re Leu­te zum Eu­ro­so­nic schi­cken, um das „Next Big Thing“zu ent­de­cken. So wur­de Gro­n­in­gen für Künst­ler und Bands wie Bas­til­le, Ja­mes Bla­ke, Ho­zier und Mil­ky Chan­ce zur Start­platt­form für ei­ne gro­ße Kar­rie­re.

Schau­platz Hui­ze Maas am Fisch­markt mit­ten in der In­nen­stadt: Auf der Büh­ne des Klei­nen Ca­fés steht ei­ne Frau im Glit­zer­mi­ni auf der Büh­ne und for­dert das Pu­bli­kum auf, mit ihr zu tan­zen. Es ist Ve­ra Jo­nas aus Un­garn, die mit ih­rer Band ei­ne mit­rei­ßen­de Mi­schung aus Rock und Pop ze­le­briert. Kaum hat sie ihr Set be­en­det, star­tet ein schüch­tern aus­se­hen­der Sän­ger aus Schwe­den sein Kon­zert im hin­ten lie­gen­den gro­ßen Saal: Al­bin Lee Meldau be­sticht mit sou­li­ger Stim­me und ge­fühl­vol­len Ban­d­ar­ran­ge­ments. Aus Dä­ne­mark, Ita­li­en, Deutsch­land und so­gar aus Por­tu­gal, dem dies­jäh­ri­gen Län­der­schwer­punkt, kom­men an­de­re Mu­si­ker, die an die­sem Abend im Hui­ze Maas auf­tre­ten.

Kein Wun­der, dass die „Initia­ti­ve Mu­sik“, die zen­tra­le För­der­ein­rich­tung für die deut­sche Mu­sik­wirt­schaft, sich in Gro­n­in­gen ein­klinkt: „Da bei sol­chen Fes­ti­vals kaum Ho­no­ra­re ge­zahlt wer­den, schlie­ßen wir mit un­se­rer Kurz­tour­för­de­rung be­ste­hen­de Fi­nan­zie­rungs­lü­cken“, sagt Jens Mi­chow, Vor­stands­mit­glied der Initia­ti­ve. So kön­nen es sich Bands wie das deutsch-ita­lie­ni­sche Pro­jekt Fil Bo Ri­va leis­ten, an dem Event teil­zu­neh­men, das ih­nen vie­le Kon­tak­te be­schert und po­ten­zi­ell vie­le Auf­tritts­an­ge­bo­te. Aber es sind auch vie­le eu­ro­päi­sche Me­di­en beim Eu­ro­so­nic prä­sent, die als Mul­ti­pli­ka­to­ren für die Bands wich­tig sind. „Seit 2004 sind wir re­gel­mä­ßig mit dem WDR-Rock­pa­last vor Ort, um Kon­zer­te auf­zu­zeich­nen“, sagt WDR-Re­dak­teur Pe­ter Som­mer. Er ist von der eu­ro­päi­schen Di­men­si­on des Fes­ti­vals be­geis­tert.

Weil der WDR Mit­glied der EBU ist, der Eu­ro­pean Broad­cast Uni­on, nimmt er an ei­ner spe­zi­el­len Eu­ro­so­nic-Ko­ope­ra­ti­on teil: Vor den wich­tigs­ten Auf­trit­tor­ten sieht man Über­tra­gungs­wa­gen von an­ge­schlos­se­nen Rund­funk­sta­tio­nen, die sich ge­gen­sei­tig das Equip­ment für Ra­dio­sen­dun­gen zur Ver­fü­gung stel­len.

Zu­sätz­lich hat der WDR di­ver­se Ka­me­ra­teams, die aus­ge­wähl­te Kon­zer­te und In­ter­views auch mit Bild auf­zeich­nen. So er­klärt Joolz Hol­land, le­gen­dä­rer bri­ti­scher Mu­si­ker und Fern­seh­mo­de­ra­tor, im In­ter­view mit Rock­pa­last-Mit­ar­bei­ter Ma­nu­el Un­ger, dass das Eu­ro­so­nic maß­geb­lich da­zu bei­ge­tra­gen ha­be, dass die Do­mi­nanz ame­ri­ka­ni­scher und bri­ti­scher Bands auf dem eu­ro­päi­schen Markt, wie sie vor zwan­zig Jah­ren noch ge­herrscht ha­be, zu­rück­ge­drängt wor­den sei.

Und wäh­rend ei­nes Be­suchs im Gro­n­in­ger Stadt­ar­chiv ent­deckt Un­ger ei­ne Vi­deo­auf­nah­me aus den An­fangs­zei­ten des Fes­ti­vals, als dort ei­ne Band na­mens Nir­va­na vor 50 Zu­schau­ern auf­trat, weil sie noch nie­mand wirk­lich kann­te.

Jetzt leert sich der Saal vor der Haupt­büh­ne des Hui­ze Mass ein we­nig. Merk­wür­dig, denn ge­ra­de war der Club beim Kon­zert von Win­ter Pa­lace aus Dä­ne­mark noch rap­pel­voll.

Aber so ist es beim Eu­ro­so­nic: Wäh­rend das Gro­n­in­ger Pu­bli­kum sich von den Bands be­geis­tern lässt, sind die Scouts und Me­dien­leu­te schon wie­der auf dem Weg zum nächs­ten Auf­tritts­ort. Ih­nen ge­nü­gen die ers­ten drei Songs, um ein­schät­zen zu kön­nen, ob ei­ne Band in­ter­es­sant ist oder nicht…

Aus­führ­li­che Kon­zert­mit­schnit­te gibt es am 13. und 20. Fe­bru­ar ab 0.15 Uhr im WDR Fern­se­hen zu se­hen.

Fo­tos: WDR/Tho­mas von der Hei­den/ Tom Bull­mann (2)

Auch im Hui­ze Maas gibt es et­was zu ent­de­cken: Rock ’n’ Roll mit nack­ter Haut von der nor­we­gi­schen Band Yu­ma Sun (oben), Nach­denk­li­ches von Al­bin Lee Meldau (links) aus Schwe­den und ei­ne Auf­for­de­rung zum Tanz von Ve­ra Jo­nas Ex­pe­ri­ment aus Un­garn.

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