Maas räumt Feh­ler bei Er­mitt­lun­gen ein

Mi­nis­ter kün­digt Be­richt zu Ber­li­ner An­schlag an – Brei­te Zu­stim­mung für An­ti-Ter­ror-Pa­ket

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - POLITIK - AFP/dpa Mit 14 Iden­ti­tä­ten durch Deutsch­land: Mehr zum Fall Am­ri auf noz.de/po­li­tik

Der Lkw-An­schlag von Ber­lin liegt knapp vier Wo­chen zu­rück. Die Au­f­ar­bei­tung hat star­ke Kri­tik an der Ar­beit der Be­hör­den zur Fol­ge.

BER­LIN. Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) hat Feh­ler im Um­gang der Be­hör­den mit dem Weih­nachts­markt-At­ten­tä­ter von Ber­lin, Anis Am­ri, ein­ge­räumt. „Es kann sich nach dem, was da ge­sche­hen ist, und nach dem, was man mitt­ler­wei­le weiß, nie­mand hin­set­zen und sa­gen, es sind kei­ne Feh­ler ge­macht wor­den“, sag­te Maas im ZDF. War­um die Tat nicht ha­be ver­hin­dert wer­den kön­nen, ob­wohl Am­ri den Be­hör­den bis hin zum Ter­ror­ab­wehr­zen­trum be­kannt ge­we­sen sei, wer­de auf­ge­ar­bei­tet, sag­te Maas am Don­ners­tag­abend in der Sen­dung „May­brit Ill­ner“. „Es wird in den nächs­ten Ta­gen ei­nen Be­richt al­ler be­tei­lig­ten Be­hör­den ge­ben, in dem sehr ex­akt noch ein­mal dar­ge­stellt wird: Wer hat wann was ge­macht und was ent­schie­den?“, kün­dig­te er an.

Der 24-jäh­ri­ge Am­ri war als „is­la­mis­ti­scher Ge­fähr­der“ein­ge­stuft. Si­cher­heits­be­hör­den trau­ten ihm al­so ei­nen An­schlag zu, kon­kre­te Plä­ne konn­ten die Si­cher­heits­be­hör­den ihm je­doch nicht nach­wei­sen. Ob­wohl sein Asyl­an­trag ab­ge­lehnt wur­de, konn­te der Tu­ne­si­er nicht ab­ge­scho­ben wer­den, da Pa­pie­re aus sei­ner Hei­mat fehl­ten. Er­mitt­ler wa­ren dem Ex­tre­mis­ten mo­na­te­lang auf der Spur, den­noch konn­te Am­ri un­ter­tau­chen.

Maas ver­tei­dig­te die von ihm und Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) vor­ge­schla­ge­nen Ver­schär­fun­gen im Um­gang mit Ter­ror­ver­däch­ti­gen. Nach dem An­schlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt sei es not­wen­dig ge­we­sen zu schau­en, „ob es ge­setz­li­che Grund­la­gen gibt, die Be­hör­den auch dar­an ge­hin­dert ha­ben, et­was zu tun“. So ge­be es bis­lang „kei­nen ei­ge­nen Haft­grund für Ge­fähr­der“. Das wer­de jetzt ge­än­dert.

De Mai­ziè­re und Maas hat­ten sich am Di­ens­tag auf ein här­te­res Vor­ge­hen ge­gen Ge­fähr­der ge­ei­nigt. Un­ter an­de­rem sind er­leich­ter­te Vor­aus­set­zun­gen für die Ab­schie­be­haft so­wie die Ein­füh­rung von elek­tro­ni­schen Fuß­fes­seln ge­plant. Für die CSU geht das ge­plan­te Maß­nah­men­pa­ket „noch nicht weit ge­nug“. Im par­la­men­ta­ri­schen Ver­fah­ren und in­ner­halb der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on wol­le sei­ne Par­tei Ver­bes­se­run­gen er­rei­chen, sag­te CSU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Scheu­er bei „May­brit Ill­ner“.

Kri­tik der Op­po­si­ti­on

Der Lin­ken-Po­li­ti­ker Jan Kor­te kri­ti­sier­te die „schnell zu­sam­men­ge­zim­mer­ten Maß­nah­men“der zu­stän­di­gen Mi­nis­ter: „Maas und sein In­nen­mi­nis­ter­kol­le­ge de Mai­ziè­re ha­ben mit ih­ren An­ti-Ter­ror-Maß­nah­men of­fen­bar lie­ber ins Blaue ge­schos­sen, als auf läs­ti­ge Ana­ly­sen und Er­kennt­nis­se zu war­ten.“

Die Grü­nen rüg­ten die In­for­ma­ti­ons­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung. Sie ha­be seit län­ge­rer Zeit mehr In­for­ma­tio­nen, als sie dem Par­la­ment ge­be, sag­te Frak­ti­ons­vi­ze Kon­stan­tin von Notz. Das zei­ge nun das Ein­ge­ständ­nis von Maas, dass im Um­gang mit Am­ri Feh­ler ge­macht wor­den sei­en. Die Re­gie­rung ge­be In­for­ma­tio­nen „nur scheib­chen­wei­se“her­aus.

In dem am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten ZDF-„Po­lit­ba­ro­me­ter“ga­ben 88 Pro­zent der Be­frag­ten an, als „Ge­fähr­der“ein­ge­stuf­te Asyl­be­wer­ber soll­ten künf­tig län­ger in Ab­schie­be­haft ge­nom­men wer­den, auch wenn so schnell kei­ne Ab­schie­bung in ihr Hei­mat­land mög­lich ist. Neun Pro­zent lehn­ten dies ab. Zu­dem un­ter­stüt­zen 67 Pro­zent die For­de­rung nach schär­fe­ren Ge­set­zen für die Ab­schie­bung straf­fäl­lig ge­wor­de­ner Asyl­be­wer­ber, 31 Pro­zent hal­ten die vor­han­de­nen Ge­set­ze für aus­rei­chend.

Gut die Hälf­te der Be­frag­ten (51 Pro­zent) ist der Mei­nung, dass in Deutsch­land nicht ge­nü­gend zum Schutz vor An­schlä­gen ge­tan wird. 44 Pro­zent sind der ge­gen­sätz­li­chen An­sicht.

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