Ge­mein­sam die Welt ret­ten?

Hol­ly­wood „Ma­de in Chi­na“: Die neue Ko­ope­ra­ti­on der Traum­fa­bri­ken

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - EINBLICKE - Von Andre­as Land­wehr Weg­wei­ser für die Welt des Films: noz.de/ki­no

„The Gre­at Wall“und „Star Wars“: Chi­nas Rol­le auf dem welt­wei­ten Film­markt wächst – und da­mit sein Ein­fluss. Kein Block­bus­ter kann heu­te noch er­folg­reich sein, oh­ne das Reich der Mit­te zu ge­win­nen.

PEKING. Der Abenteuerfilm „The Gre­at Wall“läu­tet ei­ne neue Ära in der Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Chi­na und Hol­ly­wood ein. Die 140-Mil­lio­nen-Dol­lar-Pro­duk­ti­on ist der ers­te Ver­such chi­ne­si­scher und ame­ri­ka­ni­scher Fil­me­ma­cher, ei­nen chi­ne­si­schen Block­bus­ter in­ter­na­tio­nal zu ei­nem Er­folg zu ma­chen. Um­ge­kehrt ist das Reich der Mit­te längst Hol­ly­woods neu­es El­do­ra­do und schickt sich an, bald die USA als welt­größ­ten Ki­no­markt zu über­ho­len. Die Ko­ope­ra­ti­on der Traum­fa­bri­ken wächst – eben­so die chi­ne­si­sche Ein­fluss­nah­me.

Chi­ne­si­sche Film­ex­per­ten schwär­men von „The Gre­at Wall“mit Matt Da­mon („Ja­son Bourne“, „Der Mar­sia­ner“) und ei­nem il­lus­tren chi­ne­si­schen Star­auf­ge­bot als dem „Durch­bruch“für Chi­nas Film­in­dus­trie. „Jetzt kann die Welt se­hen, dass ein chi­ne­si­scher Film auch Spit­zen­stars und Pro­du­zen­ten aus Hol­ly­wood an­zieht“, sagt Liu Jun, Pro­fes­sor an der Pe­kin­ger Film­aka­de­mie.

„The Gre­at Wall“läuft seit Don­ners­tag in deut­schen Ki­nos. Von Chi­nas be­rühm­tes­tem Re­gis­seur Zhang Yi­mou („Ro­tes Korn­feld“, „Haus der Flie­gen­den Schwer­ter“, He­ro“) atem­be­rau­bend in­sze­niert, stützt sich der Strei­fen al­ler­dings wei­ter auf Hol­ly­woods be­währ­te Dreh­buch­schrei­ber. Wäh­rend Da­mon, Pe­dro Pas­cal („Ga­me of Thro­nes“) und Wil­lem Da­foe dem chi­ne­si­schen Film die nö­ti­ge aus­län­di­sche No­te ge­ben, um ein welt­wei­tes Pu­bli­kum an­zu­spre­chen, sind um­ge­kehrt in US-Block­bus­tern im­mer pro­mi­nen­te­re chi­ne­si­sche Ak­teu­re und Schau­plät­ze zu fin­den.

Kein Hol­ly­wood-Film kann heu­te in­ter­na­tio­nal ein Kas­sen­schla­ger wer­den, oh­ne auch in Chi­na er­folg­reich zu sein: Im neu­en Star-War­sAben­teu­er „Ro­gue One“spie­len der chi­ne­si­sche Film­star Don­nie Yen als blin­der Mönch so­wie der be­kann­te Re­gis­seur und Darstel­ler Jiang Wen als des­sen feu­er­kräf­ti­ger Be­schüt­zer mit. Auch kämp­fen in der Neu­auf­la­ge von „In­de­pen­dence Day“Ame­ri­ka­ner und Chi­ne­sen ge­mein­sam um die Ret­tung der Er­de – mit dem chi­ne­si­schen Star Yang Ying ali­as „An­ge­la­ba­by“als hüb­scher Kampf­pi­lo­tin.

In dem neu­en Ma­gierStrei­fen „Die Un­fass­ba­ren 2“ (Now You See Me) be­kom­men nicht nur der tai­wa­ne­si­sche Mu­si­ker Jay Chou und die chi­ne­sisch-bri­ti­sche Schau­spie­le­rin Tsai Chin („Joy Luck Club“) wich­ti­ge Rol­len. Es wird auch flei­ßig Chi­ne­sisch ge­spro­chen, selbst von Mor­gan Free­man und Mark Ru­fal­lo. Sie tur­nen durch Ma­cao – ähn­lich wie Ja­mes Bond in „Sky­fall“.

Ob Tom Crui­se in „Mis­si­on Im­pos­si­ble 3“durch Schang­hai rast oder die „Trans­for­mers“durch Hong­kong pol­tern – im­mer hat Hol­ly­wood das chi­ne­si­sche Pu­bli­kum im Blick. Dreist wird mit Pro­dukt­plat­zie­rung ver­steckt Wer­bung für chi­ne­si­sche Milch oder Chi­nas Cha­tDi­enst QQ ge­macht. In „Cap­tain Ame­ri­ca 3“te­le­fo­niert „Iron Man“Ro­bert Dow­ney Jr. ali­as To­ny Stark mit ei­nem Han­dy der au­ßer­halb Chi­nas we­nig be­kann­ten Mar­ke Vi­vo.

Stren­ge Quo­te und Zen­sur

Der Zu­gang zum chi­ne­si­schen Mas­sen­markt ist aber st­ei­nig und be­grenzt. Es gibt ei­ne Quo­te von nur 34 aus­län­di­schen Fil­men, die im Jahr in Chi­na ge­zeigt wer­den dür­fen. Auch muss die Zen­sur pas­siert wer­den, was schon vor­aus­ei­len­den Ge­hor­sam aus­löst. So wur­de in der Co­mic-Ad­ap­ti­on von „Dr. Stran­ge“der ti­be­ti­sche Mönch (An­ci­ent One) durch ei­ne kel­ti­sche Zau­be­rin (dar­ge­stellt von Til­da Swin­ton) er­setzt, um Chi­na nicht zu pro­vo­zie­ren.

Die Quo­te kön­nen aus­län­di­sche Stu­di­os nur mit Ko­ope­ra­tio­nen in Chi­na um­ge­hen. In der Ha­fen­stadt Qing­dao baut der reichs­te Mann Chi­nas, Wang Ji­an­lin, der „Le­gen­da­ry En­ter­tain­ment“für 3,5 Mil­li­ar­den US-Dol­lar ge­kauft hat, nach dem Vor­bild Hol­ly­woods für vie­le Mil­li­ar­den ei­ne Film­stadt, die auch aus­län­di­sche Pro­du­zen­ten an­zie­hen soll. Der Chef des Wan­da-Kon­zerns ist heu­te schon der größ­te Ki­no­be­trei­ber der Welt und steckt auch hin­ter „The Gre­at Wall“, der teil­wei­se in Qing­dao ge­filmt wur­de. „Wenn Hol­ly­wood-Stu­di­os hier dre­hen, wird die chi­ne­si­sche Film­in­dus­trie da­von eben­so pro­fi­tie­ren wie chi­ne­si­sche Film­schaf­fen­de und ih­re Mit­ar­bei­ter“, sagt der un­ab­hän­gi­ge Ex­per­te Jiang Yong.

Die Ent­wick­lung ist durch­aus auch po­li­tisch mo­ti­viert. „Das Land schenkt sei­ner ‚Soft­power‘ gro­ße Auf­merk­sam­keit“, sagt Jiang Yong mit Blick auf po­li­ti­sche Macht­aus­übung über Ideo­lo­gie und kul­tu­rel­le At­trak­ti­vi­tät. Der Wan­da-Kon­zern ha­be „star­ke Mus­keln“, sagt der Ex­per­te. „Die­se In­ves­ti­tio­nen wer­den da­für sor­gen, dass die chi­ne­si­sche Kul­tur wei­ter ver­brei­tet wird.“

Fo­to: Uni­ver­sal Pic­tu­res/dpa

Durch­bruch für Chi­nas Film­in­dus­trie? Matt Da­mon (2. v. l.) und wei­te­re Darstel­ler in „The Gre­at Wall“.

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