Un­ge­schön­te Wahr­heit

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - EINBLICKE - Von Con­stan­tin Bin­der c.bin­der@noz.de

Wo­her kommt das Fleisch, das Ma­ma und Pa­pa auf­ti­schen? Aus va­ku­umier­ten Kunst­stoff­beu­teln im Kühl­re­gal? Oder von put­zi­gen Tie­ren, wie sie ei­nem aus dem Bil­der­buch ent­ge­gen­lä­cheln? Nor­we­gi­sche Er­zie­her ha­ben es ih­ren Schütz­lin­gen ge­zeigt – und ern­ten nun ei­ne Wel­le der Ver­ach­tung. War­um?

Es gab ei­ne Zeit, da ha­ben Kin­der wie selbst­ver­ständ­lich auf dem el­ter­li­chen Hof ge­hol­fen, auch bei der Schlach­tung. So lern­ten sie den Wert ih­rer Nah­rung ken­nen, weg­ge­schmis­sen wur­de so gut wie nichts. Heu­te hin­ge­gen ist die Fleisch­pro­duk­ti­on ein der­art in­dus­tria­li­sier­ter Pro­zess, dass dem über­dies meist spott­bil­li­gen End­pro­dukt kaum mehr an­zu­se­hen ist, wo­her es stammt. Dass es Fleisch im Über­fluss gibt, ver­lei­tet zu­dem zu ei­ner un­fass­ba­ren Weg­werf­men­ta­li­tät.

Was al­so spricht da­ge­gen, Kin­dern – zu­min­dest ab ei­nem ge­wis­sen Al­ter – die un­ge­schön­te Wahr­heit zu zei­gen? Sie kön­nen nur da­zu­ge­win­nen: an Kennt­nis ih­rer Kul­tur, an Wert­schät­zung für Tie­re, an Wis­sen über Er­näh­rung. Wenn es gut läuft, es­sen sie sel­te­ner und be­wuss­ter Fleisch, wer­den viel­leicht Ve­ge­ta­ri­er. Was sie da­für al­ler­dings drin­gen­der se­hen soll­ten als ei­ne tra­di­tio­nel­le Schlach­tung mit Mu­se­ums­dorf­cha­rak­ter, ist eben­je­ne in­dus­tri­el­le Pro­duk­ti­ons­ket­te mit Mas­sen­tier­hal­tung und Groß­schlacht­hof, die Fleisch zur be­lie­bi­gen Mas­sen­wa­re hat wer­den las­sen.

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