Er­zeu­gung und Ver­brauch ab­stim­men

Zum Le­ser­brief von Die­ter Gäck­ler „Die Ener­gie­wen­de bleibt schwie­rig“(Aus­ga­be vom 11. Ja­nu­ar) mit Be­zug auf den Ar­ti­kel „Bi­lanz 2016: We­ni­ger Koh­le- und mehr Ökostrom“(Aus­ga­be vom 7. Ja­nu­ar).

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - DIALOG -

„Herr Gäck­ler stellt zu­tref­fend fest, dass die Ener­gie­wen­de schwie­rig bleibt. Al­ler­dings be­dient er sich in sei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on ei­nes alt­be­kann­ten Tot­schlag­ar­gu­ments, um den Wei­ter­be­trieb von Koh­le- und Atom­kraft­wer­ken zu recht­fer­ti­gen: Was ist, wenn die Son­ne nicht scheint und der Wind nicht weht? Da­bei ver­schweigt er, woran die Denk­fa­brik Ago­ra Ener­gie­wen­de au­ßer an der von ihm zi­tier­ten Gra­fik noch ar­bei­tet.

Ge­ra­de weil der An­teil von Wind- und Son­nen­en­er­gie zu man­chen Zei­ten ge­ring ist, be­fasst sich die un­ter an­de­rem mit der zen­tra­len Her­aus­for­de­rung der Fle­xi­bi­li­sie­rung des Strom­sys­tems. Es geht dar­um, Er­zeu­gung und Ver­brauch so gut wie mög­lich auf­ein­an­der ab­zu­stim­men und ei­ne si­che­re Strom­ver­sor­gung zu ge­währ­leis­ten. Da spie­len die ver­blei­ben­den al­ten Kraft­wer­ke mit fort­schrei­ten­dem Aus­bau er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en ei­ne im­mer ge­rin­ger wer­den­de Rol­le. Bei ho­her Re­si­dual­last (ho­he Strom­nach­fra­ge bei gleich­zei­tig ge­rin­ger Pro­duk­ti­on von Wind- und Son­nen­strom) kön­nen fle­xi­ble Er­zeu­ger, ins­be­son­de­re aber auch fle­xi­ble Ver­brau­cher, die ih­re Strom­nach­fra­ge zu be­stimm­ten Zei­ten re­du­zie­ren, da­zu bei­tra­gen, An­ge­bot und Nach­fra­ge in Ein­klang zu brin­gen.

Da mit Wind­kraft und Fo­to­vol­ta­ik wet­ter­ab­hän­gi­ge be­zie­hungs­wei­se fluk­tu­ie­ren­de er­neu­er­ba­re Ener­gi­en ins Zen­trum des Strom­sys­tems rü­cken, müs­sen sich die für das zu­künf­ti­ge Strom­sys­tem be­nö­tig­ten re­gel­ba­ren Kraft­werks­ka­pa­zi­tä­ten die­sen neu­en Ge­ge­ben­hei­ten an­pas­sen be­zie­hungs­wei­se kön­nen al­te ab­ge­schrie­be­ne kon­ven­tio­nel­le Kraft­wer­ke still­ge­legt wer­den. Über­ka­pa­zi­tä­ten, die gibt es auch laut der zi­tier­ten Gra­fik, kön­nen ge­spei­chert oder ex­por­tiert wer­den.

Ein be­lieb­tes Ar­gu­ment ge­gen Wind- und Son­nen­kraft war es bis­lang, mit dem Zu­sam­men­bruch der Strom­ver­sor­gung zu dro­hen, weil die Net­ze über­las­tet sein könn­ten. Die Schwie­rig­keit be­steht dar­in, ein Markt- und Re­gu­lie­rungs­de­sign zu schaf­fen, wel­ches die Fle­xi­bi­li­täts­hemm­nis­se ab­baut.

Der Groß­teil der re­gel­ba­ren Leis­tung wird künf­tig in Form von Kraft-Wär­meKopp­lungs­an­la­gen be­reit­ge­stellt wer­den. Dies führt zwangs­läu­fig zu ei­nem Struk­tur­wan­del weg von zen­tra­li­sier­ten Groß­kraft­wer­ken hin zu de­zen­tra­len klei­nen und mitt­le­ren ver­brauchs­na­hen An­la­gen. Es soll­ten dann die Op­tio­nen ein­ge­setzt wer­den, die den Be­darf am ef­fi­zi­en­tes­ten de­cken kön­nen.

Wie vie­le Wind­rä­der be­zie­hungs­wei­se So­lar­an­la­gen man hier­für im Jahr 2050 be­nö­tigt, hängt vom wei­te­ren tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt und von der Stand­ort­wahl der An­la­gen ab. Und da­nach soll­te sich auch der Netz­aus­bau aus­rich­ten.

Nicht be­rück­sich­tigt in den bis­he­ri­gen Be­rech­nun­gen und Pla­nun­gen sind Fort­schrit­te der Spei­cher­tech­no­lo­gi­en. Das al­les hät­te Herr Gäck­ler auch bei der Ago­ra Ener­gie­wen­de fin­den kön­nen.“Gerd Hün­dorf Bis­sen­dorf

Fo­to: dpa

Die Strom­er­zeu­gung aus Wind und Son­ne wird in Zu­kunft ei­ne im­mer grö­ße­re Rol­le spie­len, meint un­ser Le­ser Gerd Hün­dorf.

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