Ein­stim­mig ge­gen Schlie­ßung

Rat der Ge­mein­de Hil­ter will mit Re­so­lu­ti­on Po­li­zei­dienst­stel­le er­hal­ten – Kri­tik auch aus Glan­dorf

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - SÜDKREIS - Von Andrea Pärsch­ke, Ka­tht­rin Pohl­mann und Sven Ki­en­scherf

Die Po­li­zei fährt ih­re Prä­senz in Hil­ter und Glan­dorf zu­rück. Die Di­enst­stel­len wer­den nicht mehr in der bis­he­ri­gen Form be­setzt sein. Der Hil­te­ra­ner Rat hat jetzt ei­ne Re­so­lu­ti­on ge­gen die Plä­ne der Po­li­zei auf den Weg ge­bracht. HIL­TER/GLAN­DORF. Die Po­li­zei­dienst­stel­le an der Os­na­brü­cker Stra­ße in Hil­ter soll laut Po­li­zei­in­spek­ti­on Os­na­brück künf­tig nicht mehr wie bis­her be­setzt wer­den – im Klar­text be­deu­tet das: Vor Ort wird es dau­er­haft kei­nen Be­am­ten mehr ge­ben. Die Po­li­zei wird über­wie­gend von Bad La­er aus ar­bei­ten.

In Hil­ter wird es dann nur noch Sprech­zei­ten ge­ben, in de­nen die Be­am­ten vor Ort sind. Das Glei­che gilt für die Po­li­zei­sta­ti­on in Glan­dorf. Dort ver­la­gert sich der Schwer­punkt nach Bad Iburg.

Hil­ter wä­re mit 10 400 Ein­woh­nern und ei­ner Flä­che von gut 52 Qua­drat­ki­lo­me­tern die ers­te Ge­mein­de in die­ser Grö­ße im Land­kreis oh­ne ei­ne ei­ge­ne Po­li­zei­dienst­stel­le. Die­se Ent­schei­dung will die Ge­mein­de so nicht ak­zep­tie­ren.

Der Rat hat am Don­ners­tag­abend ei­ne Re­so­lu­ti­on auf den Weg ge­bracht, um die Schlie­ßung zu ver­hin­dern. „Das ist ei­ne Schwä­chung des länd­li­chen Rau­mes“, sagt Bür­ger­meis­ter Marc Schew­ski.

Der Rat der Ge­mein­de will durch die Re­so­lu­ti­on noch Die Po­li­zei­sta­ti­on in Hil­ter zu ver­hin­dern. ein Um­den­ken im In­nen­mi­nis­te­ri­um er­rei­chen. „Das, was hier pas­siert, ist völ­lig kon­trär zu dem, was im Ko­ali­ti­ons­ver­trag steht“, so Schew­ski. Dort steht auf Sei­te 17 un­ter an­de­rem ge­schrie­ben: „Ziel der rot-grü­nen Ko­ali­ti­on ist ei­ne bür­ger­freund­li­che Po­li­zei, die auch in der Flä­che prä­sent ist.“

Bis­her wa­ren die Po­li­zei­sta­tio­nen in Hil­ter und Glan­dorf in der Re­gel mon­tags bis frei­tags von 7 bis 15.30 Uhr oder 8 bis 16 Uhr be­setzt. Wäh­rend die­ser Zeit wa­ren die Sta­tio­nen nur ge­schlos­sen, wenn die Be­am­ten für Au­ße­nermitt­lun­gen un­ter­wegs wa­ren, so Nils Al­len­dorf von der Pres­se­stel­le der Po­li­zei­in­spek­ti­on Os­na­brück.

Bei­de Lie­gen­schaf­ten blei­ben zwar im Be­sitz der Po­li­zei, ab Ju­ni soll es dort aber nur noch Sprech­zei­ten ge­ben. „Wann die statt­fin­den, ist noch nicht klar“, so Al­len­dorf.

Neue Si­cher­heits­la­ge

Als Grund für die Um­struk­tu­rie­rung gibt die Po­li­zei die „ver­än­der­te Si­cher­heits­la­ge“an. Po­li­zis­ten sol­len künf­tig nicht mehr al­lei­ne in ei­ner Di­enstel­le ar­bei­ten oder al­lein im Strei­fen­wa­gen un­ter­wegs sein. „Die Ag­gres­sio­nen ge­gen Po­li­zei­be­am­te neh­men seit Jah­ren zu“, sag­te Al­len­dorf.

Der Rat der Ge­mein­de for­dert in sei­ner Re­so­lu­ti­on, die Be­set­zung der Po­li­zei­dienst­stel­le in Hil­ter mit min­des­tens ei­ner vol­len Stel­le si­cher­zu­stel­len. „Wir ste­hen voll hin­ter der Ver­wal­tung“, so Chris­tia­ne Rott­mann (CDU). „Es darf hier vor Ort kein An­sprech­part­ner feh­len. Wir müs­sen vor Ort Po­li­zei­prä­senz ha­ben“, be­ton­te auch der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der SPD, Andre­as Krebs. Fo­to: Achim Köpp

„Ei­gen­si­che­rung ist ein wich­ti­ges The­ma bei der Po­li­zei. Das soll­te man nicht au­ßer Acht las­sen. Die Prä­senz vor Ort soll­te aber si­cher­ge­stellt sein“, so räum­te Rai­ner Ka­ver­mann von den Grü­nen ein. Und Sil­via Vo­gel­sang (UWG) be­ton­te: „Die Po­li­zei macht hier vor Ort ei­ne su­per Ar­beit. Das Per­so­nal muss er­höht wer­den.“Auch Mo­ni­ka Abend­roth (SPD) äu­ßer­te sich da­zu: „Über­all wird mehr Po­li­zei ge­for­dert, und im Süd­kreis soll sie de­zi­miert wer­den. Wir brau­chen ei­ne zu­sätz­li­che Stel­le.“

Die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Ger­da Hö­vel hat sich eben­falls in die Dis­kus­si­on ein­ge­schal­tet. „Es kann nicht sein, dass der länd­li­che Raum so be­schnit­ten wird. Die Po­li­zei muss uns in der Flä­che un­ter­stüt­zen. In der Ten­denz wird aber im­mer mehr aus­ge­dünnt.“

Der Rat sprach sich ein­stim­mig für die Re­so­lu­ti­on aus. Sie wird in den nächs­ten Ta­gen an den nie­der­säch­si­schen In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD) ver­schickt. Hö­vel hat eben­falls ei­nen Brief an den In­nen­mi­nis­ter ver­fasst.

Auch die Glan­dor­fer re­agie­ren ver­är­gert auf die Nach­richt. „Es ist ein schwe­rer Schlag für die Men­schen im länd­li­chen Raum“, sag­te Martin Bäu­mer. „Bis jetzt ist die Po­li­zei noch gut und un­pro­ble­ma­tisch zu er­rei­chen“, so der Glan­dor­fer Land­tags­ab­ge­ord­ne­te.

Auch Se­bas­ti­an Gott­löb­er von der UWG fin­det es „mehr als un­be­frie­di­gend“, ab Ju­ni auf ei­ne Po­li­zei­sta­ti­on ver­zich­ten zu müs­sen. Das Si­cher­heits­ge­fühl der Men­schen vor Ort wür­de dar­un­ter lei­den.

Kars­ten Joch­mann, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der SPD, äu­ßer­te sich eben­falls we­nig be­geis­tert: „Er­mitt­lun­gen der Po­li­zei kom­men dann gut vor­an, wenn das Ver­trau­en der Be­völ­ke­rung da ist“, sagt er. Der kur­ze Draht, das ent­schei­den­de Ge­spräch am Ran­de, das al­les wür­de zu­sam­men mit der Po­li­zei­sta­ti­on weg­fal­len. Aber: „Es kommt auch auf die Län­ge der Sprech­zei­ten an“, be­ton­te er.

„So­lan­ge die Po­li­zei­sta­ti­on noch nicht ge­schlos­sen ist, kämp­fen wir“, kün­dig­te Martin Bäu­mer an. Er hat­te sich be­reits Han­no­ver für die Po­li­zei­sta­ti­on stark­ge­macht.

Doch auch auf kom­mu­na­ler Ebe­ne wol­len die Glan­dor­fer ak­tiv wer­den. Da­zu stimm­ten sich die Rats­mit­glie­der am Frei­tag ab. Was ge­nau ge­sche­hen soll, ist in­des noch un­klar. „Wir brau­chen auch mehr In­for­ma­tio­nen“, so Kars­ten Joch­mann. Bür­ger­meis­te­rin Mag­da­le­ne Heu­vel­mann äu­ßer­te sich am Frei­tag noch nicht da­zu.

GdP be­grüßt Än­de­rung

Die Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP) be­grü­ße zu­nächst, dass die Po­li­zis­ten künf­tig nicht mehr al­lei­ne ih­ren Di­enst ver­sä­hen, so der Vor­sit­zen­de der Kreis­grup­pe Os­na­brück, Oli­ver Kem­me. Na­tür­lich sei es wün­schens­wert, an je­dem Ort min­des­tens zwei Be­am­te ein­zu­set­zen. Das las­se al­ler­dings der Per­so­nal­man­gel nicht zu.

Die ge­werk­schaft­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on der Kri­mi­nal­be­am­ten, der Bund Deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter (BDK), äu­ßer­te sich bis­lang nicht.

Wäh­rend die Ge­mein­den Hil­ter und Glan­dorf die Um­struk­tu­rie­rung kri­tisch se­hen, hat sie nach An­sicht der Po­li­zei auch für die Bür­ger po­si­ti­ve Aspek­te. Et­wa wenn es um die Auf­klä­rung von De­lik­ten ge­he. „Wenn Bür­ger ei­ne Straf­tat ge­gen­über zwei statt ei­nem Be­am­ten schil­dern, las­sen sich Zu­sam­men­hän­ge bes­ser er­ken­nen, und es kön­nen meh­re­re Er­mitt­lungs­an­sät­ze ver­folgt wer­den“, er­läu­ter­te Nils Al­len­dorf von der Po­li­zei­in­spek­ti­on Os­na­brück. Mehr Nach­rich­ten aus Ih­rer Kom­mu­ne un­ter www.noz.de/lo­ka­les

Soll künf­tig nicht mehr be­setzt sein. Die Ge­mein­de ver­sucht, mit ei­ner Re­so­lu­ti­on die Ent­schei­dung

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