Gott sorgt

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - OSNABRÜCK - Von Eva-Ma­ria Sie­mer

Fast täg­lich spre­che ich mit Men­schen, die auf­grund ih­rer Le­bens­si­tua­ti­on in Fa­mi­lie und Be­ruf be­las­tet sind. Da­bei be­glei­tet mich im­mer wie­der das Bi­bel­wort „Werft all eu­re Sor­gen auf den Herrn, denn er sorgt für euch“. Schö­ner Spruch. Wie ma­che ich das: „Sor­gen auf den Herrn wer­fen“? Ein Re­li­gi­ons­phi­lo­soph wur­de bei die­ser Fra­ge prak­tisch. Er stell­te drei Töp­fe mit Was­ser auf den Herd. In den ers­ten Topf gab er Kar­tof­feln, in den zwei­ten Topf Eier, und als das Was­ser im drit­ten Topf auf­wall­te, goss er es über Kaf­fee­mehl. Er­geb­nis: Die har­ten Kar­tof­feln wur­den weich, die Früh­stücks­ei­er wur­den fest, und aus ein­fa­chem Was­ser mit Kaf­fee­mehl ent­stand köst­li­cher Kaf­fee. Drei Le­bens­mit­tel, die je­weils hei­ßem Was­ser aus­ge­setzt wa­ren, re­agier­ten sehr un­ter­schied­lich. Das sind, so der Re­li­gi­ons­phi­lo­soph, drei Ar­ten, wie der Mensch auf ein und die­sel­be Si­tua­ti­on re­agiert: Wie ei­ne har­te Kar­tof­fel, die bei Be­las­tun­gen, Stress und Un­recht weich wird und Stär­ke ver­liert. Wie ein Ei mit wei­chem Herz, das hart wird, wenn Pro­ble­me auf­tau­chen. Wie Kaf­fee­mehl, das das Schwe­re im Le­ben als Chan­ce sieht und Neu­es dar­aus ent­ste­hen lässt, näm­lich duf­ten­den Kaf­fee. Der Be­ginn des Jah­res eig­net sich gut, un­se­re Sicht­wei­se und Ein­stel­lung zum Le­ben zu über­den­ken, durch­zu­at­men, um nicht zu ver­här­ten, son­dern barm­her­zig zu sein – mit an­de­ren, aber auch mit sich selbst. Mein Wunsch für 2017: Wer­fen wir all un­se­re Sor­gen auf den Herrn, er wird wohl sor­gen.

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