Kunst­ge­schich­te „nicht un­ver­zicht­bar“

Pro­test ge­gen In­sti­tuts­schlie­ßung nimmt Fahrt auf – Uni-Prä­si­di­um kon­tert Vor­wür­fe

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - OSNABRÜCK - Von Se­bas­ti­an Stri­cker

Im Streit um die ge­plan­te Schlie­ßung des Kunst­his­to­ri­schen In­sti­tuts sieht sich die Uni Os­na­brück zu ei­ner Klar­stel­lung ver­an­lasst. Kri­tik an dem Vor­ha­ben reißt der­weil nicht ab. Im In­ter­net wer­den Un­ter­schrif­ten ge­sam­melt, und vor Ort über­schrei­tet der Pro­test die Gren­ze der Le­ga­li­tät. OS­NA­BRÜCK. Die Stim­mung ist auf­ge­la­den: Nach­dem Van­da­len An­fang der Wo­che das Os­na­brü­cker Schloss als Uni­ver­si­täts­sitz mit der Pa­ro­le „Kunst­ge­schich­te bleibt!“be­schmiert hat­ten, tauch­ten we­nig spä­ter an ver­schie­de­nen Stel­len – un­ter an­de­rem an De­ka­nats­ge­bäu­den – wil­de Pla­ka­te mit teils ehr­ver­let­zen­dem In­halt auf. So wur­de un­ter der Über­schrift „Für die Kunst!“vor al­lem Uni­ver­si­täts­prä­si­dent Wolf­gang Lü­cke per­sön­lich an­ge­grif­fen und be­lei­digt.

Mitt­ler­wei­le sind die­se Zet­tel wie­der weg. Doch auf sach­li­cher Ebe­ne muss das Prä­si­di­um wei­ter hart ein­ste­cken. In ei­nem Ar­ti­kel der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“un­ter­stellt Ser­giusz Mich­al­ski, Pro­fes­sor am Kunst­his­to­ri­schen In­sti­tut der Uni Tü­bin­gen, dem Os­na­brü­cker Prä­si­di­um „ad­mi­nis­tra­ti­ve Dumm­heit“und spricht von „ei­nem der bru­tals­ten An­grif­fe auf ei­ne Ein­rich­tung der Kunst- und Geis­tes­ge­schich­te in der deut­schen Uni­ver­si­täts­land­schaft“.

Von der TU Dres­den mel­det sich „be­stürzt und fas­sungs­los“Prof. Dr. Bru­no Klein zu Wort, un­ter an­de­rem Spre­cher des zu­stän­di­gen Fach­kol­le­gi­ums der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG). In sei­nem an Lü­cke & Co. adres­sier­ten Kunst­his­to­ri­sches In­sti­tut vor dem Aus: Brief, der un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt, heißt es: „Die Os­na­brü­cker Uni­ver­si­täts­lei­tung scheint bei ih­rer Ent­schei­dung ge­gen die Kunst­ge­schich­te ei­nen po­pu­lis­ti­schen Rück­wärts­gang ein­ge­legt zu ha­ben. Kla­rer kann man kul­tur­po­li­ti­sche Igno­ranz nicht zum Aus­druck brin­gen.“

Ap­pell an die Stadt

Als Vor­sit­zen­de der Os­na­brü­cker Ge­sell­schaft für zeit­ge­nös­si­sche Kunst schal­tet sich Eli­sa­beth Lum­me in die Dis­kus­si­on um die ge­plan­te In­sti­tuts­schlie­ßung ein. Ne­ben al­len fach­li­chen Grün­den, die ge­gen ein Aus spre­chen wür­den, dürf­ten nach An­sicht ih­res Ver­eins die Aus­wir­kun­gen auf das kul­tu­rel­le Le­ben der Stadt nicht un­be­ach­tet blei­ben. „Das Fach Kunst­ge­schich­te ist wich­tig für die Frie­dens­stadt Os­na­brück“, stellt Lum­me fest und meint: „Kurz­sich­ti­ger kann ei­ne Uni­ver­si­täts­lei­tung wohl nicht han­deln, als in ei­nem welt­po­li­tisch an­ge­spann­ten Kli­ma ein geis­tes­wis­sen­schaft­li­ches Fach aus Kos­ten­grün­den zu schlie­ßen.“Die Stadt Os­na­brück und die Kul­tur­sze­ne sei­en auf­ge­ru­fen, sich für ei­nen Ver­bleib des Fachs Kunst­ge­schich­te ein­zu­set­zen.

In der zu­letzt dra­ma­tisch es­ka­lier­ten Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Prä­si­di­um springt un­ter­des­sen der UniAs­ta dem Kunst­his­to­ri­schen In­sti­tut und der Fach­schaft Kunst­ge­schich­te zur Sei­te. In ei­ner öf­fent­li­chen So­li­da­ri­täts­be­kun­dung der Stu­den­ten­ver­tre­tung heißt es: „Die Vor­ge­hens­wei­se des Prä­si­di­ums in die­ser Sa­che ist voll­kom­men in­ak­zep­ta­bel.“Be­trof­fe­ne, Gre­mi­en und an­de­re Be­tei­lig­te sei­en be­züg­lich der Schlie­ßung „vor voll­ende­te Tat­sa­chen ge­stellt“wor­den. Der As­ta for­de­re mit­hin „die Rück­nah­me der Ent­schei­dung“.

Vor die­sem Hin­ter­grund sieht sich die Uni­ver­si­tät Os­na­brück zu ei­ner Stel­lung­nah­me ver­an­lasst. Dar­in be­tont das Prä­si­di­um, dass we­der von ei­ner be­reits er­folg­ten Ent­schei­dung noch da­von ge­spro­chen wer­den kön­ne, die Fach­ver­tre­ter vor voll­ende­te Tat­sa­chen ge­stellt zu ha­ben. Au­ßer­dem ge­be es kei­ne Plä­ne, mit frei wer­den­den Mit­teln aus der Kunst­ge­schich­te die Na­tur­wis­sen­schaf­ten oder Rechts­wis­sen­schaf­ten stär­ken zu wol­len, ge­schwei­ge denn wei­te­re geis­tes­wis­sen­schaft­li­che In­sti­tu­te zu schlie­ßen oder den dor­ti­gen Per­so­nal­be­stand deut­lich zu re­du­zie­ren. Gleich­wohl ge­hö­re es zum Selbst­ver­ständ­nis der Uni­ver­si­tät, „stel­len­tech­ni­sche Gestal­tungs­spiel­räu­me“zu nut­zen, „um ein­zel­ne Fä­cher im Wett­be­werb bes­ser po­si­tio­nie­ren zu kön­nen“.

Die Über­le­gun­gen des Prä­si­di­ums zur Zu­kunft des Kunst­his­to­ri­schen In­sti­tuts sei­en al­so „struk­tu­rell mo­ti­viert“, heißt es. Ers­tens sei­en es die ein­zi­gen Res­sour­cen, die bis zum vor­ge­se­he­nen Aus­lau­fen des Fachs im Jahr 2024 über­haupt zur Ver­fü­gung ste­hen. Zwei­tens wür­den Fo­to: Micha­el Grün­del „die Leis­tungs- und Be­las­tungs­pa­ra­me­ter nicht die Un­ver­zicht­bar­keit des Fachs be­le­gen“. Was ge­nau das Prä­si­di­um da­mit meint, bleibt of­fen. Zah­len und Da­ten in die­sem Zu­sam­men­hang wür­den erst ver­öf­fent­licht, wenn sich die Gre­mi­en mit dem The­ma be­fas­sen – et­wa der Se­nat in sei­ner Sit­zung am 15. Fe­bru­ar.

On­li­ne-Pe­ti­ti­on ge­star­tet

Das Kunst­his­to­ri­sche In­sti­tut der Uni­ver­si­tät Os­na­brück hat der­weil am Don­ners­tag ei­ne On­li­ne-Pe­ti­ti­on ge­star­tet. Al­lein bis Frei­tag­nach­mit­tag wur­den auf der In­ter­net­platt­form Chan­ge.org be­reits über 1200 Un­ter­schrif­ten für den Er­halt der Ein­rich­tung ge­sam­melt. Geis­tes­wis­sen­schaft­ler in Auf­ruhr: Wei­te­re Be­rich­te und Hin­ter­grün­de zur ge­plan­ten Schlie­ßung des Os­na­brü­cker In­sti­tuts für Kunst­ge­schich­te auf noz.de/cam­pus

Die Uni Os­na­brück plant, al­le drei bis 2024 frei wer­den­den Pro­fes­so­ren­stel­len nicht neu zu be­set­zen. For­schung und Leh­re im Fach Kunst­ge­schich­te sol­len so ge­re­gelt aus­lau­fen.

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