Schlei­chen­der Ge­wöh­nungs­ef­fekt

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - EINBLICKE - Von Ma­ik Nol­te m.nol­te@noz.de

Wie­der ein An­schlag in ei­ner eu­ro­päi­schen Me­tro­po­le, wie­der an ei­nem be­leb­ten Ort – und wie­der gibt es die satt­sam be­kann­ten Tat­ort­fo­tos, die so ähn­lich schon zu­vor ge­le­se­nen Stim­mungs­bil­der, die üb­li­chen Re­ak­tio­nen. Hand aufs Herz: Nach dem An­griff in der Lon­do­ner U-Bahn sind ge­wis­se Er­mü­dungs­er­schei­nun­gen spür­bar – bei de­nen, die be­rich­ten, und bei de­nen, die die Be­rich­te le­sen, se­hen, hö­ren.

Es scheint, als sei der Punkt mitt­ler­wei­le er­reicht, den For­scher, Kom­men­ta­to­ren und Po­li­ti­ker in Ana­ly­sen und Re­den im­mer wie­der be­tont ha­ben: dass man sich letzt­lich dar­an ge­wöh­nen muss, mit Ter­ror­at­ta­cken zu le­ben. Die Ge­fahr ist all­ge­gen­wär­tig, aber das Le­ben muss wei­ter­ge­hen. Und wenn es kei­ne To­ten gibt, lässt sich um­so schnel­ler zur Ta­ges­ord­nung über­ge­hen.

Na­tür­lich ist es rich­tig, sein Le­ben – trotz der rea­len Ge­fahr – nicht der Ter­ror­angst un­ter­zu­ord­nen. Nur sind Ter­ror­an­schlä­ge nicht das­sel­be wie schlech­tes Wet­ter, das man ir­gend­wie hin­nimmt. In Lon­don hät­ten es statt 29 Ver­letz­ten auch 29 To­te sein kön­nen; und dass Le­ben und Tod vom Ge­schick ei­nes Hin­ter­hof-Bom­ben­bast­lers ab­hän­gen, dar­an kann und darf man sich nicht ge­wöh­nen. Zwar ist Hys­te­rie die fal­sche Ant­wort, Gleich­gül­tig­keit aber eben­so.

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