Wie füt­te­re ich rich­tig?

Fut­ter­stel­len in Gär­ten sel­ten sinn­voll – Na­bu: In wirk­li­chen Na­tur­schutz in­ves­tie­ren

Neue Osnabrucker Zeitung - Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, G - - SÜDKREIS - Von Kat­ja St­ein­kamp

Die Ta­ge wer­den wie­der kür­zer, der Herbst holt uns ein, und der Win­ter steht vor der Tür. Für die Tie­re be­deu­tet die­se Jah­res­zeit er­schwer­te Fut­ter­su­che. Vie­le Men­schen wol­len den Tie­ren mit Fut­ter­stel­len im Gar­ten hel­fen. Doch ist das wirk­lich rich­tig?

SÜD­KREIS. Wenn Leb­ku­chen und Weih­nachts­ge­bäck die Su­per­markt­re­ga­le fül­len, dann sta­peln sich nicht weit da­von auch Ber­ge mit Vo­gel­fut­ter und Mei­sen­knö­deln. Die Men­schen wol­len den Tie­ren im Gar­ten mit der Win­ter­füt­te­rung über die kal­te Jah­res­zeit hin­weg­hel­fen. Laut dem Na­tur­schutz­bund, kurz Na­bu, ge­ben die Deut­schen Jahr für Jahr rund 15 bis 20 Mil­lio­nen Eu­ro für Vo­gel­fut­ter aus. Die Win­ter­füt­te­rung sei ne­ben dem Auf­hän­gen von Nist­käs­ten die be­lieb­tes­te Form des Vo­gel­schut­zes.

Doch un­ter Vo­gel­freun­den wer­de die­ses The­ma um­strit­ten: Ist die Füt­te­rung von Wild­vö­geln wirk­lich not­wen­dig? Vie­le Tier­schüt­zer und Vo­gel­freun­de se­hen in der Füt­te­rung ei­ne Hil­fe, da­mit kein Vo­gel ver­hun­gern muss. An­de­re wie­der­um sa­gen, dass es kei­nen Sinn ma­che, und leh­nen je­de Form der Füt­te­rung ab. Ist das Geld bes­ser in Schutz­pro­jek­te in­ves­tiert? Win­ter­füt­te­rung und Na­tur­schutz sei­en zwei Paar Schu­he. Auch Andre­as Pe­ters, Vor­sit­zen­der des Na­bu Os­na­brück, ist der Mei­nung: „Füt­te­rung ist nicht nö­tig. Die Pro­ble­me lie­gen ganz wo­an­ders, näm­lich in aus­ge­räum­ten und tot ge­spritz­ten Land­schaf­ten, in de­nen die na­tür­li­chen Le­bens­grund­la­gen feh­len.“Das Geld, wel­ches für Fut­ter aus­ge­ge­ben wer­de, sei we­sent­lich bes­ser in wirk­li­chem Na­tur­schutz in­ves­tiert, wo es dar­um geht, Le­bens­räu­me zu schüt­zen und sie na­tur­nah wie­der­her­zu­stel­len, so Pe­ters. Vo­gel­füt­te­rung sei kein Na­tur­schutz. „Zu­dem wer­den un­se­re Win­ter im­mer mil­der. Wenn Füt­te­rung öko­lo­gisch über­haupt Sinn macht, dann nur bei län­ger an­hal­ten­den Mi­nus­tem­pe­ra­tu­ren und ge­schlos­se­ner Schnee­de­cke.“

Wer hei­mi­schen Tie­ren im Gar­ten et­was gu­tes tun will, sol­le sei­nen Gar­ten na­tur­nah gestal­ten und ih­nen da­durch ein Le­bens­raum­an­ge­bot bie­ten. Na­tür­li­che Fut­ter­quel­len wie ein­hei­mi­sche Sträu­cher ge­hör­ten da­zu: „Die in letz­ter Zeit in Mo­de ge­kom­me­nen Kies- und St­ein­wüs­ten, die mitt­ler­wei­le vie­le Vor­gär­ten zie­ren, sind wah­re To­des­zo­nen. Da ist ein auf­ge­stell­tes Fut­ter­häus­chen nur noch bit­te­re Iro­nie“, sagt Pe­ters. Die Füt­te­rung sol­le höchs­tens aus Um­welt­bil­dungs­ge­sichts­punk­ten da­zu die­nen, die ver­schie­de­nen Ar­ten bes­ser ken­nen­zu­ler­nen und bei­spiels­wei­se Kin­der an die Na­tur her­an­zu­füh­ren, sagt der Vor­sit­zen­de der Na­bu Os­na­brück. Nicht sel­ten we­cke der Spaß an dem Be­ob­ach­ten, dann auch das In­ter­es­se, selbst ak­tiv zu wer­den und sich im Na­tur­schutz zu en­ga­gie­ren. „Vie­le Men­schen ha­ben ein tie­fes Be­dürf­nis zu hel­fen. So ist der nächs­te Schritt oft der, den ei­ge­nen, häu­fig viel zu ein­tö­ni­gen Gar­ten nun auch vo­gel­freund­lich zu gestal­ten.“

Un­ter­su­chun­gen zei­gen: Die Vo­gel­füt­te­rung in Städ­ten und Dör­fern kommt et­wa 10 bis 15 Vo­gel­ar­ten zu­gu­te. Dies schreibt der Na­bu auf sei­ner In­ter­net­sei­te. Da­zu sol­len Mei­sen, Fin­ken, Rot­kehl­chen und Dros­seln ge­hö­ren. Die meis­ten von ih­nen hät­ten aber sta­bi­le oder wach­sen­de Po­pu­la­tio­nen. Kei­ne die­ser Ar­ten sei in ih­rem Be­stand ge­fähr­det. Da­durch er­rei­che das Füt­tern, von we­ni­gen Aus­nah­men ab­ge­se­hen, al­so nicht die Vö­gel, die im Mit­tel­punkt not­wen­di­ger Schutz­be­mü­hun­gen ste­hen soll­ten. Da­durch kön­ne die Win­ter­füt­te­rung zum Ar­ten­schutz al­so nur ei­nen klei­nen Bei­trag leis­ten.

Rich­tig be­trie­ben, sei die Win­ter­füt­te­rung Hil­fe und Na­tur­er­leb­nis zugleich. Sie sol­le auch ih­re Be­liebt­heit nicht ver­lie­ren. Über­se­hen wer­den dür­fe je­doch nicht, dass weit­rei­chen­de­re Maß­nah­men not­wen­dig sei­en, um den Rück­gang ge­fähr­de­ter Vo­gel­ar­ten zu stop­pen, so der Na­bu.

„Üb­ri­gens, wer Eich­hörn­chen nied­lich fin­det und die­se füt­tern will, der muss sich be­wusst sein, dass die­se hoch spe­zia­li­sier­te Ne­sträu­ber sind, die sehr ger­ne die Nes­ter der Sing­vö­gel aus­räu­bern, die man durch Füt­te­rung eben­falls un­ter­stüt­zen will. Das ist ihr na­tür­li­cher Job. Auch das ge­hört da­zu, so ist nun ein­mal die Na­tur“, er­klärt Pe­ters.

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Fo­to: Ro­land Weih­rauch/dpa

Ei­ne Blau­mei­se hält sich an ei­ner mit Vo­gel­fut­ter ge­füll­ten Ko­kos­nuss fest.

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