Ver­le­ger will „im­mer al­les neu den­ken“

„11 Freun­de“-Ma­cher Mat­thi­as Hörst­mann aus Mel­le ver­an­stal­tet auch „Melt“und „Lol­la­pa­loo­za“

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - RUND UM OSNABRÜCK - Von Micha­el Hen­ge­hold

„Im­mer al­les neu den­ken“– das so­ge­nann­te „Prin­zip der Ver­pup­pung“steht ganz oben bei Mat­thi­as Hörst­mann. Der Mel­ler, der heu­te in Köln lebt, ist ei­ner der ein­fluss­reichs­ten Pop­ma­cher in Deutsch­land, gibt das „In­tro“, „11 Freun­de“, „No Sports“und „Prai­se“her­aus, ver­an­stal­tet die Fes­ti­vals „Melt“, „Splash!“und „Lol­la­pa­loo­za“.

MEL­LE/KÖLN. Das wa­ren noch Zei­ten, als das „In­tro“auf ei­nem Bau­ern­hof in Dran­tum ent­stand; dort tra­fen sich ei­ni­ge lei­den­schaft­li­che Mu­sik­freun­de und -schrei­ber­lin­ge und bas­tel­ten im Ju­gend­zim­mer von Mat­thi­as Hörst­mann die ers­te Aus­ga­be zu­sam­men. Da­mals näch­tig­te nach ei­nem Kon­zert auch die le­gen­dä­re USCom­bo Mons­ter Ma­gnet – ziem­lich an­ge­brei­tet – auf dem Hörst­mann’ schen Bau­ern­hof, und Mat­thi­as‘ Va­ter plau­der­te – vom Soh­ne­mann über­setzt – up Platt mit Sän­ger Da­ve Wyn­dorf („Der Da­ve ist ein fei­ner Kerl, du.“).

Der „In­tro“-Um­zug nach Os­na­brück er­folg­te 1995; als auch die Ha­se­stadt nicht mehr reich­te, sie­del­te Hörst­mann das Ma­ga­zin 2000 in Köln an, nebst De­pen­dance in Ber­lin. Aus dem Gra­tisMu­sik­ma­ga­zin mit Schwer­punkt Al­ter­na­ti­ve/Un­der­ground, das heu­er 25-jäh­ri­ges Be­ste­hen fei­ert, ist mitt­ler­wei­le die HUG ent­stan­den, die Hörst­mann Un­ter­neh­mens­grup­pe, die die­ses Jahr ei­nen Um­satz von knapp 50 Mil­lio­nen Eu­ro an­peilt. Die Kurz­ver­si­on HUG lässt sich auf Englisch auch als „hug“le­sen (drü­cken/um­ar­men) – ty­pi­scher Hörst­mann-Hu­mor. Ge­schäfts­mann mit zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­um­sät­zen, aber im Her­zen im­mer noch ein Freak.

Tanz­flur-Fül­ler

Im De­zem­ber 1991 er­schien die ers­te „In­tro“-Aus­ga­be in ei­ner 3000-er-Auf­la­ge, Her­aus­ge­ber war zu­nächst Mar­tin Wüst, In­ha­ber der Kult­dis­co „Fiz Oblon“im Os­na­brü­cker Nord­kreis, der heu­te den „Ni­ze Club“in Os­na­brück be­treibt.

Im „Fiz“leg­te Hörst­mann auf, auch im „Hy­de Park“und „Works“in Os­na­brück so­wie im „Fo­rum En­ger“füll­te er die Tanz­flu­re. Grund­idee des „In­tro„ war „die De­mo­kra­ti­sie­rung des Tol­len“, und auch hier ist der Zwei­klang von „klas­se“und „ir­re“si­cher­lich be­wusst ge­wählt. Wo­mög­lich ma­chen ge­ra­de die­se Po­le den Weg des Dran­tu­mer Jun­gen zum ein­fluss­rei­chen Ver­le­ger und Fes­ti­val­ma­cher aus.

Eben­so klas­se wie ir­re war zum Bei­spiel die Idee, sich nicht mehr nur auf Mu­sik zu fo­kus­sie­ren, son­dern auch die an­de­re gro­ße Lei­den­schaft zu be­die­nen. Und so wur­de der FC-Köln-Fan Hörst­mann 2003 Her­aus­ge­ber von „Elf Freun­de“. Im­mer al­les neu den­ken eben: „Das ist ganz wich­tig für das ,In­tro‘ und al­les an­de­re auch.“Manch­mal muss man aber auch et­was zu En­de den­ken. Das „Frei­zeit­fuß­ball“-Ma­ga­zin „Bol­zen“wur­de 2009 nach fünf Jah­ren ein­ge­stellt. Da­für kam 2016 „Prai­se“hin­zu, ein Ma­ga­zin für die Snea­ker­und Street­ware-Sze­ne.

„Seit 25 Jah­ren ma­chen wir je­des Jahr et­was Neu­es“, sagt Hörst­mann im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on, „das heißt aber nicht, dass es so wei­ter­geht. Es gab und gibt kei­nen Mas­ter­plan, das hat sich al­les er­ge­ben. Aber wir sind seit Jah­ren am Peak, stimmt schon.“

„Sehr auf­re­gen­der Job“

„Am Peak“(Gip­fel/Spit­zen­be­las­tung) be­deu­tet für Mat­thi­as Hörst­mann ei­ne 60-St­un­den-Wo­che nebst Fa­mi­lie mit drei Kin­dern. „Ich bin so um 18 Uhr zu Hau­se und wenn die Kin­der im Bett sind, gibt es meis­tens noch mal ei­ne klei­ne Pha­se am Rech­ner.“Viel Ar­beit, we­nig Zeit für ei­nen Hug au­ßer­halb der HUG. Hörst­mann: „Ja, aber es ist ein sehr, sehr auf­re­gen­der Job. Ich sa­ge ja nicht, wie das schwer das al­les ist, son­dern wie groß das Pri­vi­leg ist, das ma­chen zu dür­fen.“

Zu be­wäl­ti­gen ist das al­les mit Lie­be, Lust und Lei­den­schaft, „die sind wei­ter­hin der Mo­tor, ganz klar“. Aber vor al­lem sei­en sei­ne Un­ter­neh­mun­gen „ein Mons­terKol­lek­tiv­ding. Ich weiß, das sagt je­der, aber hier ist es echt so.“

Gut, für Plat­ten­be­spre­chun­gen bleibt dem Herrn Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den kei­ne Zeit mehr, „aber ich lau­fe mit neu­em Zeug im­mer noch durchs Haus und be­geis­te­re die an­de­ren da­für“. Im Som­mer et­wa mit dem neu­en Al­bum von Ever­y­thing Ever­y­thing oder dem ex­zel­len­ten De­büt von Fa­ber. „Es hängt nicht mehr nur von mei­nem Tun ab, aber viel­leicht von mei­nem Mit­tun.“

Zu­künf­tig muss sich al­so er­wei­sen wie „im­mer neu den­ken“und „seit Jah­ren am Peak“zu­sam­men­pas­sen. „Als das Melt zum bes­ten Fes­ti­val in Eu­ro­pa ge­wählt wur­de, ha­be ich da ge­ses­sen und ge­dacht: Schei­ße, das muss man al­les an­ders ma­chen“. Nur wie? Mal schau­en, es gibt ja kei­nen Mas­ter­plan. Nur die Ziel­set­zung ist klar: „Ich möch­te nicht grö­ßer wer­den. Ich möch­te bes­ser wer­den.“Wie auch im­mer das aus­se­hen mag, es wird be­stimmt: an­ders.

Fo­to: Al­f­red Jan­sen

Viel be­schäf­tigt: Mat­thi­as Hörst­mann hat ei­ni­ge Pfei­le im Kö­cher.

Fo­to: In­tro

Ho­le zier­ten die ers­te „In­tro“-Aus­ga­be 1991.

Fo­to: Mo­ritz Fran­ken­berg

„Der Da­ve ist ein fei­ner Kerl, du“: Mas­ter­mind Da­ve Wyn­dorf (links) 2016 mit sei­ner Band Mons­ter Ma­gnet im Ro­sen­hof in Os­na­brück.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.