Auf­re­gung über Ka­me­ras auf dem Markt­platz

Über­wa­chung oder nicht? – Hit­zi­ge Dis­kus­si­on auf Face­book

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - RUND UM OSNABRÜCK - Von Kirs­ten Muck Fo­to: Sö­ren Maß­mann

Für Auf­re­gung und Dis­kus­sio­nen im Netz sorg­ten am Don­ners­tag zwei Ka­me­ras auf dem Mel­ler Markt­platz.

MEL­LE. Was für den Lai­en nach Über­wa­chung aus­sah, war ei­ne von der Stadt ge­plan­te Er­he­bung des Ver­kehrs auf dem Markt, weil dort die Ver­kehrs­füh­rung ge­än­dert wur­de. Am Don­ners­tag­mit­tag wur­den die bei­den Ka­me­ras in­stal­liert. Kurz dar­auf er­hitz­ten sich schon die Ge­mü­ter auf Face­book. Und kei­ne 24 St­un­den spä­ter wa­ren die Ka­me­ras auch schon wie­der ab­ge­baut.

Nach­dem Sö­ren Maß­mann, In­ha­ber des Zeit­schrif­ten­la­dens am Markt, auf Face­book Bil­der der Ka­me­ras ge­pos­tet hat­te, brach ein Sturm der Ent­rüs­tung los. „Un­fass­bar“, „Un­glaub­lich, was da vor sich geht“kom­men­tier­ten ei­ni­ge User den Vor­gang. Im Glau­ben, die Ka­me­ras sei­en zur Über­wa­chung der Bür­ger und aus Si­cher­heits­grün­den in­stal­liert wor­den, schrie­ben sich ei­ni­ge in Ra­ge dar­über, von der Stadt aus­ge­späht zu wer­den. An­de­re wie­der­um wa­ren der Mei­nung, die Si­cher­heit gin­ge schließ­lich vor. Und wer Über­wa­chung nicht wol­le, sol­le als Ers­tes mal sein Smart­pho­ne weg­schmei­ßen, mein­te ein User.

Den Kern des Pro­blems, das Sö­ren Maß­mann und an­de­re Ge­schäfts­leu­te rund um den Markt se­hen, ha­ben die meis­ten Face­book-User je­doch nicht er­kannt. Denn die In­stal­la­ti­on der Ka­me­ras ist ja nur ei­ne flan­kie­ren­de Maß­nah­me, die zu ei­nem viel grö­ße­ren Pro­jekt ge­hört: näm­lich der Um­ge­stal­tung des Markt­plat­zes. Und dar­an rei­ben sich die Ge­schäfts­leu­te. Sie sei­en ein­hel­lig der Mei­nung: ver­schö­nern ja, groß um­bau­en und Geld ver­sen­ken nein, stellt Maß­mann klar. Ei­gent­lich woll­ten die Kauf­leu­te die Stra­ße so be­hal­ten. Ihn är­ge­re, dass die Po­li­tik sagt, es müs­se et­was ge­tan wer­den, dass aber ei­ne Ent­schei­dung feh­le, was über­haupt ge­macht wer­den soll, so Maß­mann. Au­ßer­dem feh­len den Kauf­leu­ten die Park­plät­ze. „Wenn un­se­re Kun­den auf dem Markt nicht par­ken kön­nen, fah­ren sie wo­an­ders hin“, sagt Maß­mann.

Als dann am Don­ners­tag­mit­tag ein In­ge­nieur­bü­ro an­rück­te, um die Ka­me­ras zu in­stal­lie­ren, lief bei Maß­mann das Fass über. „An Plät­zen, wo ein Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al vor­han­den ist, wie an Bahn­hö­fen, da freue ich mich über Ka­me­ras. Aber hier?“, sagt Maß­mann. Er füh­le sich sehr un­wohl da­bei. „Man weiß nicht, was die Ka­me­ras auf­zeich­nen, wer die Bil­der sieht und wer sie aus­wer­tet.“

Doch schon Frei­tag­mor­gen muss­te Maß­mann fest­stel­len, dass die gan­ze Auf­re­gung viel­leicht um­sonst war. Denn als er sein Ge­schäft um 8.30 Uhr öff­ne­te, wa­ren die Ka­me­ras schon weg. Auf Nach­fra­ge bei der Stadt be­stä­tig­te der Spre­cher Jür­gen Krä­mer, dass die Ver­kehrs­zäh­lung eh nur für ei­nen Tag ge­plant war. Das In­ge­nieur­bü­ro ha­be der Stadt ver­si­chert, dass aus ver­kehrs­wis­sen­schaft­li­cher Sicht ein Tag und ei­ne Nacht für die Ver­kehrs­er­he­bung aus­rei­chend sei­en, um Rück­schlüs­se auf das Ver­kehrs­auf­kom­men zu zie­hen, er­läu­ter­te Stadt­bau­rat Hol­ger Clo­di­us. Die Bil­der sei­en so pi­xe­lig, dass man Per­so­nen oder Kenn­zei­chen nicht er­ken­nen kön­ne, be­ru­hig­te er. Nur Fahr­zeu­ge sei­en er­kenn­bar. Das Vor­ge­hen ver­sto­ße auch nicht ge­gen da­ten­schutz­recht­li­che Be­stim­mun­gen, sag­te Clo­di­us.

Die Aus­wer­tung der Bil­der über­nimmt das In­ge­nieur­bü­ro. Die Er­geb­nis­se sol­len in der nächs­ten Orts­rats­sit­zung vor­ge­stellt wer­den.

Der klei­ne schwar­ze Kas­ten un­ter den Lam­pen ist die Ka­me­ra.

Fo­to: Kirs­ten Muck

Die Ka­me­ra un­ter­halb der bei­den Lam­pen war am Frei­tag­mor­gen schon wie­der ver­schwun­den.

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