SPD ar­bei­tet Wahl­schlap­pe auf

Schulz ruft Ge­nos­sen zur Ge­schlos­sen­heit auf – Weil stärkt Par­tei­chef den Rü­cken

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - VORDERSEITE - Von Dirk Fis­ser (Mit dpa)

dpa HAM­BURG/LEIP­ZIG. Die SPD hat mit der Au­f­ar­bei­tung des De­ba­kels bei der Bun­des­tags­wahl be­gon­nen und da­bei Ge­schlos­sen­heit de­mons­triert – trotz kon­trä­rer Auf­fas­sun­gen über ih­ren künf­ti­gen Kurs. Zum Auf­takt ei­ner Rei­he von Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen mit der Par­tei­ba­sis hob SPD-Chef Mar­tin Schulz am Sams­tag in Ham­burg die Ge­mein­sam­kei­ten mit sei­nem Stell­ver­tre­ter Olaf Scholz her­vor. Die­ser hat­te am Vor­tag in ei­nem Pa­pier ei­ne „scho­nungs­lo­se Be­trach­tung der La­ge“ge­for­dert. Auch bei der zwei­ten Re­gio­nal­kon­fe­renz am Sonn­tag in Leip­zig rief Schulz zur Ei­nig­keit auf. Die Par­tei­ba­sis wol­le nicht, dass sich die SPD in Flü­gel­kämp­fen und Per­so­nal­strei­tig­kei­ten zer­le­ge. „Die Par­tei er­war­tet Zu­sam­men­halt“, be­ton­te er.

Schulz zog ei­ne po­si­ti­ve Bi­lanz der bei­den Kon­fe­ren­zen mit Par­tei­mit­glie­dern. Das Tref­fen in Ham­burg mit et­wa 700 Teil­neh­mern ha­be ge­zeigt, dass es in der SPD ei­nen or­ga­ni­sa­to­ri­schen und in­halt­li­chen In­put ge­be, „der uns al­le hoff­nungs­voll stimmt“, sag­te Schulz. Un­ter­stüt­zung be­kam der SPDChef aus Nie­der­sach­sen. Die nie­der­säch­si­sche SPD ste­he hin­ter Mar­tin Schulz und wer­de dies auch wei­ter­hin tun, be­ton­te Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil.

Die SPD hat mit der Au­f­ar­bei­tung der Schlap­pe bei der Bun­des­tags­wahl und der Dis­kus­si­on um die Neu­aus­rich­tung der Par­tei be­gon­nen. Ei­ner will da­bei ein ent­schei­den­des Wort mit­re­den: Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil.

AU­RICH/HAM­BURG. Wie genau die Ge­müts­la­ge der Ge­nos­sen in Ham­burg am Sams­tag war, lässt sich nur er­ah­nen. Denn die ers­te von acht Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen fand hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren statt. Die Par­tei­spit­ze um den Vor­sit­zen­den und ehe­ma­li­gen Kanz­ler­kan­di­da­ten Mar­tin Schulz stell­te sich rund 700 Mit­glie­dern aus Nord­deutsch­land, nach­dem die Par­tei am 24. Sep­tem­ber das bis­her schlech­tes­te Er­geb­nis bei ei­ner Bun­des­tags­wahl ein­ge­fah­ren hat­te.

Ei­ne Viel­falt von Vor­schlä­gen sei auf den Tisch ge­kom­men, sag­te Schulz im An­schluss. Sein Fa­zit: „Tol­ler Nach­mit­tag, der al­len Be­tei­lig­ten rich­tig Spaß ge­macht

hat.“Zu­vor hat­te Par­tei­vi­ze Olaf Scholz in ei­nem Pa­pier ei­ne „scho­nungs­lo­se Be­trach­tung der La­ge“ge­for­dert. Ob es da­zu kam, ist un­klar. Vie­le deu­te­ten das Scholz-Pa­pier als Kri­tik am Vor­sit­zen­den. Der be­ton­te nach der Sit­zung, an der auch der Ham­bur­ger Bür­ger­meis­ter teil­nahm: „Ent­ge­gen der land­läu­fi­gen Auf­fas­sung gibt es zwi­schen Olaf Scholz und mir in­halt­lich ei­gent­lich mehr Über­ein­stim­mun­gen als Dif­fe­ren­zen.“

Et­wa 160 Ki­lo­me­ter Luft­li­nie wei­ter im Wes­ten zeig­te sich zu glei­cher Zeit ei­ne ganz an­de­re SPD. „Es macht wie­der Spaß, So­zi­al­de­mo­krat zu sein“, sag­te ei­ner der Red­ner bei der Be­zirks­kon­fe­renz der SPD We­ser-Ems in Au­rich. Er schob hin­ter­her: „Zu­min­dest in Nie­der­sach­sen.“Der Mann, der so viel Freu­de un­ter den Ge­nos­sen ver­brei­tet, ist Ste­phan Weil. Je­weils mit ste­hen­dem Ap­plaus wur­de der Mann be­grüßt und ver­ab­schie­det, der drei Wo­chen

nach dem Wahl­de­ba­kel im Bund in Nie­der­sach­sen die Mehr­heit für sei­ne Par­tei bei der Land­tags­wahl hol­te.

Ent­spre­chend selbst­be­wusst for­mu­lier­te Weil, dass er beim Er­neue­rungs­pro­zess ei­ne ent­schei­den­de Rol­le spie­len und die­sen An­spruch in der Bun­des-SPD „mit der ty­pisch nie­der­säch­si­schen Be­schei­den­heit“auch durch­set­zen wol­le. Der Mi­nis­ter­prä­si­dent nann­te sei­nen volks­na­hen Land­tags­wahl­kampf als vor­bild­lich für die Neu­aus­rich­tung der SPD. „Wir müs­sen uns selbst als Teil die­ser Ge­sell­schaft ver­ste­hen und auch so prä­sen­tie­ren“, sag­te der Mi­nis­ter­prä­si­dent. Von Nie­der­sach­sen aus wer­de man zei­gen, wie fest ver­an­kert ei­ne so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Volks­par­tei in der Ge­sell­schaft sein kön­ne.

Auf den Par­tei­vor­sit­zen­den Schulz ließ Weil nichts kom­men. Die nie­der­säch­si­sche SPD steht hin­ter Mar­tin Schulz und wird ihn wei­ter un­ter­stüt­zen“, so der Mi­nis­ter­prä­si­dent, der klar­stell­te: „Ich bin nicht be­reit, die um­fas­sen­de Pro­ble­ma­tik die­ser Wahl­nie­der­la­ge ein­zig und al­lein an der Per­son des Par­tei­vor­sit­zen­den fest­zu­ma­chen.“

Ge­trübt wird die Lau­ne der Ge­nos­sen in Nie­der­sach­sen al­lein von der Aus­sicht auf ei­ne Gro­ße Ko­ali­ti­on mit dem Ju­ni­or­part­ner CDU. „Der Ge­dan­ke löst bei vie­len von euch Schluck­auf aus – bei mir auch“, sag­te Weil. Die Wäh­ler hät­ten die SPD aber be­auf­tragt, ei­ne star­ke Re­gie­rung zu bil­den. Dem Auf­trag müs­se man nun Fol­ge leis­ten. Weil es zu ei­ner rot-grü­nen Ko­ali­ti­on nicht rei­che, die FDP sich ge­gen ein Drei­er­Bünd­nis sper­re und er nicht ge­nug „Zo­cker“für ei­ne Min­der­hei­ten-Re­gie­rung sei, blie­be nur die Uni­on, sag­te der Lan­des­vor­sit­zen­de. Für et­wai­ge Ver­hand­lun­gen gel­te: „Es muss uns vor gar nichts ban­ge sein“, so Weil. Die SPD ha­be nach dem über­ra­schend deut­li­chen Wahl­sieg „Grund zu Selbst­be­wusst­sein und üb­ri­gens auch Selbst­ach­tung“.

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