Die Tra­gö­die wie­der­holt sich als Far­ce

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - POLITIK - Von Mar­kus Pöhl­king m.po­ehl­king@noz.de

Dem ka­ta­la­ni­schen Un­ab­hän­gig­keits­pro­jekt droht das En­de, be­vor es über­haupt kla­re For­men an­ge­nom­men hat. Seit der Ent­mach­tung der Re­gio­nal­re­gie­rung durch Ma­drid blieb es in Bar­ce­lo­na ru­hig. Le­dig­lich Geg­ner der Ab­spal­tung gin­gen auf die Stra­ße. Ka­ta­lo­ni­ens ab­ge­setz­ter Re­gio­nal­prä­si­dent Pu­ig­de­mont wähnt sich zwar wei­ter­hin als Kopf ei­nes neu­en Staa­tes. Der Ver­such sei­ner Staats­grün­dung wirkt aber im­mer kopf­lo­ser.

Ma­drid da­ge­gen zeigt end­lich An­sät­ze von Ver- nunft. Die An­ord­nung bal­di­ger Neu­wah­len ist ein mu­ti­ges Zu­ge­ständ­nis an die Ka­ta­la­nen. Na­tür­lich, sie ist auch ein klu­ger Schach­zug: Stel­len sich näm­lich die Se­pa­ra­tis­ten zur Wahl, kä­me das dem Ein­ge­ständ­nis gleich, bis da­to eben nicht un­ab­hän­gig ge­we­sen zu sein. Boy­kot­tie­ren sie das Vo­tum, blei­ben ih­re Po­si­tio­nen im neu­en Par­la­ment au­ßen vor. Der Kon­flikt birgt wei­ter­hin Spreng­stoff. Ak­tu­ell sind die Se­pa­ra­tis­ten aber in der De­fen­si­ve – zu­mal sie of­fen­bar an Zu­stim­mung ver­lie­ren. Mit na­tio­na­ler Folk­lo­re, Re­vo­lu­ti­ons­ro­man­tik und der Dä­mo­ni­sie­rung des ver­meint­lich „fa­schis­ti­schen“Ma­drids kann man Emo­tio­nen schü­ren, aber eben kei­nen Staat ma­chen. 1939, als Bar­ce­lo­na tat­säch­lich von Fa­schis­ten aus Ma­drid er­obert wur­de, war das ei­ne Tra­gö­die. Im Jahr 2017 wie­der­holt sich der ka­ta­la­ni­sche Un­ab­hän­gig­keits­kampf als Far­ce.

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