„Fut­ter­pflan­zen sind Ba­sis“

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - DIALOG -

Zum Le­ser­brief von Prof. Dr. Her­bert Zuc­chi „Wer ist schuld am In­sek­tenster­ben?“(Aus­ga­be vom 24. Ok­to­ber) mit Be­zug auf den Ar­ti­kel „In­sek­ten­schwund im­mer dra­ma­ti­scher“(Aus­ga­be vom 19. Ok­to­ber).

„Herr Prof. Dr. Zuc­chi hat mit sei­nem Le­ser­brief völ­lig recht, und ich kann aus ei­ge­ner Er­fah­rung al­les un­ter­stüt­zen.

Als Fel­dor­ni­tho­lo­gen be­fas­sen wir uns mit der Er­fas­sung von Vo­gel­po­pu­la­tio­nen, um Trends zu er­for­schen. Hier­zu wer­den wis­sen­schaft­li­che Me­tho­den und Stan­dards an­ge­wen­det, die auf Pro­be­flä­chen für ein­zel­ne Ar­ten fest­ge­legt sind.

Seit vie­len Jah­ren ge­hen ei­ni­ge Ar­ten ra­sant zu­rück, dies sind vor al­lem auch Klein­vö­gel und hier be­son­ders die In­sek­ten­fres­ser, hier sind als Bei­spiel Mei­sen, Nach­ti­gall und so wei­ter zu nen­nen. Als Haupt­grund für den Schwund ist mit 60 Pro­zent die Zer­stö­rung des Le­bens­rau­mes zu nen­nen, der sich im Ab­hol­zen von Baum- und Strauch­be­stän­den zeigt und vor al­lem in der völ­lig ver­än­der­ten Land­wirt­schaft durch Mo­no­kul­tu­ren und Che­mie­ein­satz.

Der ho­he Ein­satz von Pflan­zen­gif­ten, was man zur­zeit wie­der als tot­ge­spritz­te Acker­flä­chen be­wun­dern kann (Gly­pho­sat­ein­satz), hat da­zu ge­führt, dass der Ar­ten­schwund ra­sant zu­ge­nom­men hat; hier hat man ein exis­ten­zi­el­les Na­tur­ge­setz schlicht igno­riert.

Zur Er­in­ne­rung: Vö­gel sind idea­le Bio­in­di­ka­to­ren, weil sie gut zu er­fas­sen sind. Wenn ei­ne Vo­gel­art aus­stirbt, tut sie das nicht al­lein, un­be­merkt ver­schwin­den gleich­zei­tig 90 In­sek­ten­ar­ten, 35 Plan­zen­ar­ten, zwei Fi­sch­ar­ten, bei zwei Vo­gel­ar­ten stirbt auch ei­ne Säu­ge­tier­art aus, was be­deu­tet, dass es uns ei­nes Ta­ges trifft.

Um was für ein Na­tur­ge­setz han­delt es sich? Es ist das Ge­setz der Nah­rungs­ket­te. Die­se be­steht aus den Pro­du­zen­ten (aus­schließ­lich Pflan­zen) und Pri­mär­kon­su­men­ten (un­ter an­de­rem In­sek­ten) und Se­kun­där­kon­su­men­ten (un­ter an­de­rem Vö­gel).

Die Ba­sis sind al­so die Fut­ter­pflan­zen der Pri­mär­kon­su­men­ten. Wenn hier schon so mas­siv ein­ge­grif­fen wird, ist der jet­zi­ge Zu­stand des Ar­ten­in­ven­tars die lo­gi­sche Fol­ge.“

Ul­rich Ste­fe­ner Mel­le

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