FERN­SE­HEN

Zum En­de des Re­for­ma­ti­ons­jah­res ist das ZDF dran – Dra­men, Fest­akt und Pop-Ora­to­ri­um

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - VORDERSEITE - Von Su­san­ne Ha­ver­kamp

Ge­fahr: Dia­bo­lik! Ein Su­per­schur­ke be­droht die Po­li­zei. Die vier Fil­me von Ma­rio Ba­va aus den 60ern und 70ern sind Kult.

Ar­te, Mon­tag, 21.40 Uhr

Zum Ab­schluss des evan­ge­li­schen Fei­er­jah­res am mor­gi­gen Re­for­ma­ti­ons­tag le­gen sich die öf­fent­lich-recht­li­chen Pro­gram­me noch ein­mal rich­tig ins Zeug. Lu­ther wo­hin man schaut. Und über­haupt ha­ben sie sich das Jahr ei­ni­ges kos­ten las­sen.

OS­NA­BRÜCK. Wer sich im­mer schon ge­fragt hat, wo­für man das öf­fent­lich-recht­li­che Fern­se­hen braucht: für Jah­re wie die­se. Das Fest­jahr zu „500 Jah­re Re­for­ma­ti­on“ging an den pri­va­ten Fern­seh­sen­dern qua­si spur­los vor­bei, ARD und ZDF da­ge­gen mit ih­ren Er­gän­zun­gen wie Ar­te, 3sat, Phoenix oder Kika ha­ben sich rich­tig rein­ge­hängt.

Al­len vor­an der MDR, his­to­risch be­trach­tet der Sen­der für das tiefs­te Lu­ther­land, re­li­gi­ons­so­zio­lo­gisch be­trach­tet der Sen­der für das tiefs­te Hei­den­land. Trotz­dem hat der MDR in die­sem Jahr nicht nur Groß­er­eig­nis­se fe­der­füh­rend über­tra­gen und mit „Kat­ha­ri­na Lu­ther“ei­nen abend­fül­len­den Spiel­film bei­ge­steu­ert. Vor al­lem prä­sen­tiert er das Lu­ther­jahr im In­ter­net. Auf der ei­gens ein­ge­rich­te­ten Sei­te www.mdr.de/re­for­ma­ti­on500 bleibt kei­ne Fra­ge of­fen.

Egal ob Wis­sen­schaft­li­chHis­to­ri­sches über Lu­ther und sei­ne Zeit oder ak­tu­el­le Ver­an­stal­tun­gen, In­ter­views mit Pro­mi­nen­ten über Glau­be und Kir­che oder kri­ti­sch­jour­na­lis­ti­sche Bi­lan­zie­run­gen, Kurioses oder Wit­zi­ges – es gibt nichts, was es nicht gibt, und wer sich für das The­ma in­ter­es­siert, kann leicht St­un­den auf dem Por­tal ver­brin­gen.

Die ARD hat ih­re Re­for­ma­ti­ons­the­men an die­sem Fei­er­tag in die Lan­des- und Spar­ten­pro­gram­me ver­bannt, in der Re­gel mit Wie­der­ho­lun­gen der schon be­kann­ten Do­ku­men­ta­tio­nen; auch der Spiel­film „Kat­ha­ri­na Lu­ther“läuft noch ein­mal im Abend­pro­gramm des Bay­ri­schen Rund­funks. Ein­zig der gro­ße Fest­got­tes­dienst aus der be­rühm­ten Schloss­kir­che zu Wit­ten­berg wird mor­gen um 15 Uhr im Ers­ten über­tra­gen. An­sons­ten ist zum Fi­na­le das ZDF dran. Und 3sat, das den gan­zen Re­for­ma­ti­ons­tag lang prak­tisch nur Lu­ther und sei­ne Zeit sen­det. Und abends den „Na­men der Ro­se“.

Heu­te, am Vor­abend, muss man rich­tig viel Zeit mit­brin­gen. Fast drei St­un­den dau­ert im Haupt­abend­pro­gramm des ZDF der Spiel­film „Zwi­schen Him­mel und Höl­le“mit Ma­xi­mi­li­an Brück­ner als Mar­tin Lu­ther und auch in den Ne­ben­rol­len noch gut be­setzt, et­wa durch Joa­chim Król als Erz­bi­schof Al­brecht, Ar­min Roh­de als gei­fern­der Ablass­pre­di­ger Hart­mann oder Chris­toph Ma­ria Herbst als Ma­ler Lu­cas Cra­nach. Ob sich die drei St­un­den loh­nen, ist den­noch die Fra­ge. Ja, wenn Sie Lu­ther im Matsch Hand­ball spie­len oder ei­ne sa­dis­ti­sche Non­ne bei ei­ner bru­ta­len Teu­fels­aus­trei­bung se­hen wol­len. Er­kennt­nis­ge­winn gibt es je­doch nicht und gu­te Un­ter­hal­tung nur, wenn man die­se Art von ein­sei­ti­ger Ge­schichts­dar­stel­lung für un­ter­halt­sam hält.

Deut­lich bes­ser ist das Dokudrama „Das Lu­ther-Tri­bu­nal“ am mor­gi­gen Re­for­ma­ti­ons­tag. Es spielt aus­schließ­lich in den zehn Ta­gen im April 1521, als Mar­tin Lu­ther (Ro­man Kniž­ka) auf dem Reichs­tag zu Worms sei­ne The­sen ver­tei­digt. Die Fron­ten sind klar: Der rö­mi­sche Ab­ge­sand­te möch­te Lu­ther ver­ur­teilt wis­sen, sein Lan­des­herr Fried­rich von Sach­sen (Bernd Ste­ge­mann) möch­te ihn ret­ten, und der jun­ge Kai­ser Karl V. (Ma­teusz Do­pie­ral­ski) sitzt auf sei­nem Thron zwi­schen al­len Stüh­len.

Der Film ist we­sent­lich mehr Dra­ma als Do­ku­men­ta­ti­on, nur ganz sel­ten kom­men Ex­per­ten zu Wort oder gibt es er­läu­tern­de Kom­men­ta­re; meist wähnt man sich in ei­nem Spiel­film. Doch das ist kein Scha­den. Auch wenn der Film we­ni­ger pro­mi­nent be­setzt und we­ni­ger auf­wen­dig pro­du­ziert ist: Se­hens­wer­ter ist er al­le­mal.

Wer es hin­ge­gen we­ni­ger fik­tio­nal mag, der sei auf zwei Fest­ak­te ganz un­ter­schied­li­cher Art hin­ge­wie­sen. Staats­tra­gend wird es am Re­for­ma­ti­ons­tag um 17 Uhr, wenn der of­fi­zi­el­le Fest­akt aus Wit­ten­berg über­tra­gen wird, die Fe­st­re­de hält Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, be­kannt­lich evan­ge­li­sche Pfar­rers­toch­ter und als sol­che qua­li­fi­ziert.

Un­ter­halt­sa­mer dürf­te es da­ge­gen um 22 Uhr zu­ge­hen, wenn Eck­hard von Hirsch­hau­sen – sei­nes Zei­chens of­fi­zi­el­ler Re­for­ma­ti­ons­bot­schaf­ter – das „Pro­jekt der 1000 Stim­men“mo­de­riert. Im Mit­tel­punkt der Live-Ver­an­stal­tung aus der Ber­li­ner Mer­ce­des-Benz-Are­na mit Chö­ren aus ganz Deutsch­land steht das stimm­ge­wal­ti­ge Pop-Ora­to­ri­um „Lu­ther“, das schon seit ei­ni­ger Zeit durch Deutsch­land tourt. Und wenn das dann auch vor­bei ist, muss Lu­ther im Fern­se­hen erst mal ei­ne gan­ze Wei­le schwei­gen. Nicht nur im ZDF.

Spiel­film „Zwi­schen Him­mel und Höl­le“, heu­te 20.15 Uhr, ZDF.

Dokudrama „Das Lu­ther-Tri­bu­nal“. Di., 20.15 Uhr, ZDF.

Mehr zur Re­for­ma­ti­on und Lu­ther im TV fin­den Sie un­ter noz.de/me­di­en

Fo­to: Har­dy Brack­mann/ZDF/dpa

Pro­mi­nent be­setzt: Der im ZDF aus­ge­strahl­te Film „Zwi­schen Him­mel und Höl­le“zeigt Mar­tin Lu­ther (ge­spielt von Ma­xi­mi­li­an Brück­ner), der das Neue Tes­ta­ment über­setzt.

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