Ger­ry We­ber kommt nicht aus der Kri­se

Mo­de­kon­zern kor­ri­giert Um­satz und Ge­winn nach un­ten und kün­digt Stel­len­ab­bau an

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - VORDERSEITE - Von Ni­na Kall­mei­er

HAL­LE Der Mo­de­kon­zern Ger­ry We­ber hat sei­ne Um­sat­zund Ge­winn­erwar­tun­gen für das lau­fen­de Ge­schäfts­jahr nach un­ten kor­ri­giert. Um wie­der auf die Er­folgs­spur zu­rück­zu­kom­men, wer­den auch Stel­len in der Zen­tra­le und der Lo­gis­tik ge­stri­chen.

Der Hal­ler Mo­de­kon­zern Ger­ry We­ber kommt aus der Ab­wärts­spi­ra­le nicht her­aus und kor­ri­giert sei­ne Um­satz- und Ge­winn­erwar­tun­gen deut­lich nach un­ten. In der Zen­tra­le und der Lo­gis­tik sol­len in den nächs­ten zwei Jah­ren bis zu 150 Stel­len ab­ge­baut wer­den.

HAL­LE/OSNABRÜCK Der Hal­ler Mo­de­kon­zern Ger­ry We­ber steckt wei­ter in der Kri­se. Nach­dem Vor­stands­chef Ralf We­ber schon im Fe­bru­ar ei­nen Kon­zern­fehl­be­trag in Hö­he von 800 000 Eu­ro für das ab­ge­lau­fe­ne Ge­schäfts­jahr ver­kün­den muss­te, wird nun die Pro­gno­se für das lau­fen­de Jahr nach un­ten kor­ri­giert. Statt Um­sät­ze zwi­schen 870 und 890 Mil­lio­nen Eu­ro er­war­tet Ger­ry We­ber nur noch 830 bis 840 Mil­lio­nen. Statt ei­nes Kon­zern­er­geb­nis­ses vor Zins und Steu­er (Ebit) zwi­schen 10 und 20 Mil­li­on lau­tet die Pro­gno­se nun: Null­run­de oder 10 Mil­lio­nen mi­nus. Es brau­che ei­nen tief grei­fen­den Wan­del, und man müs­se „fun­da­men­tal ge­gen­steu­ern“, sag­te Ralf We­ber in der Bi­lanz­kon­fe­renz um Ger­ry We­ber wie­der zu­rück in die Er­folgs­spur zu brin­gen.

Wie zu Be­ginn des Jah­res an­ge­kün­digt, soll nun ein neu­es Per­for­mance-Pro­gramm hel­fen. Da­zu ge­hört ein wei­te­rer Stel­len­ab­bau: 140 bis 150 Voll­zeit­stel­len wer­den in den nächs­ten zwei Jah­ren in der Zen­tra­le und der Lo­gis­tik ge­stri­chen. Für die Mit­ar­bei­ter am Fir­men­sitz be­deu­tet dies, dass zwar die Kom­pe­tenz für Schnit­te und Pass­for­men in Hal­le blei­ben soll, je­doch an­de­re Aspek­te der pas­si­ven Lohn­ver­ede­lung bis 2020 wei­ter an stra­te­gi­sche Part­ner aus­ge­la­gert wer­den, er­klär­te Kon­zern­chef We­ber. Das be­tref­fe un­ter an­de­rem Pro­duk­ti­on und Tech­nik. „Da­durch wer­den die Struk­tu­ren in Hal­le ent­las­tet“, so Di­gi­tal­vor­stand Jo­han­nes Eh­ling. Ein wei­te­res Pro­gramm zur Fi­li­al­schlie­ßung sei nicht ge­plant. „Wir be­hal­ten uns je­doch vor, aus­lau­fen­de Miet­ver­trä­ge nicht zu ver­län­gern“, so Eh­ling. Durch Per­so­nalund Sach­kos­ten­ein­spa­run­gen ver­spricht sich das Un­ter­neh­men Ein­spa­run­gen von 13 bis 15 Mil­lio­nen Eu­ro.

In­ter­na­tio­nal will sich die Grup­pe künf­tig auf gro­ße und pro­fi­ta­ble Wachs­tums­märk­te kon­zen­trie­ren. Laut Ralf We­ber sind das vor al­lem Ost­eu­ro­pa und Russ­land so­wie Eu­ro­pa und Midd­le East. Aus ei­nem Markt zu­rück­zie­hen wer­de man sich nicht, be­ton­te der Kon­zern­chef.

Eben­falls die Wen­de brin­gen soll ei­ne Fo­kus­sie­rung auf Di­gi­ta­li­sie­rung und ei­ne um­fas­sen­de Om­nichan­nel-Stra­te­gie. Die Online-Um­sät­ze der Kern­mar­ken ent­wi­ckel­ten sich be­reits im ers­ten Halb­jahr po­si­tiv und ver­zeich­ne­ten 14,9 Mil­lio­nen Eu­ro. Fast eben­so hoch la­gen die Um­sät­ze der Münch­ner Toch­ter Hall­hu­ber, die sich ins­ge­samt im ers­ten Halb­jahr po­si­tiv ent­wi­ckel­te.

Die Schlie­ßung des On­li­ne­shops Gr8t­frul sah Ralf We­ber nicht im Kon­flikt mit die­ser Stra­te­gie. „Die Ent­wick­lung des Shops ha­ben wir vor rund ei­nem Jahr ge­star­tet und nun je­doch ent­schie­den, uns auf die be­ste­hen­den Mar­ken zu kon­zen­trie­ren.“Der Web­shop soll ab Herbst von der be­ste­hen­den Mar­ke „Talk­about“ge­nutzt wer­den. Um Kol­lek­tio­nen nä­her am Kun­den aus­zu­rich­ten, sol­len zu­dem Be­fra­gun­gen hel­fen.

Trotz der Rück­schlä­ge bleibt die Ger­ry-We­ber-Spit­ze für die Zu­kunft op­ti­mis­tisch und strebt an, durch die Um­set­zung der Maß­nah­men die Um­satz­er­lö­se in den kom­men­den drei bis fünf Jah­ren „deut­lich und stär­ker als der Markt zu stei­gern“. Be­reits im kom­men­den Jahr soll das Er­geb­nis un­term Strich wie­der po­si­tiv sein, stell­te Fi­nanz­chef St­über in Aus­sicht.

Mehr zur Ent­wick­lung der Tex­til­in­dus­trie auf noz.de/wirt­schaft

Foto: dpa/Horst Os­sin­ger

Das Hal­ler Un­ter­neh­men Ger­ry We­ber ist noch nicht auf Kurs. Um an al­te Er­fol­ge an­zu­knüp­fen, hat der Vor­stand ein neu­es Stra­te­gie­pro­gramm ver­kün­det.

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