Eu­ro­pas Wäh­rungs­hü­ter kün­di­gen En­de der Geld­flut an

EZB will An­lei­he­käu­fe zum Jah­res­en­de ein­stel­len / Zins­er­hö­hun­gen nicht vor Mit­te kom­men­den Jah­res

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - WIRTSCHAFT - Von Manuel Glas­fort (Mit dpa)

FRANKFURT Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) stellt ein En­de ih­rer mil­li­ar­den­schwe­ren An­lei­he­käu­fe zum Jah­res­en­de 2018 in Aus­sicht. Ab Ok­to­ber will die No­ten­bank das Vo­lu­men der mo­nat­li­chen Käu­fe zu­nächst von der­zeit 30 Mil­li­ar­den Eu­ro auf 15 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­rin­gern. En­de De­zem­ber könn­te das Pro­gramm dann aus­lau­fen. Das be­schloss der EZB-Rat am Don­ners­tag.

Mit die­ser Ent­schei­dung stie­ßen die Wäh­rungs­hü­ter nach Jah­ren im Kri­sen­mo­dus das Tor zu ei­ner Nor­ma­li­sie­rung der Geld­po­li­tik weit auf. Der EZB-Rat tag­te aus­nahms­wei­se nicht in Frankfurt, son­dern in der let­ti­schen Haupt­stadt Riga.

Den Leit­zins im Eu­ro­raum be­ließ das obers­te Ent­schei­dungs­gre­mi­um der EZB wie er­war­tet auf dem Re­kord­tief von null Pro­zent. Spa­rer müs­sen sich so­mit ge­dul­den. Zu­dem müs­sen Ge­schäfts­ban­ken, die Geld bei der EZB par­ken, da­für wei­ter­hin 0,4 Pro­zent Straf­zin­sen zah­len. Das Zins­ni­veau dürf­te sich nach Ein­schät­zung der Wäh­rungs­hü­ter bis min­des­tens Som­mer 2019 nicht än­dern.

Für De­ka-Chef­volks­wirt Ul­rich Ka­ter ist klar: „Ehe die ers­te Zins­er­hö­hung auf dem Spar­buch an­kommt, wer­den min­des­tens noch zwei Jah­re ver­ge­hen. Denn die ers­te Zins­er­hö­hung im kom­men­den Jahr wird nur den Ein­la­gen­zins be­tref­fen, den die Ban­ken an die EZB be­zah­len“, sag­te der Öko­nom im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. „Für die Spa­rer heißt das, dass auf ab­seh­ba­re Zeit Spar­ein­la­gen wei­ter an Kauf­kraft ver­lie­ren wer­den.“

Ka­ter ist von der An­kün­di­gung der Wäh­rungs­hü­ter nicht über­rascht. „Das En­de der An­lei­he­käu­fe war von al­len Be­ob­ach­tern er­war­tet wor­den. Nur die An­kün­di­gung war ei­ne Fra­ge des Zeit­punkts.“

Ge­ra­de aus Deutsch­land gibt es im­mer wie­der Kri­tik an der ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik der EZB und For­de­run­gen nach ei­ner ra­schen Zins­wen­de. Ka­ter gibt zu be­den­ken: „An­ge­sichts der In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen kann man der EZB hier nichts vor­wer­fen. Es gibt star­ke Par­al­le­len zu dem, was in Ame­ri­ka vor drei Jah­ren ge­sche­hen ist: Es wird ei­ne sehr, sehr lang ge­streck­te Zins­wen­de.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.