Der Prä­si­dent sagt: So sollt ihr wei­ter­ma­chen

Kopf­ball­star­ke und fit­te Rus­sen über­rol­len Sau­di-Ara­bi­en – Trai­ner er­hält An­ruf in der Pres­se­kon­fe­renz

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - DIALOG - Von Ben­ja­min Kraus

Als Ro­man Zob­nin in der Nach­spiel­zeit den 21-Me­ter-Frei­stoß zum 5:0 ge­gen Sau­di-Ara­bi­en in die kur­ze Tor­ecke zir­kel­te, konn­ten die rus­si­schen Zu­schau­er auf der Tri­bü­ne ihr Glück nicht mehr fas­sen: Un­gläu­big und zu­gleich freu­de­strah­lend blick­ten sie sich an, be­vor sie sich um den Hals fie­len – sie hät­ten auch die gan­ze Welt um­armt.

MOS­KAU Das For­mat Er­öff­nungs­spiel stand bis­her eher für de­fen­si­ves Ball­ge­schie­be, für Kampf und Krampf, für tak­ti­sche Prä­gung. Die Rus­sen ha­ben es ges­tern re­vo­lu­tio­niert – mit ei­nem Kan­ter­sieg, den kei­ner der Num­mer 70 der Welt­rang­lis­te zu­ge­traut hät­te. „Da­bei ha­ben sie nur das durch­ge­zo­gen, was sie sonst auch tun: Dia­go­nal­bäl­le, ho­he Flan­ken, Kopf­bal­lund Zwei­kampf­stär­ke ein­set­zen“, sag­te Juan An­to­nio Piz­zi als Coach der un­ter die Rä­der ge­kom­me­nen Ara­ber. „Da hat er aber un­se­re Dis­zi­pli­niert­heit und Kom­pakt­heit ver­ges­sen“, ent­geg­ne­te ihm Russ­land-Trai­ner Sta­nis­lav Tschertsches­sov spä­ter. Der Ex-Tor­hü­ter von Dy­na­mo Dres­den lob­te, dass sei­ne Elf trotz des im­men­sen Drucks zum Tur­nier­auf­takt so ru­hig ge­spielt ha­be.

Das stimmt, wo­bei der rus­si­schen Elf die Ner­vo­si­tät zu Be­ginn schon an­zu­mer­ken war. Sau­di-Ara­bi­en wirk­te vom Start weg vor al­lem auf en­ge­rem Raum wen­di­ger und pass­si­che­rer – aber auch ver­spiel­ter und zu we­nig ziel­stre­big zum geg­ne­ri­schen Tor.

Ganz an­ders die Rus­sen: Sie schlu­gen mit der ers­ten Chan­ce so­fort zu, als Ju­ry Ga­zins­ky ei­ne lan­ge Flan­ke von Jung­star Alex­an­der Go­lo­vin mit dem Kopf an Sau­di-Kee­per Ab­dul­lah Al­muaouf vor­bei in die Ma­schen drück­te. Es folg­te ein Ju­bel­or­kan von der Tri­bü­ne: Die mit 78011 Zu­schau­ern aus­ver­kauf­te Are­na mit den eng am Feld ste­hen­den, steil auf­ra­gen­den Tri­bü­nen ent­fal­te­te ih­re Macht – die rus­si­schen Fuß­bal­ler wirk­ten ab so­fort al­le ei­nen hal­ben Me­ter grö­ßer, was die Ara­ber sicht­lich be­ein­druck­te.

Psy­cho­lo­gisch wich­tig war der Zeit­punkt des zwei­ten Tref­fers. Ihn er­ziel­te kurz vor der Pau­se De­nis Che­ry­s­hev, der zu­vor nach dem ver­let­zungs­be­ding­ten Aus­schei­den von Alan Dza­goev in die Par­tie ge­kom­men war: Nach ei­ner Fin­te auf engs­tem Raum ge­gen zwei grät­schen­de Ara­ber und mit ent­schlos­se­nem Ab­schluss ins kur­ze Eck. Der Mit­tel­feld­mann des FC Vil­lar­re­al, der zum 4:0 noch­mal se­hens­wert per Au­ßen­rist traf und zum „Man of the Match“ge­wählt wur­de, sag­te zu sei­nem ers­ten Tor: „Ich konn­te den nur so ma­chen, weil das Zu­spiel auf mich ein we­nig kurz war.“

Als er sprach, war sein Coach Tschertsches­sov ge­ra­de te­le­fo­nie­rend vom Po­di­um der Pres­se­kon­fe­renz ver­schwun­den. „Pu­tin hat­te an­ge­ru­fen“, ent­schul­dig­te sich der Coach nach sei­ner Rück­kehr und er­gänz­te: „Er hat mir und den Jungs gra­tu­liert und gesagt, dass wir so wei­ter­ma­chen sol­len.“Ob er den Trai­ner auch zu sei­nem rich­ti­gen Händ­chen be­glück­wünscht hat, blieb of­fen – Fakt ist, dass Tschertsches­sov auch den Schüt­zen zum 3:0 erst ein­wech­sel­te.

Es kam Ar­tem Dzyu­ba, Typ Sturm­tank von Ar­senal Tu­la, der in sei­ner ers­tenAk­ti­on ei­nen Ein­wurf er­ar­bei­te­te und den zwei­ten Ball­kon­takt per Kopf ins Netz drück­te. Dann rann­te er zu sei­nem Trai­ner, der ihm in Ar­mee-Tra­di­ti­on sa­lu­tier­te: Auf­trag aus­ge­führt, Spiel ent­schie­den.

Für die Stim­mung rund um das Tur­nier dürf­te es gut sein, dass Russ­land so fu­ri­os ge­star­tet ist und nun gu­te Chan­cen auf das Ach­tel­fi­na­le hat. Tschertsches­sov brems­te je­doch vor zu viel Eu­pho­rie: „Beim Con­fed-Cup ha­ben wir auch das ers­te Spiel 2:0 ge­won­nen – ge­bracht hat­te uns das nichts. Wir müs­sen die­ses 5:0 ab­ha­ken und uns nun auf Ägyp­ten kon­zen­trie­ren“

Foto: imago/Mül­ler

Bil­de­ten ei­ne Ein­heit: Die rus­si­schen Zu­schau­er und ih­re Fans, wie hier beim Ju­bel zum 1:0.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.