Der ge­plan­te Er­folg

In Le Mans ist al­les vor­be­rei­tet für den wich­ti­gen PR-Sieg von For­mel-1-Star Alon­so

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - SPORT - Von Ka­rin Sturm dpa

Es war schon viel­sa­gend: Da hat­te am spä­ten Mitt­woch­abend der To­yo­ta mit der Num­mer acht das ers­te Qua­li­fy­ing zum 24St­un­den-Ren­nen von Le Mans ge­won­nen – und schon trom­mel­ten die Online-Schlag­zei­len – durch­aus auch die der Fach­me­di­en: „Vor­läu­fi­ge Pole­po­si­tion für Fer­nan­do Alon­so in Le Mans“.

LE MANS Dass nicht et­wa der zwei­ma­li­ge For­mel-1Welt­meis­ter, son­dern der Ja­pa­ner Ka­zu­ki Na­ka­ji­ma, der sich mit Alon­so und Sé­bas­ti­en Bu­emi das Au­to teilt, die Zeit ge­fah­ren hat­te, der zwei­ma­li­ge For­mel-1-Welt­meis­ter, der in der Kö­nigs­klas­se des Mo­tor­sports für McLa­ren star­tet, nicht ein­mal in die Nä­he der Best­zei­ten ge­kom­men war – ge­schenkt.

Die 24 St­un­den von Le Mans – das ist ei­ner der ganz gro­ßen Klas­si­ker im Motorsport – in die­sem Jahr scheint er aber in ers­ter Li­nie aus Fer­nan­do Alon­so zu be­ste­hen. Ne­ben den 500 Mei­len von In­dia­na­po­lis und dem Mo­na­co-GP ist Le Mans ein Teil des „Tri­ples“, das Alon­so im Lau­fe sei­ner Kar­rie­re noch schaf­fen will – bis jetzt ge­lang das ja nur Gra­ham Hill. An die­sem Wo­che­n­en­de soll aber erst ein­mal der Le-Mans-Sieg auf der Lis­te ab­ge­hakt wer­den.

Wor­auf sich Alon­so da­bei auf je­den Fall ver­las­sen kann: Nicht nur sein Team To­yo­ta, auch die Or­ga­ni­sa­to­ren der Langstre­cken-WM WEC, de­ren High­light das 24-St­un­den-Ren­nen ja bil­det, ha­ben schon im Vor­feld ihr Mög­lichs­tes ge­tan, um ihm die­sen Sieg auch zu er­mög­li­chen. Al­les ist dar­auf aus­ge­rich­tet, den zwei­ma­li­gen For­mel-1Welt­meis­ter am En­de ganz oben auf dem Po­di­um ste­hen zu ha­ben. Schließ­lich wä­re der PR-Ef­fekt nicht nur für To­yo­ta, son­dern für die gan­ze Se­rie, die seit dem Aus­stieg der Werks­teams von Au­di und Por­sche ge­ra­de in der Spit­ze, der LMP1-Ka­te­go­rie, mas­si­ve Ak­zep­tanz-Pro­ble­me hat, ge­wal­tig.

Zu be­ob­ach­ten war das schon vor ein paar Wo­chen beim Sai­son­auf­takt in Spa, Alon­sos ers­tem WEC-Start. Da kam es dann doch ge­le­gen, wenn der zwei­te, schnel­le­re To­yo­ta im Qua­li­fy­ing we­gen ei­nes Form­feh­lers dis­qua­li­fi­ziert wur­de. Und als der dann im Ren­nen dann doch die da­durch ver­lo­re­ne Run­de auf­hol­te und am En­de noch zu ge­win­nen „droh­te“, leg­te man bei To­yo­ta eben fest, dass die Po­si­tio­nen zu hal­ten sind, der Spa­nier vor­ne zu blei­ben hat.

Da­von, dass die WEC im Vor­feld durch ei­ne kurz­fris­ti­ge Re­gle­ment-Än­de­rung To­yo­ta, dem ein­zi­gen ver­blie­be­nen Her­stel­ler, ei­nen deut­li­chen Vor­sprung ge­gen den nicht mit Hy­brid-Tech­no­lo­gie an­tre­ten­den Privat-Kon­kur­ren­ten in der LMP1-Ka­te­go­rie ver­schafft hat­te, ein­mal ganz ab­ge­se­hen.

Jetzt vor Le Mans wur­den die Be­din­gun­gen für die Pri­va­ten noch ein­mal ver­schlech­tert, die er­laub­te Ben­zin­durch­fluss­men­ge wei­ter re­du­ziert. „Wir dür­fen nicht so schnell fah­ren, wie wir ei­gent­lich könn­ten – dann be­kom­men wir ei­ne Stra­fe“, är­gert sich Neel Ja­ni – einst mit Por­sche selbst Le-Mans-Sie­ger und Langstre­cken-Welt­meis­ter.

Von ei­nem 0,5-Se­kun­denVor­teil pro Run­de, den das Re­gle­ment den zwei Hy­bri­dFahr­zeu­gen von To­yo­ta zu­ge­ste­hen sol­le, war im­mer von­sei­ten der Of­fi­zi­el­len die Re­de. Schließ­lich soll­te der To­yotaund Alon­so-Sieg vor al­lem in Le Mans auf kei­nen Fall in Ge­fahr ge­ra­ten – die Ja­pa­ner, die seit ers­ten Ver­su­chen in den Acht­zi­gern er­folg­los ei­nem Sieg dort hin­ter­her­ja­gen, müs­sen ja bei Lau­ne ge­hal­ten wer­den.

Da­zu kom­men noch die vor­ge­schrie­be­nen häu­fi­ge­ren Bo­xen­stopps und die län­ge­ren Tank­zei­ten der Pri­va­ten. Al­les zu­sam­men­ge­rech­net, dürf­te sich über die ge­sam­ten 24 St­un­den ein theo­re­ti­scher Vor­teil von min­des­tens acht bis zehn Mi­nu­ten für To­yo­ta er­ge­ben. Wo­bei für Ja­ni bei der gan­zen Re­gle­ment-An­pas­sung so­wie­so von An­fang an gra­vie­ren­de Feh­ler ge­macht wur­den. „Man hät­te die Hy­brid-Au­tos von To­yo­ta mas­si­ver ein­brem­sen müs­sen – nicht ver­su­chen, die Pri­va­ten in so ho­he Ge­schwin­dig­keits­be­rei­che zu brin­gen. Das kann ge­fähr­lich wer­den, die Au­tos sind da­für nicht wirk­lich ge­macht, die Res­sour­cen bei den Team nicht vor­han­den. Das kann ge­fähr­lich wer­den.“

Tat­säch­lich gab es in Spa in der Hoch­ge­schwin­dig­keitsPas­sa­ge von Eau Rouge zwei dra­ma­ti­sche Un­fäl­le pri­va­ter LMP1-Bo­li­den. Im Qua­li­fy­ing brach sich Pie­tro Fit­ti­pal­di bei­de Bei­ne, im Ren­nen kam der Rus­se Ma­te­vos Isaakyan bei ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Über­schlag nur mit viel Glück un­ver­letzt da­von.

Fer­nan­do Alon­so wird, wenn sein Au­to hält, wohl in Le Mans ge­win­nen. Zu­sam­men mit sei­nen zwei Team­kol­le­gen Sé­bas­ti­en Bué­mi und Ka­zu­ki Na­ka­ji­ma – auch wenn in den Schlag­zei­len wohl wie­der nur Alon­so der Sie­ger sein wird.

Dass man ihn bei To­yo­ta für sei­ne akri­bi­sche Ar­beits­wei­se lobt, er sei­ne Leis­tung durch­aus bringt, ist un­be­strit­ten. Dass man ihm den Weg zum Tri­umph mög­lichst zu eb­nen ver­sucht – aus kom­mer­zi­el­len Grün­den –, aber auch. Noch ein Bei­spiel, wie wich­tig der Spa­nier für die Se­rie und To­yo­ta ist? Das 6-St­un­den-Ren­nen von Fu­ji in Ja­pan im Herbst wur­de ex­tra um ei­ne Wo­che ver­legt, um ei­ne Kol­li­si­on mit der For­mel 1 zu ver­mei­den und Alon­so den Start zu er­mög­li­chen. Dass da­durch vie­le an­de­re Pi­lo­ten in Schwie­rig­kei­ten kom­men, die für den neu­en Ter­min schon Ver­trä­ge für ein sehr wich­ti­ges Langstre­cken-Ren­nen in den USA hat­ten, in­ter­es­sier­te bei den Ver­ant­wort­li­chen of­fen­bar kei­nen.

Foto: AFP/Mo­nier

To­yo­ta statt McLa­ren: Fer­nan­do Alon­so beim Trai­ning in LeMans.

Foto: AFP

In un­ge­wohn­tem Dress: Alon­so in Le Mans.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.