Ifo-Chef Fu­est warnt vor Auf­fla­ckern der Eu­ro­kri­se: Ita­li­en spielt mit dem Feu­er

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - EINBLICKE - uwe

Wäh­rend der Aus­bruch der Ban­ken- und Fi­nanz­kri­se in­zwi­schen zehn Jah­re zu­rück­liegt, war­nen füh­ren­de Öko­no­men vor ei­nem Auf­fla­ckern der Eu­ro­kri­se. Cle­mens Fu­est, Chef des Ifo-In­sti­tuts in Mün­chen, sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Wenn Ita­li­en sich in ei­ne neue Kri­se ma­nö­vriert, kann der Rest Eu­ro­pas we­nig tun.“Das Land spiele mit dem Feu­er, wenn es an­kün­di­ge, eu­ro­päi­sche Schul­den­re­geln nicht ein­zu­hal­ten. Fu­est be­ton­te, es ge­be ein po­li­ti­sches Pro­blem in Rom. Ita­li­en wol­le nicht, „dass in­ter­na­tio­na­le Auf­se­her dem Land von au­ßen vor­schrei­ben, wel­che Wirt­schafts­po­li­tik es zu ver­fol­gen hat“. Aber oh­ne Auf­la­gen ge­be es auch kei­ne Ret­tungs­schirm­hil­fen, „denn sonst könn­te je­des Land auf Kos­ten der Ge­mein­schaft sei­ne Schul­den aus­wei­ten“.

Dass Ita­li­en zu groß für den Ret­tungs­schirm wä­re, trifft nach den Wor­ten von Fu­est nicht zu, denn die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank ha­be ja

an­ge­kün­digt: „Wenn ein Land ein ESM-Pro­gramm ver­ein­bart, dann kann sie in­ter­ve­nie­ren und im Prin­zip un­be­grenzt Staats­an­lei­hen auf­kau­fen.“Der Eu­ro­päi­sche Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM) stützt in Schräg­la­ge ge­ra­te­ne Staa­ten im Eu­ro-Raum mit Fi­nanz­hil­fen. Im Ge­gen­zug müs­sen die­se Län­der Auf­la­gen er­fül­len.

Ita­li­en muss ei­nen Schul­den­berg von mehr als 2,3 Bil­lio­nen Eu­ro ma­na­gen. Trotz­dem hat die neue Re­gie­rung aus rechts­ge­rich­te­ter Le­ga und der po­pu­lis­ti­schen Fünf-Ster­ne-Be­we­gung im Wahl­kampf un­ter an­de­rem Steu­er­er­leich­te­run­gen ver­spro­chen. Es wird nun be­fürch­tet, dass Ita­li­en die Drei-Pro­zent-De­fi­zit­gren­ze des Eu­ro-Sta­bi­li­täts­pak­tes nicht ein­hal­ten könn­te, auch wenn der ita­lie­ni­sche Fi­nanz­mi­nis­ter dies ver­spro­chen hat, wie Fu­est be­tont.

Beim Ge­samt­schul­den­stand, der sich auf mehr als 130 Pro­zent der Wirt­schafts­leis­tung sum­miert, ver­stößt das Land be­reits ge­gen Sta­bi­li­täts­kri­te­ri­en. Er­laubt sind im Eu­ro­raum ei­gent­lich nur 60 Pro­zent.

Fo­to: ima­go/Sa­man­tha Zuc­chi

Gio­van­ni Tria, seit Ju­ni 2018 Ita­li­ens Fi­nanz­mi­nis­ter.

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