Vor­aus­seh­ba­res Er­geb­nis

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - DIALOG -

Zum Ar­ti­kel „Die Som­mer­zeit ver­dun­kelt die Win­ter­ta­ge“(Aus­ga­be vom 13. Sep­tem­ber).

„Dan­ke für den gut fun­dier­ten Ar­ti­kel zum Pro­blem der Som­mer­zeit. Es war oh­ne­hin kaum zu ver­ste­hen, wes­halb mit­ten in die­sem war­men und hel­len Su­per­som­mer ei­ne On­li­ne-Be­fra­gung zur Zeit­um­stel­lung statt­fand, bei der man sei­nen Wunsch nach Som­mer- oder Win­ter­zeit kund­ge­ben soll­te.

Die­se Um­fra­ge hät­te man sich er­spa­ren kön­nen, denn wer will nicht den ewi­gen Som­mer ha­ben? Ei­gent­lich ei­ne be­deu­tungs­lo­se Ak­ti­on, um das Som­mer­loch zu fül­len. Ob­wohl nur knapp ein Pro­zent der EU-Bür­ger sich be­tei­lig­te, mein­ten füh­ren­de EU-Po­li­ti­ker (EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Juncker, Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel und an­de­re), so­fort ak­tiv wer­den zu müs­sen.

Das vor­aus­seh­ba­re, aber gänz­lich un­be­deu­ten­de Er­geb­nis war gut ge­nug für die He­ad­lines al­ler Me­di­en. Al­le mein­ten nun, es sei der De­mo­kra­tie ge­schul­det, um­ge­hend die Zeit­um­stel­lung ab­zu­schaf­fen und die ewi­ge Som­mer­zeit ein­zu­füh­ren. Ob wir nun bei der Bei­be­hal­tung der Som­mer­zeit im Win­ter di­cker, düm­mer und gran­ti­ger wer­den, wie der Me­di­zi­ner Til Ro­en­ne­berg meint, sei da­hin ge­stellt.

Aber die lan­ge Dun­kel­heit am Mor­gen in Kom­bi­na­ti­on mit Schlaf­man­gel wird si­cher­lich zu ver­mehr­ter De­pres­si­on und Kon­zen­tra­ti­ons­man­gel am Ar­beits­platz füh­ren. Auch ge­sund­heit­li­che Be­ein­träch­ti­gung durch Vit­amin-D-Man­gel ist mög­lich. Die Schü­ler müs­sen über meh­re­re Wo­chen bei Dun­kel­heit durch den Stra­ßen­ver­kehr zur Schu­le fah­ren mit al­len even­tu­el­len Un­fall­ge­fah­ren. In der Schu­le kommt es zu deut­li­chem Leis­tungs­ab­fall.

Merk­wür­dig ist nur, dass wir kaum über die Zeit­um­stel­lung kla­gen, wenn wir in den Ur­laub fah­ren. Da neh­men wir die Zeit­ver­schie­bung ge­las­sen hin. Ei­ne St­un­de Zeit­dif­fe­renz hat un­se­re in­ne­re Uhr in der Re­gel an ei­nem, höchs­ten zwei Ta­gen kor­ri­giert. Bei der jähr­li­chen Zeit­um­stel­lung an le­dig­lich zwei Ta­gen im Jahr soll es of­fen­sicht­lich zu ernst­haf­ten Ge­sund­heits­pro­ble­men kom­men. Kaum glaub­haft.

Sol­chen Leu­ten sei drin­gend an­ge­ra­ten, nie­mals zu ver­rei­sen, je­den­falls nicht zum Bei­spiel auf die Ka­na­ri­schen In­seln, die Tür­kei oder En­g­land, schon gar nicht in fer­ne Län­der. Nun, die schö­nen lan­gen Som­mer­aben­de wol­len wir doch auch ge­nie­ßen. Was tun: Blei­ben wir bei der Zeit­um­stel­lung im Früh­jahr und Herbst, freu­en wir uns über die hel­len Som­mer­aben­de, freu­en wir uns aber auch über die mor­gend­lich hel­len Win­ter­ta­ge. Ge­nie­ßen wir jetzt noch die rest­li­che Som­mer­son­ne. Der nächs­te Win­ter kommt be­stimmt.“Al­brecht Düntsch Qua­ken­brück

Fo­to: dpa/Mar­tin Schutt

Ei­ne Zeit­ver­schie­bung neh­men wir ge­las­sen hin, wenn es in den Ur­laub geht – im Ge­gen­satz zur jähr­li­chen Zeit­um­stel­lung, merkt un­ser Le­ser an.

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