Kei­ne Angst vor un­ver­schäm­ten Prei­sen

Neue Osnabrucker Zeitung - Bissendorf, Belm - - NORDWEST - Von Mi­scha Ehr­hardt ak­tu­el­les@noz.de dpa

Was lan­ge währt, wird end­lich gut. Seit ei­nem Jahr­zehnt schon dis­ku­tie­ren die eins­ti­gen Ri­va­len Kauf­hof und Kar­stadt ei­ne mög­li­che Fu­si­on zu ei­ner deut­schen Wa­ren­haus AG. Nun ha­ben die Kar­tell­wäch­ter dem Pro­jekt ih­ren Se­gen ge­ge­ben. Für die seit Lan­gem mit wirt­schaft­li­chen Pro­ble­men kämp­fen­den Wa­ren­haus­be­trei­ber ist die Fu­si­on ganz si­cher von Vor­teil: Sie kön­nen nun den Ein­kauf und die all­ge­mei­nen Be­triebs­ab­läu­fe im Hin­ter­grund ko­or­di­nie­ren – und da­mit Kos­ten spa­ren. Und wenn man den bis­he­ri­gen An­kün­di­gun­gen Glau­ben schen­ken darf, sol­len auch nach der Fu­si­on die we­nigs­ten Häu­ser ge­schlos­sen wer­den. Das wä­re den Mit­ar­bei­tern zu wün­schen.

Und was be­deu­tet das grü­ne Licht der Wett­be­werbs­hü­ter für die Ver­brau­cher? Für die muss der Zu­sam­men­schluss nicht un­be­dingt von Nach­teil sein. Si­cher ha­ben sich Kar­stadt und Kauf­hof Kon­kur­renz ge­macht, wenn sie um die Gunst der Kun­den buh­len muss­ten. Al­ler­dings ist noch grö­ße­re Kon­kur­renz all­ge­gen­wär­tig – und die steckt in der Ho­sen­ta­sche der Kauf­haus­be­su­cher: ihr Smart­pho­ne und da­mit das In­ter­net. Per Bar­code-Scan­ner kön­nen sie Pro­duk­te auch in ei­ner Kauf­haus-Fi­lia­le mit den Prei­sen im Netz ver­glei­chen. Des­we­gen sind die Mög­lich­kei­ten ei­ner fu­sio­nier­ten Wa­ren­haus­grup­pe, die Prei­se für Ver­brau­cher will­kür­lich nach oben zu set­zen, ge­ring. Un­ter­neh­men kei­ne zwei Kon­zern­zen­tra­len mehr. Auch bei IT und Lo­gis­tik dürf­te es er­heb­li­che Ein­spar­po­ten­zia­le ge­ben. Of­fen ist, wie vie­le Stel­len weg­fal­len wer­den. Spe­ku­la­tio­nen, nach de­nen bis zu 5000 Jobs be­droht sei­en, be­zeich­ne­te der künf­ti­ge Mehr­heits­ei­gen­tü­mer Re­né Ben­ko als „un­ver­ant­wort­lich“.

Was ist mit den In­nen­städ­ten? In vie­len Städ­ten herrscht Un­ru­he. Be­fürch­tet wer­den Fi­li­al­schlie­ßun­gen und da­mit ver­bun­den ei­ne Ver­ödung der In­nen­städ­te. Of­fi­zi­el­le An­ga­ben zu ge­plan­ten Schlie­ßun­gen gibt es nicht. Doch mit ei­ner Schlie­ßungs­wel­le gleich nach der Über­nah­me ist wohl nicht zu rech­nen. Die Kos­ten da­für wä­ren nach Ein­schät­zung von Ex­per­ten an­ge­sichts der oft über Jahr­zehn­te lau­fen­den Miet­ver­trä­ge ein­fach zu hoch. Es könn­te al­ler­dings ein­zel­ne Schlie­ßun­gen ge­ben, wenn Miet­ver­trä­ge aus­lau­fen. Ben­ko be­müh­te sich zu­letzt, Be­fürch­tun­gen zu dämp­fen: „Na­tür­lich müs­sen wir sa­nie­ren, aber wir wer­den wie bis­her um je­de Fi­lia­le kämp­fen“, be­ton­te er.

Was be­deu­tet die Fu­si­on für die Ver­brau­cher? Das muss sich noch her­aus­stel­len. Die bei­den Mar­ken Kar­stadt und Kauf­hof sol­len nach dem Wil­len von Ben­ko er­hal­ten blei­ben. Das Pro­blem da­bei: In vie­len Be­rei­chen ist das An­ge­bot der bei­den Ket­ten nach ei­ner Ana­ly­se des Bran­chen­fach­blatts „Tex­til­wirt­schaft“weit­ge­hend aus­tausch­bar. Nach der Fu­si­on wä­re es na­he­lie­gend, hier für grö­ße­re Un­ter­schie­de zu sor­gen.

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