Ko­ali­ti­ons­streit über Bun­des­wehr­ein­satz

Au­ßen­mi­nis­ter: Bun­des­wehr muss kei­ne Lü­cken bei Ter­ror­ein­sät­zen schlie­ßen

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - VORDERSEITE -

BERLIN. Die Gro­ße Ko­ali­ti­on strei­tet nach den An­schlä­gen in Bay­ern über ei­nen er­wei­ter­ten Ein­satz der Bun­des­wehr im In­land zur Ter­ror­ab­wehr. Die SPD ist skep­tisch. Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er (SPD) er­teil­te For­de­run­gen der Uni­on nach ei­ner Än­de­rung des Grund­ge­set­zes ei­ne Ab­sa­ge. Da­für ge­be es kei­nen ver­nünf­ti­gen An­lass, sag­te St­ein­mei­er der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“. Die CSU hält ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung da­ge­gen für not­wen­dig, um den Ein­satz der Bun­des­wehr zur Ab­wehr von Ter­ror­ge­fah­ren und zur Grenz­si­che­rung zu er­mög­li­chen oder zu er­leich­tern.

Ist es sinn­voll, die Bun­des­wehr im In­nern zur Ter­ror­ab­wehr ein­zu­set­zen? Die­se Fra­ge ent­zweit die CDU/CSU und die SPD. Auch ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung ist strit­tig.

BERLIN. Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er (SPD) hat sich ge­gen ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung für In­lands­ein­sät­ze der Bun­des­wehr aus­ge­spro­chen – und da­mit For­de­run­gen der CSU wi­der­spro­chen. „Die Vor­fäl­le am Wo­che­n­en­de ha­ben die Schnel­lig­keit und das ho­he Maß an Pro­fes­sio­na­li­tät der Po­li­zei­kräf­te ge­zeigt“, sag­te St­ein­mei­er der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“. „Da gab es kei­ne Lü­cken, die von der Bun­des­wehr hät­ten ge­füllt wer­den kön­nen oder gar müs­sen.“

Die CSU hält ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung da­ge­gen für not­wen­dig, auch aus Rei­hen der CDU kom­men sol­che For­de­run­gen. Der Uni­ons­frak­ti­ons­chef im Bun­des­tag, Vol­ker Kau­der (CDU), be­für­wor­te­te in der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“ei­ne ge­setz­li­che Klar­stel­lung. Zwar dür­fe nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts die Bun­des­wehr schon jetzt bei ei­nem gro­ßen ter­ro­ris­ti­schen An­griff ein­ge­setzt wer­den. „Ei­ne Grund­ge­setz­än­de­rung brau­chen wir da­her im Prin­zip nicht. Den­noch wä­re aber ei­ne ge­setz­li­che Klar­stel­lung hilf­reich, um die Ein­satz­be­din­gun­gen rechts­si­che­rer zu for­mu­lie­ren.“

Der SPD-Ver­tei­di­gungs­ex­per­te Rai­ner Ar­nold sprach sich ge­gen ei­ne Än­de­rung des Grund­ge­set­zes aus. Er kri­ti­sier­te den Streit als „Schein­de­bat­te“. Ar­nold sag­te: „Was die CSU ver­langt, führt nur zu schein­ba­rer Si­cher­heit – es bringt nicht mehr Si­cher­heit, wenn Sol­da­ten mit der Waf­fe im An­schlag auf dem Bahn­hof ste­hen.“

Seit vie­len Jah­ren wird über das The­ma hef­tig ge­strit­ten. ob die Bun­des­wehr bei Ter­ror­an­schlä­gen Auf­ga­ben über­neh­men darf, mit de­nen die Po­li­zei über­for­dert ist. Im Grund­ge­setz fin­det sich da­für kei­ne kla­re Re­ge­lung. Seit 2012 gibt es al­ler­dings ei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, nach der auch ein Ter­ror­an­schlag ein „be­son­ders schwe­rer Un­glücks­fall“nach Ar­ti­kel 35 sein kann, bei dem der Ein­satz von Sol­da­ten zur Un­ter­stüt­zung der Po­li­zei er­laubt wä­re.

Im ge­ra­de ver­ab­schie­de­ten Weiß­buch zur Si­cher­heits­po­li­tik hat­ten sich die Ko­ali­ti­ons­part­ner dar­auf ver­stän­digt, dass die Bun­des­wehr bei grö­ße­ren Ter­ror­an­schlä­gen auch oh­ne Grund­ge­setz­än­de­rung et­wa zur Eva­ku­ie­rung oder me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung ein­ge­setzt wer­den kann. Die­ser Kom­pro­miss ist Grund­la­ge für ge­plan­te An­tiTer­ror-Übun­gen von Po­li­zei und Bun­des­wehr. Nach dem Amok­lauf in München vor ei­ner Wo­che wa­ren Feld­jä­ger der Bun­des­wehr in Be­reit­schaft ver­setzt wor­den. Über ei­nen Ein­satz der Sol­da­ten hät­te die Po­li­zei ent­schie­den.

Ka­ri­ka­tur: Klaus Stutt­mann

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