Schwein­stei­ger be­en­det Ka­pi­tel Na­tio­nal­team

DFB-Ka­pi­tän Schwein­stei­ger macht Schluss – Löw: Ich ha­be viel von ihm pro­fi­tiert

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - VORDERSEITE - Von Jens Men­de

BERLIN. Bas­ti­an Schwein­stei­ger hat nach 120 Län­der­spie­len das Ka­pi­tel Na­tio­nal­mann­schaft ge­schlos­sen. 22 Ta­ge nach dem Halb­fi­nal-Aus bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft in Frank­reich gab der Ka­pi­tän und Welt­meis­ter von 2014 sei­nen Rück­tritt aus der DFB-Aus­wahl be­kannt.

Sein 120. Län­der­spiel bei der EM ge­gen Frank­reich war sein letz­tes. Bas­ti­an Schwein­stei­ger tritt aus der Na­tio­nal­mann­schaft zu­rück. Sei­nen Hö­he­punkt er­leb­te der Kämp­fer vor zwei Jah­ren. Jetzt zollt der DFB-Ka­pi­tän auch sei­nem ge­schun­de­nen Kör­per Tri­but. BERLIN. Der Ka­pi­tän macht Schluss – das Bild vom schweiß- und blut­ver­schmier­ten WM-Hel­den aus dem be­rühm­ten Ma­ra­canã von Rio de Janei­ro aber bleibt. Mit ei­nem tie­fen Cut un­ter dem rech­ten Au­ge kämpf­te Bas­ti­an Schwein­stei­ger nach dem größ­ten Tri­umph als Fuß­bal­ler zu­sam­men mit Joa­chim Löw in Bra­si­li­en mit den Trä­nen. Beim An­lauf auf die Ti­tel­ver­tei­di­gung in zwei Jah­ren in Russ­land wird der Bun­des­trai­ner sei­nen „emo­tio­na­len Le­a­der“nicht mehr da­bei­ha­ben. Welt­meis­ter Schwein­stei­ger hat nach zwölf Jah­ren, 120 Län­der­spie­len und 24 To­ren das Ka­pi­tel Na­tio­nal­mann­schaft selbst ge­schlos­sen.

„Mit dem Ge­winn des Welt­meis­ter­ti­tels 2014 ist uns his­to­risch und auch emo­tio­nal et­was ge­lun­gen, was sich in mei­ner Kar­rie­re nicht mehr wie­der­ho­len lässt. Des­halb ist es rich­tig und ver­nünf­tig, nun Schluss zu ma­chen und der Mann­schaft für die Qua­li­fi­ka­ti­on und die WM 2018 das Al­ler­bes­te zu wün­schen“, er­klär­te Schwein­stei­ger am Frei­tag. „Mit dem Rück­tritt ver­las­se ich die Na­tio­nal­mann­schaft, die mir im­mer ei­ne wert­vol­le Fa­mi­lie war.“Sein Hand­spiel ge­gen Frank­reich be­en­de­te den Traum vom Eu­ro­pa­meis­ter. „Aber Nie­der­la­gen ge­hö­ren da­zu, auch wenn sie schmer­zen“, be­merk­te der schei­den­de Ka­pi­tän.

Un­mit­tel­bar nach dem EM-Aus vor 22 Ta­gen in Frank­reich, das auch eng mit dem Na­men Schwein­stei­ger ver­bun­den ist, hat­te der Rou­ti­nier noch ge­zö­gert. „Jo­gi Löw wuss­te, wie viel mir die EM 2016 in Frank­reich be­deu­tet hat, denn ich woll­te die­sen Ti­tel un­be­dingt ge­win­nen, den wir seit 1996 nicht mehr nach Deutsch­land ho­len konn­ten. Es soll­te nicht sein, und ich muss es ak­zep­tie­ren“, er­klär­te der ge­bür­ti­ge Bay­er. „Ich als Trai­ner ha­be viel von ihm pro­fi­tiert und kann mich ein­fach nur für al­les bei ihm be­dan­ken“, sag­te Löw 22 Ta­ge nach dem Halb­fi­nal-Aus bei der jüngs­ten EM ge­gen Frank­reich.

Schwein­stei­ger war im Ad­ler-Tri­kot im­mer ein An­füh­rer mit ho­hen An­sprü­chen auch an sich selbst. Löw hat­te ihn nach dem WM-Sieg und dem Na­tio­nal­mann­schafts­Rück­tritt von Phil­ipp Lahm zum Ka­pi­tän er­nannt. „Wir konn­ten uns zu je­der Zeit über sport­li­che und mensch­li­che The­men aus­tau­schen, und durch sein Ver­hal­ten hat er auch die Mann­schaft ge­prägt“, be­ton­te der Bun­des­trai­ner. Schwein­stei­ger ist nach Lahm, Mi­ros­lav Klo­se und Per Mer­te­sacker der vier­te Welt­meis­ter, der sei­ne DFB-Lauf­bahn be­en­det hat.

„Nach der ent­täu­schen­den EM 2004 hat er als Fuß­bal­ler den Auf­bruch des deut­schen Fuß­balls ent­schei­dend mit­ge­stal­tet“, be­ton­te Te­am­ma­na­ger Oli­ver Bier­hoff. Schwein­stei­gers Er­fol­ge im DFB-Team spre­chen für sich: WM-Drit­ter 2006 und 2010, EM-Zwei­ter 2008 – und dann der Tri­umph von Rio, bei dem er „all sei­ne Qua­li­tä­ten und Tu­gen­den ge­zeigt hat: Ho­he spie­le­ri­sche Klas­se und ab­so­lu­ten Ein­satz­wil­len“, sag­te DFB-Prä­si­dent Rein­hard Gr­in­del.

Schwein­stei­ger stieß nach drei Ver­let­zun­gen in der EM-Sai­son am rech­ten Knie an sei­ne Gren­zen. Schon in den Jah­ren zu­vor hat­te sich der Mit­tel­feld­spie­ler im­mer wie­der mit Bles­su­ren an sei­nem hoch be­an­spruch­ten Kör­per her­um­ge­plagt. Mit enor­mem Wil­len ar­bei­te­te sich der Ka­pi­tän noch­mals her­an, das un­glück­li­che En­de bei der EM aber konn­te er nicht ver­hin­dern.

„Mein Dank gilt den Fans, der Mann­schaft, dem DFB, den Trai­nern und Team um die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft. In 120 Län­der­spie­len durf­te ich für mein Land auf­lau­fen und Mo­men­te er­le­ben, die un­be­schreib­lich schön und er­folg­reich wa­ren“, schrieb Schwein­stei­ger jetzt. Mit 38 Ein­sät­zen bei Welt- und Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten ist er Re­kord­mann.

Hört auf: Bas­ti­an Schwein­stei­ger. Fo­to: imago/Schro­ed­ter

Fotos: imago (Horst­mül­ler, Chai v.d. Laa­ge, Fis­hing 4, MIS, Ul­mer, La­ci Pe­re­nyi)

Bas­ti­an Schwein­stei­ger - Sta­tio­nen ei­ner gro­ßen Kar­rie­re: Welt­meis­ter, ers­tes Län­der­spiel, Schram­men in Rio, Tänz­chen mit Pol­di, im Ge­spräch mit dem Bun­des­trai­ner und sein letz­tes Län­der­spiel ge­gen Frank­reich (von rechts un­ten, nach links oben).

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