Über­schuss von 13,5 Mil­lio­nen Eu­ro

Mehr Steu­ern, we­ni­ger Zin­sen

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - VORDERSEITE -

OS­NA­BRÜCK. Die Stadt Os­na­brück wird in die­sem Jahr vor­aus­sicht­lich ei­nen Über­schuss von 13,5 Mil­lio­nen Eu­ro er­wirt­schaf­ten. Es ist erst das vier­te Mal seit der Jahr­tau­send­wen­de, dass die Stadt schwar­ze Zah­len mel­den kann. Grün­de sind ho­he Steu­er­ein­nah­men und nied­ri­ge Zin­sen.

Zum ers­ten Mal nach vier Jah­ren rech­net die Stadt Os­na­brück wie­der mit ei­nem po­si­ti­ven Jah­res­er­geb­nis: 13,5 Mil­lio­nen Eu­ro sol­len En­de 2016 auf der Ha­ben­sei­te ste­hen. Von Wil­fried Hin­richs OS­NA­BRÜCK. Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert (CDU) prä­sen­tier­te am Frei­tag den Zwi­schen­be­richt zur Fi­nanz­la­ge der Stadt. Ur­sprüng­lich hat­te die Stadt mit ei­nem De­fi­zit von 5,7 Mil­lio­nen Eu­ro für die­ses Jahr ge­rech­net. Deut­lich hö­he­re Steu­er­ein­nah­men, ei­ne skur­ri­le Zins­la­ge und un­er­war­tet ho­he Zu­wei­sun­gen aus dem kom­mu­na­len Fi­nanz­aus­gleich führ­ten den An­ga­ben zu­fol­ge zu ei­ner Ver­bes­se­rung um 19 Mil­lio­nen Eu­ro. Wenn sich der Trend so fort­setzt, bleibt am En­de des Jah­res ein Über­schuss von 13,5 Mil­lio­nen Eu­ro, der in die Schul­den­til­gung flie­ßen soll.

In den zu­rück­lie­gen­den 15 Jah­ren ge­lang der Stadt zu­vor nur drei­mal ein po­si­ti­ves En­d­er­geb­nis. Aus­lö­ser wa­ren stets un­er­war­tet ho­he Ge­wer­be­steu­er­ein­nah­men. So ist es auch die­ses Mal: Sie­ben Mil­lio­nen Eu­ro mehr sol­len in die Stadt­kas­se flie­ßen, statt der kal­ku­lier­ten 93 Mil­lio­nen Eu­ro et­wa 100 Mil­lio­nen. Die­se Ent­wick­lung sei nicht vor­her­seh­bar ge­we­sen, sag­te Fi­nanz­chef Tho­mas Fillep. Er ließ durch­bli­cken, dass mit dem VW-Werk ein wich­ti­ger Ge­wer­be­steu­er­zah­ler zur al­ten Form zu­rück­ge­fun­den hat. VW hat­te we­gen des Die­selskan­dals Mit­te 2015 die Steu­er­vor­aus­zah­lun­gen auf null ge­setzt. In­zwi­schen zah­le VW wie­der, sag­te Fillep.

OB Grie­sert woll­te den Zu­wachs nicht al­lein an ei­nem Ge­wer­be­steu­er­zah­ler fest­ma­chen. Auch an­de­re Steu­er­quel­len wie die Ver­gnü­gung­steu­er spru­del­ten kräf­ti­ger. Dort ver­bucht die Stadt ein Plus von 800000 Eu­ro, be­wirkt in ers­ter Li­nie durch ei­ne spür­ba­re Er­hö­hung des He­be­sat­zes.

5,2 Mil­lio­nen Eu­ro mehr als ge­plant er­war­tet Os­na­brück aus dem Fi­nanz­aus­gleich des Lan­des. Da­rin spie­gelt sich der Ein­woh­ner­zu­wachs wi­der, denn die Zu­wei­sung wird pro Kopf be­rech­net. Os­na­brück ist 2015 um rund 6000 Ein­woh­ner ge­wach­sen. Ein Drit­tel die­ses Zu­wach­ses ist durch die Ein­füh­rung der Zweit­woh­nungsteu­er aus­ge­löst wor­den, wie Grie­sert er­klär­te. Um die­se Steu­er zu ver­mei­den, wan­del­ten et­wa 2000 Men­schen den Zweit- in Erst­wohn­sitz um.

Die Be­darfs­zu­wei­sung von fünf Mil­lio­nen Eu­ro, die das Land der Stadt we­gen ih­rer schlech­ten Fi­nanz­la­ge zu­ge­spro­chen hat, ist in der ak­tu­el­len Er­geb­nis­ver­bes­se­rung nicht ein­ge­rech­net. Die­ser au­ßer­or­dent­li­che Zu­schuss wird erst 2017 über­wie­sen.

Für er­heb­li­che Ent­las­tung sorgt das nied­ri­ge Zins­ni­veau. Im Sal­do spart die Stadt 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro. Os­na­brück pro­fi­tiert im Mo­ment so­gar von ei­ner skur­ri­len Zins­la­ge: Weil die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank un­be­dingt Geld in den Markt drü­cken will und Bar­gut­ha­ben mit ne­ga­ti­ven Zin­sen be­legt, zahlt die Stadt für das Über­zie­hen ih­res Gi­ro­kon­tos ak­tu­ell kei­ne Zin­sen. Im Ge­gen­teil: Sie kas­siert da­für, dass sie den Ban­ken Geld ab­nimmt. Der Über­zie­hungs­zins lie­ge ak­tu­ell bei mi­nus 0,2 Pro­zent. 300 000 Eu­ro ver­dient die Stadt auf die­se Wei­se im Jahr un­ge­plant da­zu. Pri­vat­kun­den zah­len für ih­ren Dis­po­kre­dit oft zehn oder mehr Pro­zent Zin­sen.

Das Mi­nus auf dem Gi­ro­kon­to ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer wei­ter ge­wach­sen auf zu­letzt 135 Mil­lio­nen Eu­ro. Der Über­schuss die­ses Jah­res soll da­zu ver­wen­det wer­den, die­se Alt­last auf 121 Mil­lio­nen zu re­du­zie­ren. Grie­sert und Fillep mahn­ten des­halb, trotz der ak­tu­ell gu­ten Aus­sich­ten in den Spar­an­stren­gun­gen nicht nach­zu­las­sen. „Um das Ge­samt­de­fi­zit ab­zu­bau­en, brau­chen wir noch zehn ähn­lich gu­te Jah­re hin­ter­ein­an­der“, sag­te Grie­sert.

Der Lei­ter der Fi­nanz­ab­tei­lung, Vol­ker Häns­ler, mach­te aber Hoff­nung: „Es gibt Per­spek­ti­ven, dass wir in den nächs­ten zwei, drei Jah­ren im Plus blei­ben kön­nen.“

„. . . dass wir zwei, drei Jah­re im Plus blei­ben kön­nen.“ Vol­ker Häns­ler, Fach­dienst­lei­ter Fi­nan­zen

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