Kri­tik in Ja­pan an Po­ké­mon Go

Ja­pa­ner sor­gen sich um Si­cher­heit in Fu­kus­hi­ma – Ers­tes Mi­ni­mons­ter auf Re­ak­tor­ge­län­de ge­sich­tet

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - VORDERSEITE - Von Su­san­ne Stef­fen

TOKIO. Po­ké­mon Go kann nun auch in Ja­pan, der Hei­mat von Nin­ten­do, ge­spielt wer­den. Die Be­geis­te­rung der Spie­ler führt al­ler­dings bei Po­li­ti­kern zu Sor­gen, bei­spiels­wei­se rund um die Rui­ne des AKW Fu­kus­hi­ma oder die Ge­denk­stät­ten in Hi­ro­shi­ma.

TOKIO. Seit knapp ei­ner Wo­che kann das mög­li­cher­wei­se be­lieb­tes­te Smart­pho­ne­spiel al­ler Zei­ten – Po­ké­mon Go – auch im Ur­sprungs­land Ja­pan ge­spielt wer­den. Doch so rich­tig will­kom­men sind die vir­tu­el­len Ta­schen­mons­ter nicht. Vor­sorg­lich mach­ten sich die Ma­na­ger des Atom­kraft­werk­be­trei­bers Tep­co we­ni­ge Ta­ge nach dem Ja­pan­start des Smart­pho­ne­spiels auf die Su­che nach Po­ké­mons in ih­ren Atom­kraft­wer­ken. Es muss ein Schock ge­we­sen sein, als sie tat­säch­lich ein vir­tu­el­les Mi­ni­mons­ter auf ei­nem ih­rer Re­ak­tor­ge­län­de her­um­hüp­fen sa­hen.

Ob das Ta­schen­mons­ter durch die hoch­gra­dig ra­dio­ak­tiv ver­seuch­te Atom­rui­ne Fu­kus­hi­ma Daiichi mar­schier­te, in der sich je­den Tag Tau­sen­de Ar­bei­ter zum Teil in Ganz­kör­per­schutz­an­zü­gen be­mü­hen, die Fol­gen des bis­her zweit­schlimms­ten Atom­un­falls der Welt zu be­sei­ti­gen, will die Tep­co nicht sa­gen. Aus Si­cher­heits­grün­den, heißt es in der Fir­men­zen­tra­le. „Wir ha­ben Sor­ge, dass Fans des Spiels hier­her­kom­men könn­ten, des­halb ver­ra­ten wir nicht, wo wir das Po­ké­mon ge­sich­tet ha­ben“, er­klär­te ein be­sorg­ter Tep­co-Spre­cher kürz­lich ge­gen­über ja­pa­ni­schen Me­di­en.Sinn des Spiels ist es, die vir­tu­el­len Mons­ter in ei­ner rea­len Um­ge­bung zu su­chen und zu fan­gen und da­für Punk­te zu sam­meln. Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge hat Po­ké­mon Go schon jetzt welt­weit mehr Fans als der Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter.

Der Ener­gie­kon­zern ap­pel­lier­te an Ent­wick­ler Ni­an­tic und den Po­ké­mon-Mut­ter­kon­zern Nin­ten­do, das Spiel so zu kon­fi­gu­rie­ren, dass die nied­li­chen bun­ten Mons­ter nicht in Atom­an­la­gen auf­tau­chen kön­nen – und schon gar nicht in der hoch­ge­fähr­li­chen Fu­kus­hi­ma-Rui­ne, in der vor mehr als fünf Jah­ren drei Re­ak­tor­ker­ne ge­schmol­zen wa­ren. Auch in an­de­ren Lan­des­tei­len sind die vir­tu­el­len Mons­ter we­nig will­kom­men. Die Stadt Hi­ro­shi­ma for­der­te die Ent­wick­ler auf, bis zum Jah­res­tag des Atom­bom­ben­ab­wurfs am 6. Au­gust al­le Mons­ter aus dem Frie­dens­park und den Ge­denk­stät­ten für die Op­fer zu ent­fer­nen.

Die staat­li­che Po­li­zei­be­hör­de mel­de­te un­ter­des­sen al­lein in den ers­ten vier Ta­gen seit dem ja­pa­ni­schen Spiel­start 36 Un­fäl­le, die auf die Mons­ter­jagd zu­ge­führt wur­den. In vier Fäl­len gab es Ver­letz­te.

Fo­to: imago/AFLO

Auch in Ja­pan

tum­meln sich nun Po­ké­mon. Nicht je­dem ge­fällt das.

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