War­um wir häu­fig im Ur­laub krank wer­den

Me­di­zi­ner und Psy­cho­lo­gen er­klä­ren das Phä­no­men Frei­zeit­krank­heit

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - VORDERSEITE -

OS­NA­BRÜCK. Im Ur­laub kla­gen vie­le Men­schen über In­fek­tio­nen und Un­wohl­sein. Das Phä­no­men, von For­schern Frei­zeit­krank­heit ge­nannt, kann vie­le Grün­de ha­ben. So­wohl Stress als auch der Um­ge­bungs­wech­sel kann Ein­fluss auf un­se­re Ge­sund­heit neh­men.

Seit Wo­chen freu­en wir uns auf den lang er­sehn­ten Som­mer­ur­laub. Und ge­ra­de dann, wenn wir ent­spannt in den Ur­laubs­län­dern an­ge­kom­men sind, wer­den wir plötz­lich krank. War­um? Von Ina Wem­hö­ner OS­NA­BRÜCK. Statt zu re­la­xen, quä­len wir uns dann in den frei­en Ta­gen mit Schmer­zen, Schüt­tel­frost, Durch­fall oder Er­schöp­fung. Vie­le ken­nen die­ses Phä­no­men auch am Wo­che­n­en­de.

„Stress kann ei­ne ent­schei­den­de Rol­le da­bei spie­len. Mög­lich wä­re, dass durch zu viel Ar­beit die Stress­hor­mo­ne und das Ad­re­na­lin ei­nen In­fekt schon zu­vor meh­re­re Ta­ge un­ter­drückt ha­ben. Las­sen der Stress und die Be­las­tung dann nach, bricht der In­fekt aus“, er­klärt Tro­pen­me­di­zi­ner Tho­mas Lö­scher.

Aber auch der Um­ge­bungs­wech­sel kann Ein­fluss auf un­se­re Ge­sund­heit neh­men. „Durch Kli­ma­an­la­gen und Zug­luft kön­nen wir uns Er­käl­tungs­vi­ren ein­fan­gen, und schlech­te Hy­gie­ne-Maß­nah­men kön­nen schnell Rei­se­durch­fall durch Kei­me her­vor­ru­fen. Auch bei der Er­näh­rung ist auf die Le­bens­mit­tel zu ach­ten“, so der Me­di­zi­ner. Ge­fähr­lich sind be­son­ders ro­hes Fleisch, ro­her Fisch, Eier­spei­sen und Milch­pro­duk­te.

Ur­lau­ber soll­ten es zu­dem ver­mei­den, Lei­tungs­was­ser zu trin­ken – denn im Trink­was­ser kön­nen sich eben­falls Bak­te­ri­en ver­ste­cken. Das re­gel­mä­ßi­ge Wech­seln der nas­sen Ba­de­klei­dung kann vor ei­ner Er­käl­tung schüt­zen.

Doch vie­le For­scher glau­ben, dass es auch noch ei­ne psy­cho­so­ma­ti­sche Ur­sa­che für Er­kran­kun­gen im Ur­laub ge­ben könn­te. „Man­chen Krank­heits­sym­pto­men wird erst wäh­rend der Ru­he­pha­se am Ur­laubs­ort Auf­merk­sam­keit ge­schenkt. Aber ei­ne sol­che Ve­rän­de­rung der Wahr­neh­mung kann die Frei­zeit­krank­heit al­lein kaum hin­rei­chend er­klä­ren“, sagt Psy­cho­lo­ge Dr. Mat­thi­as Wit­tBrum­mer­mann.

Ame­ri­ka­ni­sche Stu­di­en ver­wei­sen in die­sem Zu­sam­men­hang auch auf die Aus­wir­kun­gen von Stress auf das Im­mun­sys­tem: „Stress schwächt zu­nächst ein­mal den Or­ga­nis­mus und macht ihn an­fäl­lig für Er­kran­kun­gen un­ter­schied­li­cher Art. Gleich­zei­tig ver­lang­samt sich un­ter Stress die Im­mun­ab­wehr, Krank­heits­sym­pto­me klin­gen lang­sa­mer oder schwie­ri­ger ab“, so Wit­tBrum­mer­mann.

Ei­ne an­de­re Theo­rie in Be­zug auf die Frei­zeit­krank­heit ver­tritt der Psy­cho­lo­ge Dr. Franz Reit­her. Der Ana­ly­ti­ker be­schäf­tigt sich mit Kon­flikt­ma­nage­ment und forscht auf dem Ge­biet der Denk- und Hand­lungs­psy­cho­lo­gie. Sei­ner An­sicht nach ist die häu­fi­ge Er­kran­kung im Ur­laub nur ein Schein­phä­no­men: „Wir ha­ben ei­ne ho­he Er­war­tungs­hal­tung: Wir wol­len ent­span­nen im Ur­laub und er­holt wie­der­kom­men. Die­se Er­war­tun­gen an uns selbst stres­sen uns wie­der­um. Wir wer­den sen­si­bler für die ei­ge­ne Vi­ta­li­tät, denn wir wol­len auf kei­nen Fall krank wer­den – und dann pas­siert es doch.“Die Krank­heit sei ein Aus­weg aus der Stress­si­tua­ti­on, so der Psy­cho­lo­ge.

Um dies zu ver­mei­den, emp­fiehlt Reit­her: „Schrau­ben Sie Ih­re Er­war­tun­gen vor und im Ur­laub et­was run­ter und hal­ten sie sich fle­xi­bler. Die Um­stel­lung von All­tag auf Ur­laub pas­siert nicht in we­ni­gen St­un­den, las­sen Sie sich meh­re­re Ta­ge Zeit für die Um­ge­wöh­nung.“

Aber wir kön­nen uns im Vor­feld auch schon im All­tag auf den Ur­laub vor­be­rei­ten: „Ei­ne kla­re Struk­tu­rie­rung des All­tags zu Hau­se in Be­ruf und Frei­zeit mit un­ge­stör­ten Ru­he­zei­ten kann hier sinn­voll vor­beu­gen“, so der Psy­cho­lo­ge Witt-Brum­mer­mann.

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