Valls räumt Ver­sa­gen der fran­zö­si­schen Jus­tiz­be­hör­den ein

Pre­mier will Mo­schee-Fi­nan­zie­rung aus dem Aus­land stop­pen – Chris­ten und Mus­li­me trau­ern um er­mor­de­ten Pries­ter

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - POLITIK -

PARIS. Nach dem is­la­mis­ti­schen An­schlag auf ei­ne Kir­che in Nord­frank­reich hat Pre­mier Ma­nu­el Valls ein „Ver­sa­gen“der Jus­tiz­be­hör­den ein­ge­räumt. Dass Rich­ter ei­nen der bei­den At­ten­tä­ter mit ei­ner elek­tro­ni­schen Fuß­fes­sel in den Haus­ar­rest ent­las­sen hät­ten, sei ein Feh­ler ge­we­sen – „das soll­ten wir an­er­ken­nen“, sag­te Valls der Zei­tung „Le Mon­de“. Die be­tei­lig­ten Rich­ter dürf­ten aber „nicht für die­sen Ter­ror­an­schlag ver­ant­wort­lich ge­macht wer­den“. Trotz­dem müss­ten Frank­reichs Jus­tiz­be­hör­den ih­ren Um­gang mit mut­maß­li­chen Dschi­ha­dis­ten än­dern.

Der Pre­mier sprach sich zu­dem da­für aus, den Ein­fluss aus dem Aus­land auf fran­zö­si­sche Mus­li­me zu be­gren­zen. Ei­ne aus­län­di­sche Fi­nan­zie­rung von Mo­sche­en müs­se vor­über­ge­hend ver­bo­ten wer­den. Au­ßer­dem wol­le er, „dass die Ima­me in Frank­reich aus­ge­bil­det wer­den und nicht an­ders­wo“. Not­wen­dig sei ei­ne „neue Be­zie­hung zum Is­lam“, sag­te der So­zia­list und be­ton­te: „Der Sala­fis­mus hat in Frank­reich kei­nen Platz.“

Am Di­ens­tag hat­ten zwei 19-jäh­ri­ge Is­la­mis­ten ei­ne Kir­che na­he der Stadt Rou­en an­ge­grif­fen und ei­nem Pries­ter die Keh­le durch­ge­schnit­ten, be­vor sie von der Po­li­zei er­schos­sen wur­den. In­zwi­schen sind zwei Vi­de­os der An­grei­fer auf­ge­taucht: In ei­nem be­ken­nen sich Adel Ker­mi­che und sein Kom­pli­ze Ab­del Ma­lik Pe­tit­jean zur Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS). In dem zwei­ten spricht Pe­tit­jean Dro­hun­gen ge­gen Frank­reich aus.

Die Er­mitt­lun­gen zu mög­li­chen Kom­pli­zen und Hin­ter­män­nern lie­fen der­weil un­ter Hoch­druck. Nach Er­mitt­ler­an­ga­ben wur­de in ei­nem Asyl­be­wer­ber­heim in der zen­tral­fran­zö­si­schen Au­ver­gne ein sy­ri­scher Flücht­ling fest­ge­nom­men. In Ker­mi­ches Haus war nach dem An­schlag die Ko­pie ei­nes sy­ri­schen Rei­se­pas­ses ge­fun­den wor­den. Ge­prüft wer­den sol­le, ob der Pass dem Flücht­ling ge­hö­re.

In der Kle­in­stadt Sain­tÉ­ti­en­ne-du-Rouvray, in der die at­ta­ckier­te Kir­che steht, ge­dach­ten Chris­ten und Mus­li­me am Frei­tag ge­mein­sam des er­mor­de­ten Pries­ters Jac­ques Ha­mel. Mus­li­me ka­men in die zwei­te ka­tho­li­sche Kir­che der Stadt, Dut­zen­de Chris­ten nah­men in der Mo­schee am Frei­tags­ge­bet teil. Ha­mel soll am kom­men­den Di­ens­tag in Rou­en be­stat­tet wer­den.

Ös­ter­reich hat der­weil zwei mut­maß­li­che Kom­pli­zen der Paris-At­ten­tä­ter vom vo­ri­gen No­vem­ber an Frank­reich aus­ge­lie­fert. Es han­delt sich um ei­nen Al­ge­ri­er und ei­nen Pa­kis­ta­ner, die im De­zem­ber in ei­nem Flücht­lings­heim in Salz­burg fest­ge­nom­men wor­den wa­ren. Sie wa­ren mit ge­fälsch­ten sy­ri­schen Päs­sen ein­ge­reist. Den Er­mitt­lern zu­fol­ge woll­ten sie an den An­schlä­gen in Paris teil­neh­men.

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