Pla­ce­bos fürs Volk

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - POLITIK - Von Ma­ri­on Trim­born m.trim­born@noz.de

Wer möch­te mor­gens auf dem Weg zur Ar­beit schwer be­waff­ne­te Sol­da­ten und Pan­zer vor dem Bahn­hof oder auf dem Markt­platz se­hen? Wie das wirkt, kann man jetzt schon in Brüssel und Paris be­ob­ach­ten, wo nach den Ter­ror­an­schlä­gen das Mi­li­tär öf­fent­li­che Ge­bäu­de und Plät­ze be­wacht. Die meis­ten Deut­schen se­hen die Bun­des­wehr nicht in die­ser Rol­le, es fehlt an Ak­zep­tanz für sol­che Ein­sät­ze im In­nern.

Die recht­li­che Fra­ge, al­so ob da­für das Grund­ge­setz ge­än­dert wer­den muss oder nicht, ist zweit­ran­gig. Ent- schei­dend ist doch, was das Ziel ist. Sol­len Auf­klä­rungs­tor­na­dos über den Tat­ort flie­gen? Sol­len Bun­des­wehr-Sol­da­ten nach an­schlags­be­ding­ten Stra­ßen­sper­run­gen den Ver­kehr re­geln? Die Vor­schlä­ge wir­ken hilf­los und drän­gen den Ver­dacht auf, dass Sol­da­ten Lü­cken­fül­ler sein sol­len für die Po­li­zei, bei der jah­re­lang Stel­len ab­ge­baut wur­den. Die Bun­des­wehr ist für die Ver­tei­di­gung nach au­ßen da und mit ih­ren Auf­ga­ben längst am Li­mit. Ein sinn­vol­ler Ein­satz im In­nern ist nur als Aus­nah­me denk­bar, et­wa bei Na­tur­ka­ta­stro­phen wie dem El­be-Hoch­was­ser. Oder bei ei­ner lang an­hal­ten­den Ter­ror­la­ge. Vor­her muss in­ten­siv ge­übt wer­den, das kos­tet Geld.

Die jüngs­ten For­de­run­gen sind Pla­ce­bos fürs ver­un­si­cher­te Volk. Das ist po­li­ti­scher Ak­tio­nis­mus aus Rei­hen der Uni­on. Gut, dass der Ko­ali­ti­ons­part­ner SPD sich da­ge­gen sperrt.

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