Ges­ten statt Wor­te

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - EINBLICKE - Von Me­la­nie Hei­ke Schmidt

Fran­zis­kus ist nicht der ers­te Papst, der Au­schwitz be­sucht, In­be­griff der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ju­den­ver­nich­tung. Doch er ist das ers­te Ober­haupt der ka­tho­li­schen Kir­che, das per­sön­lich kei­nen Be­zug zum Zwei­ten Welt­krieg hat. Bei Kriegs­en­de war Fran­zis­kus acht Jah­re alt und leb­te in Bu­e­nos Ai­res. Vi­el­leicht be­fä­higt ihn die­se Dis­tanz zu den gro­ßen Ges­ten, die er in Au­schwitz zeig­te. Statt wie sei­ne Vor­gän­ger Re­den zu hal­ten, ver­harr­te er im Ge­bet. Dass er den Gal­gen küss­te, an dem Zahl­lo­se star­ben, war Zei­chen ge­nug.

Mit sei­ner Ges­te setz­te der Papst Ras­sis­mus, Krieg und Mord sei­ne gan­ze Lie­be ent­ge­gen. Der Kuss als uni­ver­sel­les Zei­chen für Lie­be und Frie­den wirkt um­so stär­ker an die­sem Ort der Ver­nich­tung. Dass Fran­zis­kus, sonst nie um Wor­te ver­le­gen, in Au­schwitz still blieb, ver­stärk­te die Bot­schaft noch.

Auch heu­te, gut 70 Jah­re nach Kriegs­en­de, ist die Welt kei­ne fried­li­che, der Hass ma­ni­fes­tiert sich in Ras­sis­mus und Ge­walt. Wie wohl­tu­end und tröst­lich wirkt da der stil­le, de­mü­ti­ge Papst in Au­schwitz. Ihm ge­lingt es, der auf­ge­heiz­ten De­bat­te um Ter­ror­ge­fahr und Flücht­lin­ge ei­nen Mo­ment der Ru­he ent­ge­gen­zu­set­zen. Wie schön wä­re es, wenn auch sei­ne Bot­schaft die Her­zen er­reich­te. mh.schmidt@noz.de

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