„Men­schen er­war­ten jetzt auch Füh­rung“

Land­tags­prä­si­dent Bu­se­mann im Ge­spräch

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - NORDWEST - Von Klaus Wie­sche­mey­er

Mehr Po­li­zei auf den Stra­ßen, kla­re Kan­te ge­gen­über der Tür­kei, Re­for­men in der EU: Land­tags­prä­si­dent Bernd Bu­se­mann sieht die Po­li­tik in der Pflicht, Leit­plan­ken zu set­zen. Im Land kann sich der CDU-Po­li­ti­ker vor­stel­len, dass sei­ne Par­tei per Mit­glie­der­ent­scheid ei­nen Spit­zen­kan­di­da­ten kürt.

Herr Bu­se­mann, die letz­ten Ta­ge wa­ren von Ge­walt­ta­ten in Deutsch­land über­schat­tet. Wie muss die Po­li­tik jetzt han­deln?

Das Volk ist sehr stark be­rührt und be­sorgt. Vie­le Men­schen wer­den vor­sich­ti­ger, ängst­li­cher. Na­tür­lich weiß je­der, dass es ei­ne al­ler­letz­te Si­cher­heit nicht gibt. Doch sie er­war­ten von der Po­li­tik jetzt auch Füh­rung. Rechts­staat­lich und ver­ant­wort­lich, aber Füh­rung. Pro­ble­me klein­re­den ist jetzt nicht das Ge­bot der St­un­de.

Wie mei­nen Sie das?

Na­tür­lich müs­sen wir ehr­lich sa­gen, dass wir nicht al­les re­geln kön­nen. Aber wir wis­sen, dass wir an ver­schie­de­nen Punk­ten mehr tun kön­nen und müs­sen als bis­her. Wir kön­nen an den ge­setz­li­chen und tech­ni­schen Er­for­der­lich­kei­ten ar­bei­ten, und das geht ein­her mit mehr Po­li­zei.

Mehr Po­li­zei ist doch schon an­ge­kün­digt.

Wir soll­ten für mehr Prä­senz sor­gen, in ganz Deutsch­land und in der Stadt ge­nau­so wie auf dem plat­ten Land. Da soll­te dann auch der gu­te al­te Schutz­mann wie­der durch die Stra­ßen ge­hen und an der Ecke ei­nen Plausch hal­ten. Das ist gut für das Si­cher­heits­ge­fühl der Bür­ger.

Kom­men wir zur Lan­des­po­li­tik: Beim ge­plan­ten Is­lam­ver­trag wa­ren Sie zu­letzt kri­tisch.

Mit Di­tib ist ein Ver­trags­part­ner di­rekt der Re­gie­rung in An­ka­ra und da­mit dem Staats­prä­si­den­ten Er­do­gan un­ter­stellt. Wenn Cem Öz­de­mir sagt, Di­tib sei der ver­län­ger­te Arm der Er­do­gan-Par­tei AKP, will ich nicht wi­der­spre­chen. Die Tür­kei be­wegt sich ge­ra­de auf ei­nen Ein­par­tei­en­staat mit is­la­mi­schem Hin­ter­grund zu. Wenn man dann nicht weiß, mit wem man es zu tun hat, sa­ge ich: Denk­pau­se!

Ih­re Frak­ti­on muss sich bald po­si­tio­nie­ren…

Auch die CDU steht vor der schwie­ri­gen Fra­ge: Mit­ma­chen oder nicht mit­ma­chen? Das The­ma ist durch­aus ge­eig­net, es beim Par­tei­tag Mit­te Au­gust in Hildesheim brei­ter zu dis­ku­tie­ren.

Wie soll die EU denn mit der Tür­kei um­ge­hen?

Ich bin ein Freund der Tür­kei, war 1973 als Stu­dent das ers­te Mal da. Als ich 2012 als Jus­tiz­mi­nis­ter wie­der da war, war ich be­ein­druckt über die Fort­schrit­te. Ich dach­te, die­ses Land ist auf dem Weg nach Eu­ro­pa. Seit­dem gibt es aber ei­nen Rück­schritt nach dem an­de­ren. Die Tür­kei ist so weit weg von den Mi­ni­mal­an­sprü­chen der eu­ro­päi­schen Wer­te­ge­mein­schaft, dass es zur­zeit kei­nen Sinn mehr macht, Bei­tritts­ver­hand­lun­gen fort­zu­set­zen. Das ist ei­ne Sa­che der Ehr­lich­keit.

Ist ein En­de von Bei­tritts­ver­hand­lun­gen über­haupt Stra­fe? Die EU ist selbst in­tern ge­ra­de un­be­liebt.

Hin­ter al­lem steht doch die Fra­ge: War­um ha­ben die Leu­te so ei­nen Ro­chus auf Eu­ro­pa und be­son­ders auf die EU-Kom­mis­si­on? Das ist nicht da­mit er­le­digt, dass die Bri­ten nun raus­ge­hen. Ich er­war­te, dass von Kom­mis­si­on oder Par­la­ment oder von bei­den mal Vor­schlä­ge kom­men, wie sich die EU von in­nen her­aus re­for­mie­ren will. Da se­he ich bis­lang gar nichts.

Und nun?

Ich bin von gan­zem Her­zen Eu­ro­pä­er. Aber wir ste­hen am Schei­de­weg. Aus Eu­ro­pa her­aus muss et­was kom­men. Und was hört man aus dem Par­la­ment? We­nig! In Brüssel wird viel zu viel Zeit da­mit ver­tan, Pos­ten zu ver­tei­len. So geht es nicht wei­ter.

Die CDU ist in Nie­der­sach­sen stärks­te Kraft. Ei­gent­lich ei­ne kom­for­ta­ble La­ge vor der Land­tags­wahl An­fang 2018.

Wir müs­sen schau­en, wie die Ver­hält­nis­se im Land sind. Die Kom­mu­nal­wahl am 11. Sep­tem­ber ist da ein ers­ter Test. Mit der AfD kommt ei­ne neue Grup­pie­rung hin­zu. Es ist al­so nicht gott­ge­ge­ben, dass wir 2018 stärks­te Par­tei wer­den. Und es ist auch nicht gott­ge­ge­ben, dass wir den Re­gie­rungs­chef stel­len. Wir müs­sen et­was da­für tun.

Was muss die CDU tun?

The­men sind reich­lich da. Wir müs­sen nur zum rich­ti­gen Zeit­punkt die rich­ti­gen The­men set­zen.

Sie mö­gen The­men ha­ben, ei­nen Her­aus­for­de­rer für Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil ha­ben Sie noch nicht.

Die CDU wird nach der Kom­mu­nal­wahl zu­sam­men­kom­men, um die Füh­rungs­fra­ge zu klä­ren.

Me­di­en spe­ku­lie­ren, dass sich die CDU längst auf Ex-Mi­nis­ter Bernd Al­t­hus­mann fest­ge­legt hat…

Als Prä­si­di­ums­mit­glied der Par­tei kann ich Ih­nen sa­gen: Ei­ne Fest­le­gungs­ver­an­stal­tung ken­ne ich nicht.

Wie wol­len Sie den Kan­di­da­ten fin­den? SPD-Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil ist ja be­geis­tert von dem Mit­glie­der­ent­scheid, der ihn ins Amt ge­bracht hat.

Das klä­ren wir nach der Kom­mu­nal­wahl. Ha­ben wir nur ei­nen Be­wer­ber und al­le sind sich ei­nig, ist es ganz ein­fach. Wenn wir mehr Be­wer­ber ha­ben, wä­re ich of­fen für ei­nen Mit­glie­der­ent­scheid.

Was soll solch ein Ent­scheid denn brin­gen?

Zur­zeit gibt es in der Kan­di­da­ten­fra­ge null Be­tei­li­gung der Ba­sis. Ei­ne Dis­kus­si­on mit den Mit­glie­dern gab es bis­her nicht. Die Par­tei rät­selt ein biss­chen und sucht Ori­en­tie­rung. Mit ei­nem Ent­scheid könn­te man den Mit­glie­dern zei­gen: Ihr seid nicht nur zum Pla­ka­te­kle­ben da. Eu­re Mei­nung in­ter­es­siert uns. Und man­ches wird an der El­be an­ders ge­se­hen als an der Ems. Die Par­tei ist in sich ge­schlos­sen und wird da­bei nicht in Streit ge­ra­ten.

Auch Sie wer­den im­mer wie­der als mög­li­cher Kan­di­dat ge­nannt…

Das ha­be ich auch ver­nom­men. Ich se­he da­rin ei­ne Wert­schät­zung. Aber es wer­den ja auch noch an­de­re Na­men ge­nannt.

Fo­to: dpa

Bernd Bu­se­mann, seit 2013 Land­tags­prä­si­dent.

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