In­te­gra­ti­on sel­ber leis­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - DIALOG - Te­unt­je Drent-Har­tung Papenburg

Zum Ar­ti­kel „Land will Sprach­kurs für je­den Flücht­ling an­bie­ten“(Aus­ga­be vom 22. Ju­li).

„Es wird viel dis­ku­tiert über In­te­gra­ti­on in die­sen Zei­ten. Vor al­lem dar­über, was der Staat und die Ge­sell­schaft ver­säumt ha­ben und noch zu we­nig leis­ten. Mei­ne Mei­nung da­zu: Ja, Sprach­kur­se sind sinn­voll, ers­te Hil­fe beim An­kom­men auch.

Dann soll­te aber Fol­gen­des kom­men: Ich in­te­grie­re mich! Die ers­te Ge­ne­ra­ti­on hat es da­bei am schwers­ten. Und dann kommt es dar­auf an, wel­che Vor­stel­lun­gen in den Fa­mi­li­en herr­schen. Be­für­wor­te ich als Zu­ge­wan­der­ter Kon­tak­te mei­ner Kin­der zu Ein­hei­mi­schen, schi­cke ich mei­ne Kin­der in die Schu­le, und for­de­re ich dort von ih­nen Ein­satz, las­se ich ei­ne Ver­mi­schung der Kul­tu­ren zu?

Das heißt zum Bei­spiel auch: Dür­fen sich mei­ne Kin­der in ein­hei­mi­sche Kin­der ver­lie­ben? Ge­lun­gen ist dies schon lan­ge den vor zwei bis drei Ge­ne­ra­tio­nen zu­ge­wan­der­ten Grie­chen, Ita­lie­nern, Ju­go­sla­wen, Spa­ni­ern und Por­tu­gie­sen. Auch die vor cir­ca 35 Jah­ren zu uns ge­kom­me­nen Viet­na­me­sen ha­ben und ma­chen kei­ne Pro­ble­me.

Sie ha­ben sich in­te­griert, das heißt, auf­ge­hört zu for­dern, und selbst ak­tiv dar­an ge­ar­bei­tet an­zu­kom­men. Wenn ich mir ein Land aus­su­che, in dem ich le­ben will (sonst kä­me ich ja nicht dort­hin), muss ich mich an die Mehr­heits­ge­sell­schaft an­pas­sen. Ich kann trotz­dem mein ei­ge­nes Es­sen lie­ben und es­sen, mei­ne ei­ge­nen Fes­te fei­ern, zu Hau­se in mei­ner Spra­che bab­beln. Ich kann aber nicht die Mehr­heits­ge­sell­schaft ver­ach­ten, von den Ver­ach­te­ten Ver­sor­gung for­dern, mei­ne Kin­der in dem Glau­ben er­zie­hen, dass sie et­was Bes­se­res sind und des­halb die Schu­le nicht so wich­tig ist, und mich dann be­kla­gen, dass ich kei­ne Chan­cen ha­be, und dann ge­walt­tä­tig wer­den. In­te­gra­ti­on muss man auch sel­ber leis­ten!“

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